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Switzerland's Michelle Gisin competes during an alpine ski, women's World Cup downhill, in Garmish Partenkirchen, Germany, Friday, Feb. 7, 2020. (AP Photo/Gianni Auletta)

Michelle Gisin ist eine, die von den Trainern eher gebremst als angetrieben werden muss. Bild: AP

«Mega geil, nach 7 Jahren des Murksens»: Michelle Gisin will mit neuem Elan angreifen

Michelle Gisin stand in dieser Saison zweimal auf dem Podest. Und doch harzte es bisweilen. Sie müsse über die Bücher, sagte sie zuletzt in Bansko. Nun ist der Kopf gelüftet und die Zuversicht zurück.



Man kennt sie als Frohnatur, als Energiebündel mit einer ansteckenden Begeisterung für eigentlich alles, was mit Bewegung zu tun hat. Als eine, die sich am liebsten in jedem Rennen des Winters aus dem Starthäuschen katapultiert. Als positive, smarte und eloquente Person. «Ich habe 36 Versuche», hatte sie 2018 auf ihrem Weg zur Allrounderin vor dem Saisonstart voller Vorfreude angekündigt – 36 Versuche verteilt auf die entlegensten Täler dieser Welt.

Michelle Gisin ist eine, die von den Trainern eher gebremst als angetrieben werden muss. Wenn sie spricht, dringt ihre Begeisterung oft in einem vorgeschobenen «mega» durch. «Mega schön» sei es, dass im Slalom derzeit vieles passte – «mega schön und mega geil, nach sieben Jahren des Murksens». Und «mega cool», dass sie im Riesenslalom zu den Top 15 gehöre, nachdem sie in der Vorsaison kaum gefahren sei in dieser Disziplin.

Auf die Probe gestellt

In den letzten Wochen erlebte man aber auch eine nachdenkliche Michelle Gisin. Vor allem der schwere Sturz ihres Bruders Marc letzte Saison in Val Gardena setzte ihr zu. Aber auch unbefriedigende Resultate und gesundheitliche Rückschläge stellten sie auf die Probe. «Ich muss über die Bücher», sagte sie vor zwei Wochen nach drei mageren Auftritten in Bansko.

Nach etwas mehr als der Hälfte der Saison 2019/20 hält die Engelbergerin bei 410 Weltcuppunkten. Einmal – zum ersten Mal – fuhr sie Ende Dezember in Lienz auf das Slalom-Podest (3. Rang), einmal schaffte sie Selbiges in der Abfahrt (3. vor einem Monat in Zauchensee). Im Gesamtweltcup liegt sie im 9. Zwischenrang. «Es ist eine sehr gute Saison, aber vorne dran steht eben noch ein ‹eigentlich›», sagt Gisin treffend. 410 Punkte nach 22 von 40 Rennen wären durchaus ansprechend, würde die 26-Jährige inzwischen nicht nach Höherem streben: «Wir wissen alle, dass ich in allen Disziplinen besser fahren kann.»

Das Küken des Gisin-Clans scheint tatsächlich zu Höherem berufen. Die 410 Punkte hat sie, obwohl der Winter für sie keineswegs reibungslos verlaufen ist. Nach vier Top-10-Plätzen in vier technischen Rennen zum Auftakt, darunter dem 4. Platz im Riesenslalom von Killington als persönliches Bestergebnis in dieser Disziplin, quälte sich Gisin in Kanada mit einer Magen-Darm-Grippe durch die ersten Speedrennen in Lake Louise.

Ein Auf und Ab

In der Folge tat sie sich in den schnellen Disziplinen wiederholt schwer. Hatte sie in Abfahrten und Super-G unverhofft geglänzt, als sie sich noch als «Slalomfahrerin mit Allrounder-Qualitäten» bezeichnete, lief es in dieser Saison, in der sie den Fokus auf die Speeddisziplinen ausgeweitet hat, plötzlich im Slalom am besten. Auch die Angst, die wieder in erhöhtem Masse mitfuhr, wurde zum Bremsfaktor.

Um wie erhofft Mikaela Shiffrin im Gesamtweltcup zu kitzeln und eine kleine Kristallkugel zu gewinnen, sind die bisherigen Auftritte zu wenig. Es fehlen nicht nur die Big Points in Form von Siegen und weiteren Podestplätzen, die der Schweizer Frauenchef Beat Tschuor als so eminent wichtig bezeichnet bei diesem Vorhaben, sondern auch die Beständigkeit. «Unkonstant» sei sie, sagt sie selbst. «Es ist ein Auf und Ab.»

Die Pause, die sie sich durch den Verzicht auf den Abstecher nach Rosa Chutor verschafft hat, verlieh ihr aber neuen Schwung. Viel besser fühle sie sich jetzt. «Ich stehe wieder besser auf dem Ski, bin wieder ich selbst. Die Auszeit hat definitiv gut getan.» Die paar Tage zuhause mit der Familie und das Badmintonspielen mit dem Bruder brachten die gewünschte Ablenkung, das eingeschobene Konditionstraining und die Schneetrainings im Südtirol hielten sie in Form. «Der Kopf ist durchgelüftet und das Gefühl für den Ski zurück.» Mit neuem Elan steigt Michelle Gisin also in die zweite Saisonhälfte. (viw/sda)

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