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Novak Djokovic, of Serbia, reacts after inadvertently hitting a line judge with a ball after hitting it in reaction to losing a point against Pablo Carreno Busta, of Spain, during the fourth round of the US Open tennis championships, Sunday, Sept. 6, 2020, in New York. Djokovic defaulted the match. (AP Photo/Seth Wenig)

Novak Djokovic realisiert, dass die US Open für ihn vorbei sind. Bild: keystone

Guru Pepe Imaz: «Es ist wichtig, dass Novak einsieht, dass niemand Gott ist»



Pepe Imaz steht für die sportlich wohl erfolgloseste Zeit in der Karriere von Novak Djokovic. Der Guru war einst selber Tennisprofi, zwischen 2016 und 2018 war er ein Teil von Djokovics Entourage. Seine Lebensphilosophie: «Liebe und Frieden». An seiner Tennisakademie im spanischen Marbella nutzt Imaz die «Kraft der Meditation und von langen Umarmungen». Djokovic war begeistert von Imaz' Methoden, seit dieser 2013 seinem Bruder Marko bei Depressionen half.

Trotz der Trennung sei das Verhältnis zu Novak Djokovic immer noch ausgezeichnet, betont Imaz, der den Serben mit seinen Inputs massgeblich beeinflusst hat. Für ihn ist der Ausraster Djokovics an den US Open «ein Produkt der Spannung, die sich aufgestaut hat». Der 33-Jährige hatte wütend einen Ball weggeschlagen und damit eine Linienrichterin am Hals getroffen, weshalb er disqualifiziert wurde.

Serbian tennis player and Novak Djokovic s brother, Marko Djokovic (L) and Novak Djokovic s mental coach, Spanish Pepe Imaz (C), look Spanish Nicolas Almagro against Serbian Novak Djokovic match at the Mutua Madrid Open tennis tournament in Madrid, Spain, 10 May 2017. MUTUA MADRID OPEN !ACHTUNG: NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG! PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xSergioxBarrenecheax 20170510-636300330024647073

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Pepe Imaz (rechts) 2017 auf der Tribüne neben Djokovics Bruder Marko. Bild: imago sportfotodienst

«Er wird sich mit seiner Tat auseinandersetzen müssen»

«Schon drei oder vier Punkte davor hat man gesehen, dass sich Nole überhaupt nicht wohl auf dem Court fühlte und sein Gesicht voller Wut war. Das hat ihn zu diesem Fehler veranlasst», sagte Pepe Imaz zum spanischen Radiosender «Cadena Ser». Er denke, dass ihm diese Situation in Zukunft helfen werde: «Er hat die Verantwortung für seine Tat übernommen und wird sich damit auseinandersetzen müssen. Aber das Beste, was wir alle tun können, ist, ihm das Gefühl zu geben, dass wir an seiner Seite sind, wenn er etwas braucht.»

Djokovics Ex-Coach Boris Becker, der sich nach wie vor als Familienmitglied bezeichnet, sagte, der ehrgeizige Tennisspieler spüre stets die Konkurrenz zu Roger Federer und Rafael Nadal. «Er spielt in der Ära von zwei Tennisgöttern und wirkt wie ein ungebetener Gast. Ich glaube, es stört ihn, weniger beliebt zu sein als die beiden», glaubt Becker zu wissen.

Auch für Imaz sind die international populäreren Federer und Nadal ein Grund für Djokovics Ausraster in Flushing Meadows. «Novak spürte den Druck, dass er sehr nahe daran war, sich weiter den Rekorden seiner Rivalen Federer und Nadal anzunähern, da sie nicht in New York am Start waren.» Er hätte sich besser nur auf sich fokussiert, so der Guru.

Federer Nadal Djokovic

Die grossen drei der Tennis-Gegenwart: Fans als Rafael Nadal, Novak Djokovic und Roger Federer. Bild: Shutterstock

«Novak ist Novak und jeder hat seine eigene Persönlichkeit»

Imaz glaubt auch, das Rezept zu kennen, um mental ein besserer Spieler zu werden: Früh übt sich, wer ein Meister werden will. In der Ausbildung im Juniorenbereich werde diesem Aspekt häufig zu wenig Beachtung geschenkt. «Ich glaube zudem, dass dieser Vorfall dazu beitragen wird, dass man Tennisspieler nicht vergöttert. Es ist wichtig, dass Djokovic einsieht, dass niemand Gott ist. Novak ist Novak und jeder hat seine eigene Persönlichkeit.»

Wie sich Federer und Nadal über Djokovic lustig machen

Video: watson/leb

Nebst der Konkurrenzsituation zu Federer und Nadal könnte es auch eine Verzettelung auf zu vielen Schauplätzen gewesen sein, die den Druck auf Djokovic erhöht hat. Kurz vor den US Open hatte die Weltnummer 1 die Gründung einer neuen Spielergewerkschaft angekündigt und die in weiten Kreisen kritisierte Adria-Tour, auf der er sich wie andere Spieler auch mit dem Coronavirus infiziert hatte, verteidigt.

«Novak ist manchmal sein grösster Feind, kann sich durch seinen Perfektionismus nervös machen lassen. Aber ich glaube nicht, dass es etwas zu tun hatte mit der Spielervereinigung», sagte im «Tages-Anzeiger» der serbische Journalist Sasa Ozmo, der Djokovic gut kennt. Er bezeichnet den Tennisspieler als eine sehr komplexe Persönlichkeit: «Manchmal scheint es, er sei mental stärker als jeder Sportler, den es je gab. Ein anderes Mal ist er nervös wie gegen Pablo Carreño Busta, gegen den er normalerweise in drei Sätzen gewinnt.»

Novak Djokovic und der Modus «Ich gegen die Welt»

Hoffnung gibt Ozmo, dass er «nach seinen bittersten Niederlagen oder Skandalen, wenn man es so bezeichnen will, immer stärker zurück kam.» Es passe nicht zu Novak Djokovic, dass er nach der Disqualifikation die Pressekonferenz geschwänzt habe. «Dafür wurde er zu Recht kritisiert. Das zeigt mir, dass ihn diese Disqualifikation stark getroffen hat und er eine Weile brauchen dürfte, um darüber hinwegzukommen.»

Finden wir die Wahrheit über Novak Djokovic in diesem Kühlschrank?

Video: watson

Anders als Imaz und Becker denkt der Reporter, dass es ihm bezüglich Konkurrenzsituation zum Duo Federer/Nadal bereits gelungen ist, darüber hinwegzukommen. Er glaube, so Ozmo, dass Djokovic dies früher noch mehr gestört habe. «Mit der Zeit fand er einen Weg, damit umzugehen, es sogar zu seinem Vorteil zu nützen. Während des Spiels macht ihn das nur noch entschlossener. Wenn er im Modus ‹Ich gegen die Welt› ist, ist er nur sehr schwer zu schlagen.»

Viele Serben stehen zu ihrem Idol

«Liebe und Frieden» predigt Guru Pepe Imaz. Ausserhalb Serbiens wurde Novak Djokovic zuletzt kaum geliebt. Umso grösser ist die Zuneigung, die der 33-Jährige in seiner Heimat erfährt. «Viele haben das Gefühl, er sei benachteiligt worden», beschreibt Sasa Ozmo. «Wie Novak von den internationalen Medien und manchmal auch von den Grand Slams behandelt wurde, korrespondiert nicht damit, was er alles erreicht hat. Alles, was er tut, wird kritisch beäugt. Deshalb haben in Serbien viele das Gefühl, man habe ihn auch am US Open benachteiligt.» Wer sich jedoch näher mit Tennis befasse, der wisse: «Das war eine Disqualifikation, keine Frage.»

Während an den US Open in New York die Halbfinals feststehen (Dominic Thiem – Daniil Medwedew und Alexander Zverev – Pablo Carreño Busta), bereitet sich Novak Djokovic bereits auf die nächsten Einsätze vor. Vermutlich wird er nächste Woche das Sandplatzturnier in Rom bestreiten. (ram)

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Flachzange 10.09.2020 14:18
    Highlight Highlight Papa Djokovic wird schon wissen, dass Roger schuld ist.
  • Skychef 10.09.2020 11:38
    Highlight Highlight Armer Djoker. Aber wird ja Ganz gut bezahlt sein ach so schweres Leben!
  • VitoCorleone 10.09.2020 10:09
    Highlight Highlight So viele Artikel über ein Malheur. In seiner Haut möchte man momentan nicht stecken. Er möchte beliebt sein, versucht es zu erzwingen und wirkt halt dabei unnatürlich.
    Aber leider liest man nicht viel, wie viel er spendet und sonst gutes tut. Klar, die Adira-Tour wurde auch ausgeschlachtet bis zum geht nicht mehr und es war ein Fehler.
    Stellt euch mal den Druck vor, wenn man geliebt werden möchte und alles versucht und es einfach nicht erwiedert wird. Entweder braucht man ein imens grosses Selbstvertrauen oder irgendwann zerbricht man daran.
    Mein Motto: Man kann nicht von allen gemocht werden.
  • Meinung 10.09.2020 09:27
    Highlight Highlight Eine weitere Psychoanalyse.🤔
    Er ist Sportler und Gewinnen und Verlieren gehören zu seinem Job.
    Er kann jederzeit aus diesem Zirkus aussteigen, am Geld sollte es nicht scheitern.
  • Klaus & Klaus 10.09.2020 09:12
    Highlight Highlight Was war zuerst? Huhn oder Ei? Ist Djokovic so unbeliebt, weil er sich eben gibt wie er ist? Oder gibt er sich so gerade weil ihm nicht die gleichen Sympathien zufliegen wie Federer und Nadal? Zweifelsohne ein toller Tennisspieler, aber gleichzeitig auch eine polarisierende Persönlichkeit, die es einem nicht einfach macht ihn zu mögen, wenn man nicht Serbe ist.
  • Cirrum 10.09.2020 09:03
    Highlight Highlight Naja, kann man sich schwer vorstellen, unter welchem öffentlichen Druck dieser Mann ist. Man sieht ja selber, an was für kleinen Sachen wir schon scheitern und wie viele drum bemüht sind, nur der Aussenwelt zu gefallen und gleich in ein Loch fallen, wenn sie zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.. oder gar nicht mit Druck umgehen können..
    Und natürlich stellen die Medien solche Leute schlecht dar, wenn es Klicks generiert.. ist halt einfach, obwohl niemand ihn kennt.. aber in Vorurteilen sind wir Menschen ja Meister und in solchen Sachen glaubt man gerne, was die Medien schreiben..
    • Skychef 10.09.2020 12:22
      Highlight Highlight Von Vorurteilen kann man wohl kaum sprechen immerhin waren Millionen Menschen live am TV als er sich diverse Male daneben benahm. Und wenn man der Welt erklärt man sei ein Gottesgeschenk und der eigene Vater Federer ständig beleidigt, er solle abtreten und sich um seine Kids kümmern, dann haben die Medien an seiner Demontage einen sehr reduzierten Anteil. Stil kann man halt nicht kaufen, nichtmal ein Gottesgleicher!
    • SuperSrbin 10.09.2020 13:31
      Highlight Highlight Kann mir mal jemand aufzeigen, wann Djokovic sich als Gottesgeschenk/Gott bezeichnet hat?
      Sein Vater, ja, viele andere Serben, ja.. aber er sich selber?
      Und für solche Aussagen anderer ist er ja wohl kaum Schuld
    • Skychef 10.09.2020 13:55
      Highlight Highlight Seine Mutter selbst erzählt in einigen Interviews dass er sich so sieht. Siehe auch das Interview mit seinem Ex-Guru. Dieser sagt Joker solle verstehen, dass niemand Gott ist! Und seine Aussage dass er nicht disqualifiziert werden solle da die Dame ja nichtmal ins Spital müsse und dass man seine Karriere mit in die Entscheidung mit einbeziehen müsse spiegeln sein krankes Ego ja auch wider.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Erklärbart. 10.09.2020 08:20
    Highlight Highlight Also wenn Djokovic nicht mal einer der Bäume umarmt helfen konnte, dann ja... gute Nacht.

Wie Federer und Nadal reagierten, als sie den Djokovic-Ausraster sahen

Dass Novak Djokovic beim US Open disqualifiziert wurde, haben auch die abwesenden Roger Federer und Rafael Nadal mitbekommen. Die beiden waren gerade zusammen unterwegs, als sie von der Nachricht erfahren haben – zu unserem Glück war auch eine Kamera dabei.

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