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Da weiss Coach Patrick noch nicht, dass er Hut und Anzug mit der Goalie-Ausrüstung tauschen muss. bild: nhl

Unvergessen

Im Stanley-Cup-Final muss plötzlich der 44-jährige Trainer ins Tor

7. April 1928: Die New York Rangers, die NHL und den Stanley Cup gibt es bereits, aber Eishockey ist noch ein anderer Sport. Als im Final um die prestigeträchtige Trophäe der Torhüter der Rangers verletzt ausfällt, springt mangels Ersatzgoalie der Trainer und General Manager ein: der 44-jährige Lester Patrick.



Mit der Lester Patrick Trophy werden in der NHL seit 1966 Persönlichkeiten mit besonderen Verdiensten für den Eishockeysport ausgezeichnet. Die Trophäe hat einen überaus würdigen Namensgeber, denn dieser Lester Patrick gewann als Spieler, Trainer und General Manager nicht nur sechs Mal den Stanley Cup, gemeinsam mit Bruder Frank und Vater Joe war er auch massgeblich an der Ausarbeitung des Eishockey-Regelwerks beteiligt. Auf die Patricks gehen unter anderem die Einführung der blauen Linie zurück, Rückennummern auf den Spielertrikots und die Idee von Playoffs am Ende der Saison.

In solchen Playoffs bestreitet Lester Patrick 1928 auch seine letzte Partie als Eishockeyspieler. Eigentlich ist er ja bereits zurückgetreten, der 44-Jährige steht als General Manager und Trainer an der Bande der New York Rangers. Die kämpfen mit den Montreal Maroons um den Stanley Cup; wer zuerst drei Spiele gewinnt, ist Champion. Weil in New York ein Zirkus den Madison Square Garden belegt, findet die gesamte Serie in Montreal statt.

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Bewegte Bilder vom Final 1928. Video: YouTube/NHL

«Jungs, lasst den alten Mann nicht hängen!»

Nach einer 0:2-Niederlage im ersten Spiel sieht's auch in der zweiten Begegnung düster aus für die Rangers. Denn Goalie Lorne Chabot verletzt sich kurz nach Spielhälfte am Auge und kann nicht mehr weiterspielen. Das grosse Problem: Ersatzgoalies stehen zu dieser Zeit noch nicht im Kader.

Patrick schaut sich um und entdeckt zwei Torhüter im Publikum, darunter Alec Connell von den Ottawa Senators. Aber die Maroons lehnen seine Bitte ab, einen dieser Goalies einsetzen zu dürfen. Und so steigt Lester Patrick halt selber in die Torhüterausrüstung. «Jungs, lasst den alten Mann nicht hängen!», fordert er seine Mitspieler auf.

Lester Patrick

Bild: Hockey Hall of Fame

Die Feldspieler geben wirklich alles. Sie attackieren ihre Gegenspieler früh, dass sie nur selten in die gefährliche Zone kommen. Der furchtlose Patrick, als Spieler ein All-Star-Verteidiger, wehrt 18 von 19 Schüssen auf seinen Kasten ab, die Rangers gewinnen in der Verlängerung 2:1 und gleichen die Serie gegen die Maroons aus. Mit 44 Jahren und 99 Tagen ist Lester Patrick bis heute der älteste Goalie, der je in einem Stanley-Cup-Final gespielt hat.

Auch der Ersatzgoalie verletzt sich

Für den Rest der Serie wird Joe Miller verpflichtet, den die New York Americans auf die Waiver-Liste gesetzt hatten und dessen letzter Einsatz schon einen Monat zurück liegt. Mit ihm gibt's eine 0:2-Niederlage und einen 1:0-Sieg, so dass es zu einem alles entscheidenden fünften Spiel kommt.

In diesem droht Trainer Patrick, noch einmal als Goalie einspringen zu müssen. Miller erleidet eine Schnittwunde und kassiert zwei blaue Augen, doch er hält durch. Die New York Rangers gewinnen das Spiel mit 2:1, die Serie mit 3:2 und den Stanley Cup. Und die Karriere von Curtis Lester «Les, The Silver Fox» Patrick ist endgültig beendet.

New York Rangers 1928

Die Champions 1928. Bild: Wikipedia

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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