Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Grasshoppers Mihai Tararache, links, und Mladen Petric im Siegesrausch nach dem 6-5 Sieg, beim Fussball Cup Halbfinalspiel zwischen den Grasshoppers und dem FC Zuerich, am Mittwoch, 3. Maerz 2004, in Zuerich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Mladen Petric (hinten) und Mihai Tararache jubeln gemeinsam über den Finaleinzug. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Vom 2:5 zum 6:5 – GC holt sich im Cup-Halbfinal den wohl dramatischsten Derbysieg

3. März 2004: Bei GC macht sich im Derby nach gut 60 Minuten die Angst vor einer Kanterniederlage breit. Doch die Hoppers kommen zurück – und sorgen für eines der denkwürdigsten Cup-Spiele der Schweizer Fussballgeschichte.



63 Minuten sind im altehrwürdigen Hardtum gespielt, als sich für die heimischen Grasshoppers eine kolossale Blamage anzubahnen scheint. 2:5 liegen die Hoppers im Cup-Halbfinal zurück, ausgerechnet gegen den Stadtrivalen FC Zürich. Der FCZ, trainiert vom jungen Lucien Favre, hat von erstaunlichen Schwächen in der Hoppers-Abwehr profitieren können.

Die Zuercher Tariq Chiab, Daniel Gygax, Artur Petrosyan und Alain Nef, von links nach rechts, juben nach dem 0-1 fuer den FCZ, beim Fussball Cup Halbfinalspiel zwischen den Grasshoppers und dem FC Zuerich, am Mittwoch, 3. Maerz 2004, in Zuerich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Tariq Chihab, Daniel Gygax, Artur Petrosyan und Alain Nef (von links) jubeln über die frühe FCZ-Führung. Bild: KEYSTONE

Schon früh liegt GC mit 0:2 zurück. Daniel Gygax trifft nach sechs Minuten zur Führung, der zweite Treffer ist ein Slapstick-Eigentor, verursacht durch Pascal Castillo und Reto Ziegler. Zweimal können die Hoppers zwar noch verkürzen, zum 1:2 und zum 2:3. Doch nach weiteren zwei Toren von Gygax und dem 5:2 durch César scheint das Spiel eine halbe Stunde vor Schluss bereits entschieden. «Angst vor einer Kanterniederlage» habe man bei GC gehabt, wie Ricardo Cabanas später zugibt.

abspielen

Das Drama im Video: Alle Highlights des denkwürdigen Derbys. Video: YouTube/ZwoelfMagazin

«Ich war total überrascht. In Brasilien ist es absolut normal, ein Tor so zu feiern.»

César

Eine rote Karte am Anfang der Wende

Beim FC Zürich macht sich derweil bereits eine gewisse Euphorie breit. Eine Euphorie, die dem FCZ zum Verhängnis werden sollte. César freut sich derart über seinen Treffer im ersten Spiel im FCZ-Dress, dass er auf den Zaun klettert, um mit den Fans zu feiern.

Dafür sieht er die gelbe Karte, seine zweite an diesem Abend, weshalb ihn Schiedsrichter Urs Meier frühzeitig unter die Dusche schickt. «Ich war total überrascht, in Brasilien ist es absolut normal, ein Tor so zu feiern. Ich wusste nicht, dass man das in der Schweiz nicht machen darf», erklärt César die Szene nach dem Spiel. Und Goalie Davide Taini ärgert sich auch Jahre später noch: «Die rote Karte war absolut tödlich. In den letzten 30 Minuten haben wir nur noch verteidigt.»

Und mit einem Mann mehr kommt GC tatsächlich zurück. Eduardo trifft erst in der 83. Minute mit einem herrlichen Weitschuss, dann komplettiert er in der 89. Minute seinen persönlichen Hattrick. Und als Mladen Petric in der 92. Minute das 5:5 erzielt, brechen im Hardturm alle Dämme.

Die Grasshoppers feiern das 5-5 durch Mladen Petric, Mitte verdeckt, beim Fussball Cup Halbfinalspiel zwischen den Grasshoppers und dem FC Zuerich, am Mittwoch, 3. Maerz 2004, in Zuerich. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Grenzenlose Freude: GC jubelt über den Ausgleich in der Nachspielzeit. Bild: KEYSTONE

Nuñez trifft, Nef fällt

Die folgende Verlängerung ist dann ebenso dramatisch. GC macht da weiter, wo es in der regulären Spielzeit aufgehört hat, die Wende soll vollbracht werden. Und so kommt es auch: Richard Nuñez überlistet den herausgeeilten FCZ-Goalie Taini mit einem Heber und bringt das Heimteam nach 95 Minuten erstmals in Front.

«Ich habe beim 6:5 am ganzen Körper gezittert.»

Thomas Gulich

Doch der FCZ gibt sich nicht auf. In der 116. Minute kommen die Gäste tatsächlich noch zu einem Freistoss aus guter Position. Alain Nef rennt dem Ball entgegen, wird aber von Luca Denicola zurückgerissen. Nef fällt – aber die Pfeife von Schiedsrichter Meier bleibt auch nach vehementen Protesten des FCZ stumm. Zu unrecht, wie Meier im Anschluss selbst zugibt: «Das war ein klarer Fehler. Mir war leider die Sicht verdeckt.»

Grosse Emotionen bis heute

So übersteht GC die letzte verzweifelte Druckphase des FC Zürich und entscheidet die denkwürdige Cup-Partie für sich. «Ich habe beim 6:5 am ganzen Körper gezittert – es war ein Moment der Ekstase», erinnert sich der damalige GC-Präsident Thomas Gulich.

Und während GC sich über die unglaubliche Wende freut, hadert der Gegner noch heute mit der Niederlage. So sagt etwa der damalige FCZ-Spieler Franco Di Jorio: «Das Spiel ist eine der schlimmsten Erinnerungen an meine Zeit als Profi.»

Der Zuercher Tariq Chihab am Boden zerstoert nach der 6-5 Niederlage beim Fussball Cup Halbfinalspiel zwischen den Grasshoppers und dem FC Zuerich, am Mittwoch, 3. Maerz 2004, in Zuerich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Am Boden zerstört - die FCZ-Spieler vergeben den sicher geglaubten Finaleinzug. Bild: KEYSTONE

Mit diesem Sieg qualifizieren sich die Grasshoppers für den Cupfinal in Basel. Nach dem dramatischen Halbfinalsieg und der Final-Qualifikation von Aussenseiter Wil scheint dem Rekordmeister GC der Titel nicht mehr zu nehmen sein. Doch am Ende verpasst das Team von Alain Geiger das Happy End: Trotz 2:1-Führung unterliegen die Hoppers dem späteren Super-League-Absteiger aus der Ostschweiz mit 2:3. Wil sichert sich sensationell den bisher einzigen Titel seiner Vereinsgeschichte.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die unendliche GC-Saga

FCZ-Trainer Ludovic Magnin teilt gegen Leverkusen aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

13 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
SirJoe
03.03.2020 06:51registriert July 2015
Das wohl unglaublichste Spiel, welches ich als GC Fan bis jetzt erleben durfte. Da waren so gut wie alle Emotionen dabei, von Verzweiflung und Resignation, Leute hatten das Stadion bereits verlassen, zur Hoffnung als plötzlich die Aufholjagd begann, bis zur puren Euphorie. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke. Danke für den Aufsteller am Morgen!
8817
Melden
Zum Kommentar
Nelson Muntz
03.03.2020 06:53registriert July 2017
Irgendwie bezeichnend für die Karriere des talentierten Gygax, dass er sein wohl bestes Spiel seiner Karriere bei einer bitteren Niederlage machte.
413
Melden
Zum Kommentar
Glenn Quagmire
03.03.2020 08:18registriert July 2015
Als Nicht Fan beider Mannschaften ein klares Zeichen, dass GC wieder aufsteigen sollte und dass Zürich zwei Vereine braucht.
Nunez, Cabanas, Spycher, Lichtsteiner, Petric, Ziegler vs Gygax, Dezmaili, Keita, Favre das sind für CH-Verhältnisse klingende Namen, wenn auch die meisten noch am Anfang einer grossen Karriere standen.
4811
Melden
Zum Kommentar
13

Unvergessen

Der FCZ wagt den Tabubruch und macht als erster Schweizer Klub Trikotwerbung

14. August 1976: Längst nehmen wir es als selbstverständlich hin, dass auf Fussballtrikots für Produkte und Marken geworben wird. Doch als diese Art der Werbung in der Schweiz eingeführt wird, ist der Teufel los.

Es gibt da diesen boshaften Spruch: Am einfachsten gelingt es, mit einem Sportklub in der Schweiz ein kleines Vermögen zu machen, wenn man mit einem grossen Vermögen beginnt. Fussball war und ist in den meisten Fällen ein Verlustgeschäft.

Das ist früher nicht anders als heute. Und so kommen findige Klubpräsidenten auf die Idee, ihre Spieler als laufende Werbeträger anzubieten. Es wird angenommen, dass Peñarol Montevideo in den 1950er-Jahren weltweit der erste Klub ist, der mit Werbung auf dem …

Artikel lesen
Link zum Artikel