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Eine kurze Ablenkung von der Brutalität. bild: archive

Unvergessen

Spontane Verbrüderung – im 1.Weltkrieg kicken deutsche und britische Soldaten an der Front

25. Dezember 1914: In Flandern tobt der Erste Weltkrieg. Soldaten des Deutschen Reichs und der Alliierten stehen sich gegenüber – und verbrüdern sich an Weihnachten spontan. Anstatt mit Waffen aufeinander zu schiessen, treten sie gegen einen Fussball.



34 Mal sind sich Deutschland und England bis heute in Länderspielen schon gegenübergestanden. Die Paarungen gelten als grosse Klassiker des internationalen Fussballs.

Während es dabei oft hitzig zu und her geht, ist eine Begegnung – eine inoffizielle, kein Länderspiel – ein wunderbarer Kontrast. Denn sie findet am Weihnachtstag 1914 statt. Mitten während des Ersten Weltkriegs, an der Front in Flandern.

Die Angaben dazu sind widersprüchlich. Berichterstatter hatten auch Wichtigeres zu tun, als das exakte Resultat eines Fussballspiels zu überliefern. Die Rede ist von einem 3:2-Sieg der Deutschen.

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Müdigkeit verfliegt, wenn Soldaten den Krieg für kurze Zeit vergessen können. bild: archive

Doch wie kommt es überhaupt zu diesem äusserst ungewöhnlichen Spiel? Zwischen zwei Gegnern, die sich noch am Tag zuvor bekriegt haben und die den Krieg nach den Weihnachts-Feiertagen auch wieder aufnehmen?

Aus erbitterten Kriegsfeinden werden so etwas wie Freunde

Berichte stützen sich auf einen deutschen Soldaten, der erzählt habe, wie man an Heiligabend im Schützengraben «Stille Nacht, heilige Nacht» gesungen habe. Briten, die in Hörweite postiert waren, hätten mit eingestimmt und ihr «Silent Night» zum Besten gegeben. Alliierte Soldaten aus Frankreich und Belgien schliesslich hätten sich mit «Douce nuit» dem Gesang angeschlossen.

So absurd es klingt: Aus erbitterten Kriegsfeinden werden an Heiligabend so etwas wie Freunde. Ein Engländer taucht mit erhobenen Händen aus dem Graben auf, geht auf die Deutschen zu, reicht ihnen Zigaretten, Tabak und die Hand. «Jetzt stellten wir auf den kilometerlangen Schützengräben Kerzen auf», wird der Soldat bei der Deutschen Welle zitiert. «Das war die reinste Illumination, über die die Engländer durch Zurufe und Händeklatschen ihre Freude ausdrückten. Meine Leute sammelten unterdessen die Gefallenen ein.»

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Zehnminütige Zusammenfassung über den Weihnachtsfrieden 1914. Video: YouTube/Der Erste Weltkrieg

Auch von einem britischen Soldaten sind Erinnerungen überliefert. «Was für ein Tag», schildert er. «Wir tranken von ihrem Schnaps, sie von unserem Rum. Wir assen gemeinsam, zeigten uns Fotos unserer Familien, lachten viel.»

Herzlichkeit, an einem Ort, wo der Horror haust. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs verlieren bei Schlachten im flandrischen Ypern mehr als 300'000 Soldaten ihr Leben. Alleine am 22. April 1915 kommen 18'000 Franzosen um.

Der junge Hitler ärgert sich

Im Morgengrauen des Weihnachtstages hat sich der Nebel verzogen und in den beiden Lagern fasst man den Mut, sich im freien Feld zu treffen. Für Stunden sind die Schützengräben gemäss 11 Freunde verwaist, denn ein schottischer Soldat hat einen echten Lederfussball mitgebracht.

Auf gefrorenem Boden, mit Helmen als Torpfosten entwickelt sich ein Spiel. «Obwohl sie alle sehr müde sein mussten, spielten sie mit riesigem Enthusiasmus», notiert Leutnant Johannes Niemann vom 133. Königlich Sächsischen Infanterieregiment. Er ist es auch, der vom 3:2-Sieg der Deutschen berichtet.

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Soldat Hitler (sitzend, ganz rechts) 1915 während des Ersten Weltkriegs. bild: bundesarchiv

Auch an anderen Orten an der Weltkriegsfront kommt es am Weihnachtstag 1914 angeblich zu Fussballspielen. Für den Stephanstag – in England heute ein traditioneller Spieltag der Premier League – werden weitere Begegnungen ausgemacht. Doch die Befehlshaber schieben diesen Plänen einen Riegel vor. «11 Freunde» zitiert die Notiz eines verärgerten Gefreiten: «Eine Friedenssehnsucht darf in der Kriegszeit nicht zur Debatte stehen.» Der Name des Gefreiten? Adolf Hitler.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Snowy 26.12.2019 00:12
    Highlight Highlight Wunderschöne und herzergreifende Geschichte!

    Wann hasst immer nur das, was man nicht kennt.
    • Snowy 26.12.2019 02:50
      Highlight Highlight *Mann
  • Ohniznachtisbett 25.12.2019 13:18
    Highlight Highlight Ein sehr schönes Beispiel, das zeigt, dass sobald der Feind ein Gesicht hat, dieser gar nicht mehr so bedrohlich wirkt. Es zeigt aber auch auf, wie straff die Hirarchien bei diesen Armeen waren und wie kriegsgeil die Offizierscorps zu jener Zeit waren. Man stelle sich vor: ein paar Mio. Deutsche, Engländer, Franzosen usw. hätten in diesen Tagen entschieden, die Waffen zu strecken und nach Hause zu gehen.
  • LaPalomaOhe 25.12.2019 12:25
    Highlight Highlight Mit über 50 fallen einem spätestens ständige Widerholungen von gewissen Zusammenhängen unangenehm auf, welche früher so durchgingen:
    Was hat das Fußballspiel 1914 zwischen Engländern und Deutschen mit Adolf Hitler zu tun, der war da ein einfacher Meldegänger ohne jede Relevanz.
    • Glenn Quagmire 25.12.2019 14:42
      Highlight Highlight Nun ja, es zeigt seine kranke Einstellung. Schade bekam er an der Front keine Kugel zwischen die Augen. Diese Patrone hätte die Geschichte verändert.
    • LaPalomaOhe 25.12.2019 21:27
      Highlight Highlight Interessante These, Frage ist dann allerdings ob zum Vor- oder zum Nachteil. Auch letzteres ist denkbar.
      (Man beachte dazu Maoismus, Stalinismus, Nationalsozialismus, Kolonialismus, Rassenpolitik, Sklaverei usw.)
    • Nussknacker 26.12.2019 06:10
      Highlight Highlight Es ist ein schriftlicher Kommentar von Adolf Hitler zu genau diesem Ereignis. Und das ist doch sehr spannend, zeigt es doch die Denkweise vom späteren Diktator.

      Mich würde die Quelle interessieren, finde keine mit diesem Satz.
    Weitere Antworten anzeigen
  • AbsolutelyChris 27.12.2017 09:19
    Highlight Highlight Ein wunderbarer Gegensatz der Enthumanisierung welche Soldaten eingetrichtert werden muss, denn sonst wäre Krieg und niemand würde hingehen.

    Nachträgli allne schöni Festziit :)
  • Naughtious Maximus 25.12.2017 15:33
    Highlight Highlight A...aber die Deutschen sind doch Monster. Das kann nicht sein was hier geschrieben wird. Zum Glück wird immerhin noch erwähnt, dass AH, das grösste Monster aller Zeiten nicht damit einverstanden war.
    • Max Dick 25.12.2017 22:35
      Highlight Highlight Nazi oder sonst einfach Probleme mit den historischen Fakten aus dem 20. Jahrhundert?
    • Alienus 26.12.2017 12:43
      Highlight Highlight Die Ironie ist das Körnchen Salz, das das Aufgetischte überhaupt erst genießbar macht. Nach J.W. von Goethe

      oder

      Das zarte Körnchen der Ironie findet selten einen gedeihlichen Mutterboden. Alienus
    • Haokeaanig 25.12.2019 13:51
      Highlight Highlight Lies den Artikel nochmal, bitte!
  • obi 25.12.2017 12:54
    Highlight Highlight "Wie konnte ich das je vergessen - ich war *niemals* abseits!" - Captain Edmund Blackadder
  • Scrj1945 25.12.2017 09:19
    Highlight Highlight Schöne geschichte. Das zeigt für mich ganz klar das man im krieg nicht die anderen soldaten hasst sondern nur ihre uniform. Die kriege werden politisch gemacht und die soldaten müssen dafür mit dem leben bezahlen, obwohl sie nichts gegen die anderen haben
    • skisandtrail 25.12.2019 13:09
      Highlight Highlight Ich habe eher das Gefühl, dass ihr, aber auch ich, die Gründe nicht nachvollziehen können, weshalb, wer gegen wen und warum und was die "Totalversager" dazu brachte, Krieg zu führen.

      Aus Distanz (seis zeitliche Distanz zu anno dazu mal oder aus Distanz zu Kriegsgebieten heute), denke ich können wir absolut nichts darüber sagen, weshalb Menschen zu Soldaten werden.
      Zwar für uns völlig unverständlich, doch wären wir in jener Zeit oder einer solchen Situation würde ich wetten, dass jeder und jede zu vielem fähig wäre - unabhängig davon wie wir in Friedenszeiten denken.
    • GinLover 25.12.2019 17:51
      Highlight Highlight @Silent_Revolution
      Klar gibt es böse Soldaten, oder auch solche, die unhinterfragt gehorchen. Aber es gab im 1. und 2. Weltkrieg auch viele, die zum Kampf gezwungen wurden. Machten sie nicht mit, wurden sie (manchmal gleich die ganze Familie mit Frau und Kind) hingerichtet, da dies als Dienstverweigerung oder Landesverrat galt.
      Nicht wenige litten nach dem Krieg lebenlang darunter, jemand getötet zu haben.
      Es ist immer einfach diese Menschen zu verurteilen und als schwach zu bezeichnen. Dabei unterschätzt man oft, wie schnell man selbst unter diesen und weiteren div. Umständen mitmachen würde.
    • skisandtrail 25.12.2019 23:28
      Highlight Highlight Der artikel ist jedoch vom 25.12.19. 10.53 uhr.... ich glaubs iiirgendwo ging was schief 😂

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