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FILE - In this March 24, 2015 file photo UEFA President Michel Platini covers his face during a news conference at the end of the 39th Ordinary UEFA Congress in Vienna, Austria. The Court of Arbitration for Sport, CAS, in Lausanne, Switzerland, plans to announce its verdict on Monday, May 9, 2016 in Michel Platini's appeal on his six-year ban from football. (AP Photo/Ronald Zak, file)

Michel Platinis Zeit als Fussball-Funktionär endete unrühmlich. Bild: AP/AP FILES

Unvergessen

Der tiefe Fall eines genialen Fussballers – Michel Platini tritt als UEFA-Präsident zurück

9. Mai 2016: Michel Platini wird vom CAS gesperrt und legt sein Amt als Präsident der UEFA nieder. Nachdem er 40 Jahre eine zentrale Rolle im Weltfussball gespielt hat, geht seine glorreiche Karriere unrühmlich zu Ende.

Julien Oberholzer / Keystone-SDA



Lange Zeit ging es fast nur aufwärts für Michel Platini. Er war einer der genialsten Mittelfeldspieler Europas, Nationaltrainer, Organisator der WM 1998 und dann erfolgreicher Sportfunktionär. Als UEFA-Präsident entwickelte er die Champions League zu einer Geldquelle und entwickelte ein Gespür dafür, die politischen Probleme zu umdribbeln. Er habe sich mit der Zeit unverwundbar gefühlt, sagte ein früherer Berater über Platini.

Als die FIFA 2015 nach verschiedenen Korruptionsfällen ins Wanken geriet, galt Platini einige Wochen lang als erster Kandidat für die Nachfolge von Präsident Sepp Blatter. Doch schliesslich fiel er gleichzeitig mit seinem früheren Mentor Blatter.

epa04863921 (FILE) FIFA President Joseph S. Blatter (L) reacts after his election as President greeted by UEFA President Michel Platini at the Hallenstadion in Zurich, Switzerland, 29 May 2015. Platini will run for FIFA presidency to succeed Sepp Blatter as media reports.  EPA/PATRICK B. KRAEMER

Verstehen sich ausgezeichnet: der ehemalige FIFA-Chef Sepp Blatter (links) und Michel Platini. Bild: EPA/KEYSTONE

Beide wurden wegen einer ominösen Millionen-Zahlung von der Ethikkommission der FIFA zunächst suspendiert und dann gesperrt. Als am 9. Mai 2016 das Sportgericht CAS die Sperre bestätigte, erklärte Platini seinen Rücktritt als UEFA-Präsident.

In Lausanne vor dem Sitz des CAS hatten sich an jenem Montagmorgen bloss drei TV-Kameras und zwei Journalisten eingefunden, um sich über das Verdikt, das Generalsekretär Matthieu Reeb verlas, vor Ort zu informieren.

Niemand hatte noch mit einer wundersamen Wende in diesem Fall gerechnet, wohl auch nicht Platini, der in einer schriftlichen Stellungnahme meinte: «Ich nehme den Entscheid des CAS zur Kenntnis, halte ihn aber für eine gravierende Ungerechtigkeit.» Er werde seinen juristischen Kampf vor den Gerichten fortsetzen. «Das Leben ist immer voller Überraschungen: Ich bin bereit, noch mehr davon zu erleben.»

Magischer Spielmacher

Das spektakuläre Comeback, an das er beim Verfassen dieser Zeilen wohl insgeheim gedacht hatte, blieb aus. Auf seine Rehabilitation wartete er in den letzten Jahren vergeblich. Im März beurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte als letzte Instanz die FIFA-Sperre gegen ihn als rechtens.

Es war bloss noch eine Randnotiz, weil selbst die ihm Wohlgesinnten mit der Affäre abgeschlossen haben und sich lieber an den anderen Platini erinnern, den Fussballer, der mit seinem aus den Hosen hängenden Trikot mit der Nummer 10 Kunst und Effizienz so genial verband.

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Zum Geniessen: einige von Platinis Highlights im Video

Er war der Kopf des magischen Mittelfeld-Vierecks, das die französische Nationalmannschaft in den Achtzigerjahren prägte. Er schien selten zu rennen und stand doch immer richtig, um den präzisen Pass zu spielen oder das entscheidende Tor zu erzielen. Dreimal war er während seiner Zeit bei Juventus Turin Torschützenkönig der Serie A. Genauso oft wurde er als Europas Spieler des Jahres ausgezeichnet.

Die Nationalmannschaft führte er bei der EM 1984 mit neun Toren in fünf Partien zum ersten grossen Titel. Wohl kein französischer Sportler war in seiner Heimat zuvor oder danach so prägend wie «Platoche».

Frankreichs Mittelfeldregisseur und Kapitaen Michel Platini, links, und sein Teamgefaehrte Alain Giresse halten am 27. Juli 1984 im Pariser Prinzenpark-Stadion jubelnd den Henri-Delaunay-Pokal hoch. Frankreich gewinnt das Europameisterschafts-Endspiel gegen Spanien mit 2:0 und wird erstmals Europameister. (KEYSTONE/EPA PHOTO/DPA/Peter Robinson)

Ein grosser Moment für Frankreich: Captain Michel Platini stemmt den Pokal nach dem EM-Sieg 1984 in die Höhe. Bild: EPA DPA

Gescheiterter Präsident

Mit der selben Leichtigkeit, mit der er das Spiel prägte, glitt er nach seinem Rücktritt von Funktion zu Funktion. Nach seinem Rücktritt als Nationaltrainer 1992 organisierte er die WM 1998 mit, auch weil der damalige Präsident François Mitterand sich für ihn eingesetzt hatte.

Später wurde Platini Berater von Sepp Blatter. Ab 2007 führte er die UEFA. Er initiierte das Financial Fairplay, machte die Champions League für die kleineren Klubs zugänglicher. Er wusste zu überzeugen. Irgendwann während seiner zweiten Amtszeit ab 2011 verlor Platini aber seinen Enthusiasmus und konzentrierte sich auf den Machterhalt, heisst es in der im Mai 2016 erschienen Biografie «Platoche».

epa08218264 (FILE) - Manchester City's  players react after Leicester City's Robert Huth (unseen)  scored during the English Premier League soccer match between Manchester City and Leicester City at the Etihad Stadium, Manchester, Britain, 06 February 2016. According to reports on 14 February 2020, Manchester City have been banned from the Champions League for the next two seasons for having broken financial fair play rules.  EPA/Nigel Roddis EDITORIAL USE ONLY. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or 'live' services. Online in-match use limited to 75 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications. *** Local Caption *** 52573087

Das von Michel Platini lancierte Financial Fair Play könnte ManCity in der Saison 20/21 die Champions League kosten. Bild: EPA

Die Vierjahressperre hat Platini mittlerweile abgesessen. Seit Anfang Jahr besetzt er einen Berater-Posten bei der Spielergewerkschaft FIFpro. Milde gestimmt ist er dadurch nicht. Aus seinem Haus im südfranzösischen Cassis erneuerte er vor einigen Tagen gegenüber «L'Equipe» den Vorwurf, es habe eine Verschwörung von «Leuten in Zürich, Lausanne und Bern» gegeben, um ihn als FIFA-Präsidenten zu verhindern.

Es sind die Eckpunkte seines Falls: die FIFA in Zürich, das CAS in Lausanne und die Bundesanwaltschaft in Bern, die mit ihren Ermittlungen 2015 den Sturz Platinis ausgelöst hat. (dab/sda)

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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