DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

USA im Irak

Ernüchternde Bilanz nach drei Tagen Luftschläge: IS ist kaum geschwächt



PULITZER PRIZE PHOTO NEWS - This photograph is one in a portfolio of twenty taken by eleven different Associated Press photographers throughout 2004 in Iraq.  A U.S. Marine of the 1st Division carries a mascot for good luck in his backpack as his unit pushed further into the western part of Fallujah, Iraq, Sunday, Nov. 14, 2004. The Associated Press won a Pulitzer prize in breaking news photography for the series of pictures of bloody combat in Iraq. The award was the AP's 48th Pulitzer. (KEYSTONE/AP Photo/Anja Niedringhaus)

Die Amerikaner haben wieder im Irak eingegriffen: Wie in dieser preisgekrönten Aufnahme von 2004. Bild: AP

Die USA haben weitere Luftangriffe gegen die Miliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak geflogen. Nach offiziellen Angaben der Streitkräfte vom Montag griffen Kampfjets vier IS-Kontrollposten sowie Fahrzeuge der Extremisten nahe des Sindschar-Gebirges an, wo Zehntausende Flüchtlinge Zuflucht gefunden haben.

Die US-Militärs sprachen von erfolgreichen Operationen. Unter den getroffenen Fahrzeugen seien auch Schützenpanzer, hiess es. Alle US-Jets seien sicher zurückgekehrt.

Luftschläge schwächten IS kaum – Obama dennoch zufrieden

Zum fünften Mal versorgte das US-Militär die Flüchtlinge im Sindschar-Gebirge mit Lebensmittel und Wasser, wie das US-Zentralkommando in Tampa in der Nacht zum Dienstag mitteilte.

Nach mehrtägigen US-Luftschlägen zog das Verteidigungsministerium in Washington eine eher ernüchternde Bilanz: Die IS-Milizen seien noch nicht gestoppt, wohl nicht einmal ernsthaft geschwächt. Die Luftangriffe der USA haben nach Einschätzung des Pentagons den Vormarsch der islamistischen Milizen gebremst, aber bislang nicht aufhalten können.

Displaced Iraqis from the Yazidi community cross the Iraqi-Syrian border along the Fishkhabur bridge over the Tigris River at the Fishkhabur crossing, in northern Iraq, on August 11, 2014. At least 20,000 civilians, most of whom are from the Yazidi community, who had been besieged by jihadists on a mountain in northern Iraq have safely escaped to Syria and been escorted by Kurdish forces back into Iraq, officials said. The breakthrough coincided with US air raids on Islamic State fighters in the Sinjar area of northwestern Iraq on August 9, and Kurdish forces from Iraq, Syria and Turkey working together to break the siege of Mount Sinjar and rescue the displaced. AFP PHOTO/AHMAD AL-RUBAYE

Jesiden auf der Flucht: Inzwischen sind sie wieder in Sicherheit. Bild: AFP

US-Präsident Barack Obama äusserte sich zufrieden über den Einsatz der US-Luftwaffe im Nordirak. Die Luftschläge gegen IS-Kämpfer seien erfolgreich ausgeführt worden, sagte Obama am Montag in seinem Ferienort Martha's Vineyard. Auch die militärische Beratung der Iraker und Kurden sei intensiviert worden.

Waffenlieferungen an die Kurden seien bereits vergangene Woche begonnen worden, sagte die Sprecherin im US-Aussenministerium, Marie Harf, dem US-Sender CNN. Die USA schicken zudem Katastrophenhelfer, um Zehntausende Flüchtlinge mit Wasser, Lebensmitteln und Unterkünften zu versorgen.

USA votiert für al-Abadi in der Hoffnung auf Stabilität

Im Machtkampf im Irak stellte sich Obama klar hinter den designierten Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi. Dessen Nominierung sei «ein hoffnungsvoller Schritt», sagte Obama. Amtsinhaber Nuri al-Maliki, der sich weigert, sein Amt abzugeben, erwähnte er dagegen mit keinem Wort. Er forderte alle politischen Fraktionen auf, die anstehenden Fragen friedlich zu lösen.

FILE - In this Tuesday, July 15, 2014 file photo, Shiite lawmaker and Deputy Parliament Speaker Haider al-Ibadi speaks to the media after an Iraqi parliament session in Baghdad.  On Monday, Aug. 11, 2014, Iraq's largest coalition of Shiite political parties chose al-Ibadi to be its candidate to lead the government in a major defeat for incumbent Prime Minister Nouri al-Maliki just hours after he declared himself the rightful candidate and put troops on the street. Critics say the Shiite al-Maliki contributed to the crisis by monopolizing power and pursuing a sectarian agenda that alienated the country's Sunni and Kurdish minorities. (AP Photo/Hadi Mizban, File)

Die USA hofft auf den designierten Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi, den Irak zu einigen.  Bild: Hadi Mizban/AP/KEYSTONE

Westliche Staaten, darunter die USA, fordern einen Amtsverzicht Malikis, der für die Spaltung des Iraks und damit für die Erfolge der IS-Milizen mitverantwortlich gemacht wird.

Jetzt komme es darauf an, rasch eine geeinte Regierung zu bilden, die alle Volksgruppen berücksichtige, sagte Obama. Erneut betonte er, dass es im Irak keine militärische Lösung gebe.

Staatschef Fuad Masum hatte am Montag den schiitischen Politiker Al-Abadi gegen den Willen Al-Malikis mit der Regierungsbildung beauftragt. Al-Maliki und Al-Abadi gehören derselben Partei an. Al-Maliki möchte selbst für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt werden.

Iraqis gather to support Iraqi Prime Minister Nuri al-Maliki in Baghdad, August 11, 2014.  Maliki was battling to keep his job on Monday, deploying forces across Baghdad as some parliamentary allies sought a replacement and the United States warned him not to obstruct efforts to form a new government. Placard (L) reads,

Am Montag in Bagdad: Al-Malikis Anhängerschaft demonstriert für ihren Präsidenten.  Bild: AHMED SAAD/REUTERS

Auch Iran hat Interesse an stabilem Mehrheits-Präsidenten

Iraks Nachbar Iran bleibt in dem internen Machtkampf neutral. «Für den Iran ist es lediglich wichtig, dass der neue Mann von der Mehrheit des irakischen Parlaments unterstützt wird», sagte Präsident Hassan Ruhani am Montag nach Angaben des Webportals des Präsidialamts. 

Die Lage im Irak sei beunruhigend, daher müsse das Land schnellstens eine rechtmässige Regierung bilden, sagte Ruhani. Die Bekämpfung der IS-Miliz habe Priorität und müsse von allen Ländern der Region unterstützt werden.

Rund 40'000 Iraker der Minderheit der Jesiden sind nach ihrer Massenflucht vor der Terrormiliz in das Sindschar-Gebirge wieder in Sicherheit, wie der Zentralrat der Jesiden in Deutschland mitteilte. Allerdings warteten in der Gebirgsregion westlich der Stadt Mossul noch etwa weitere 40'000 Angehörige der religiösen Minderheit auf Hilfe.

Displaced people from the minority Yazidi sect, fleeing violence from forces loyal to the Islamic State in Sinjar town, walk towards the Syrian border, on the outskirts of Sinjar mountain, near the Syrian border town of Elierbeh of Al-Hasakah Governorate August 10, 2014. Islamic State militants have killed at least 500 members of Iraq's Yazidi ethnic minority during their offensive in the north, Iraq's human rights minister told Reuters on Sunday. The Islamic State, which has declared a caliphate in parts of Iraq and Syria, has prompted tens of thousands of Yazidis and Christians to flee for their lives during their push to within a 30-minute drive of the Kurdish regional capital Arbil. Picture taken August 10, 2014. REUTERS/Rodi Said (IRAQ - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT TPX IMAGES OF THE DAY)

Jesiden flüchten Richtung Syrien. Bild: STRINGER/IRAQ/REUTERS

Der Vormarsch der IS-Miliz beschäftigt am Dienstag auch die EU-Botschafterkonferenz in Brüssel. (sda/reu/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Kompetenter Trumpismus – oder warum Ron DeSantis zum Schrecken der Demokraten wird

Der Gouverneur aus Florida wird neuerdings als Favorit für die Nachfolge des 45. Präsidenten gehandelt.

Okay, der nächste US-Präsident wird erst in dreieinhalb Jahren gewählt werden. Jetzt schon darüber zu spekulieren, mag daher ein bisschen früh sein. Mögliche Favoriten gehen jedoch bereits in Stellung: Mike Pence wird in den kommenden Tagen ein Buch veröffentlichen. Dass Ted Cruz und Marco Rubio antreten wollen, ist ein offenes Geheimnis. Die ehemalige Uno-Botschafterin Nikki Haley hofft, als Frau zu punkten, Josh Hawley mit seiner Jugend.

Die besten Chancen werden jedoch einem Mann eingeräumt, …

Artikel lesen
Link zum Artikel