DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Vormarsch der IS im Nordirak

US-Präsident Obama gibt grünes Licht für gezielte Luftangriffe im Norden des Iraks



President Barack Obama leaves the podium after speaking about the situation in Iraq in the State Dining Room at the White House in Washington, Thursday, Aug. 7, 2014. Obama says he's authorized the U.S. military to carry out airstrikes in Iraq against Islamic militants if they advance toward the city of Erbil.(AP Photo/Charles Dharapak)

Präsident Barack Obama verlässt nach seiner Rede über die Situation im Irak die Pressekonferenz im Weissen Haus. Bild: Charles Dharapak/AP/KEYSTONE

Die USA wollen die IS-Extremisten im Irak aus der Luft angreifen, um ein Vorrücken zu verhindern. Das sagte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag (Ortszeit) nach einer Sitzung mit seinen Militärberatern. Das US-Militär soll «gezielt» von der Luft aus intervenieren, um die Kämpfer der IS am Vorrücken auf Erbil zu hindern sowie ein Massaker im Sindschar-Gebirge zu verhindern. 

Obama rückte bei seiner Erklärung am Donnerstagabend im Weissen Haus in Washington den Schutz von US-Militärs in Erbil und anderswo im Irak in den Vordergrund. Zu deren Schutz soll die US-Armee etwa Konvois der Extremistengruppe Islamischer Staat bombardieren, damit die Terrorgruppe nicht weiter auf die Hauptstadt des autonomen Kurdengebiets vorrücken kann. 

Allerdings gehe es auch darum, einen Völkermord an den im Sindschar-Gebirge eingeschlossenen Jesiden zu verhindern, sagte er. Dazu hätten die Extremisten aufgerufen, indem sie die religiöse Minderheit vor die Wahl stellte, zum Islam zu konvertieren oder zu sterben. Angesichts solcher Drohungen könne sich die USA nicht blind stellen. 

US-Militärhilfe für Kurden

Zusätzlich zur Unterstützung aus der Luft wollen die USA auch die militärische Unterstützung für die irakischen Kurden verstärken. Die Hilfen würden «beschleunigt», sagte ein ranghoher Militärvertreter am Donnerstag. Details gab er nicht bekannt. Die Unterstützung soll die Hilfe ergänzen, welche die USA bereits den irakischen Sicherheitskräften zukommen lässt. Dazu gehören Raketen und Munition, die unter anderem auch gegen Panzer eingesetzt werden kann. (sda/reu/meg)

abspielen

Video: YouTube/PigMine5

Obama schliesst Einsatz von Bodentruppen aus

US-Flugzeuge hätten bereits am Donnerstag erste Hilfsgüter in der Region auf Wunsch der irakischen Regierung abgeworfen, sagte Obama weiter. Im Sindschar-Gebirge sind nach UNO-Angaben rund 200'000 Menschen ohne Lebensmittel und Wasser eingeschlossen, die vor den IS-Extremisten geflüchtet sind.  

Die USA stünden bereit, den Bedrohten zu Hilfe zu kommen, sagte Obama weiter. Unklar ist, ob und wenn ja in welchem Masse auch Luftangriffe zur Befreiung der Jesiden geflogen werden sollen. Einzelheiten nannte Obama zunächst nicht. Er gab auch nicht an, ob es bereits zu Lufteinsätzen gekommen ist. 

PULITZER PRIZE PHOTO NEWS - This photograph is one in a portfolio of twenty taken by eleven different Associated Press photographers throughout 2004 in Iraq.  A U.S. Marine of the 1st Division carries a mascot for good luck in his backpack as his unit pushed further into the western part of Fallujah, Iraq, Sunday, Nov. 14, 2004. The Associated Press won a Pulitzer prize in breaking news photography for the series of pictures of bloody combat in Iraq. The award was the AP's 48th Pulitzer. (KEYSTONE/AP Photo/Anja Niedringhaus)

US-Truppen im Irak: Ein US-Soldat streift mit seinen Kameraden 2004 durch Falludscha im Irak. Obama will einen weiteren Krieg im Irak verhindern. Bild: AP

Sobald dies passiert, wird es die erste militärische Intervention der USA seit dem Rückzug der US-Truppen aus dem Irak 2011 sein. Obama schloss allerdings den Einsatz von Bodentruppen aus. Er werde es nicht zulassen, dass die USA in einen weiteren Krieg im Irak hineingezogen würden, sagte Obama dazu. 

«Heute noch keine Einsätze»

Vor Obamas Ankündigung hatte der irakische UNO-Botschafter Mohammed Ali Alhakim über Gespräche mit anderen Nationen bezüglich Luftangriffen gegen IS informiert. «Es wird heute noch keine Einsätze geben», sagte er. «Wir arbeiten eng mit Washington zusammen und bereden, ob wir eine militärische Intervention brauchen. Aber so weit sind wir noch nicht.» 

Die Regierung in Bagdad habe in den vergangenen Tagen immer nur gesagt, sie wolle «Hilfe» von der internationalen Gemeinschaft. «Damit meinen wir humanitäre Hilfe und möglicherweise auch militärisches Material. Über alles Weitere wird gesondert zu sprechen sein.» 

Sicherheitsrat verurteilt Terror

Der UNO-Sicherheitsrat hatte die Angriffe der Terrorgruppe IS im Irak nach einer Sondersitzung am Donnerstag scharf verurteilt. Zu einem militärischen Eingreifen äusserten sich die Mitglieder des Gremiums aber nicht. 

«Wir müssen prüfen, ob die Attacken Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind. Dann müssen die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden», sagte der derzeitige Ratspräsident, Grossbritanniens UNO-Botschafter Mark Lyall Grant. Über die förmliche Verurteilung ging das Papier nicht hinaus. 

Lyall Grant sagte, Grossbritannien bereite eine Resolution vor, in der die Gruppe Islamischer Staat «äusserst scharf verurteilt» werde. Das Papier solle aber auch einige «praktische Elemente» enthalten, etwa wie man die Finanzierung der islamistischen Terrorgruppen unterbinden könnte.  

Russlands Botschafter Vitali Tschurkin sagte, die Bagdader Regierung müsse unterstützt werden. Er wollte aber nicht die Frage beantworten, ob Russland militärische Schläge von ausserhalb akzeptieren könnte.(sda/reu/dpa/afp/meg)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Kompetenter Trumpismus – oder warum Ron DeSantis zum Schrecken der Demokraten wird

Der Gouverneur aus Florida wird neuerdings als Favorit für die Nachfolge des 45. Präsidenten gehandelt.

Okay, der nächste US-Präsident wird erst in dreieinhalb Jahren gewählt werden. Jetzt schon darüber zu spekulieren, mag daher ein bisschen früh sein. Mögliche Favoriten gehen jedoch bereits in Stellung: Mike Pence wird in den kommenden Tagen ein Buch veröffentlichen. Dass Ted Cruz und Marco Rubio antreten wollen, ist ein offenes Geheimnis. Die ehemalige Uno-Botschafterin Nikki Haley hofft, als Frau zu punkten, Josh Hawley mit seiner Jugend.

Die besten Chancen werden jedoch einem Mann eingeräumt, …

Artikel lesen
Link zum Artikel