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epa07036433 US President Donald J. Trump (R) participates in an interview with Sean Hannity (L) before addressing attendees during the Make America Great Again Rally at the Las Vegas Convention Center in Las Vegas, Nevada, USA, 20 September 2018.  EPA/JOHN GURZINSKI

Ein Bild aus alten Zeiten: Fox-News-Moderator Sean Hannity und Donald Trump. Bild: EPA/EPA

Analyse

Fox News war gestern, jetzt kommt Newsmax

Donald Trump ist sauer auf seine Lieblings-TV-Station. Davon profitieren zynische Medien-Söldner und erzkonservative Milliardäre.



Nach den Wahlen geschah mit dem Aktien-Kurs von Fox Corporation etwas Ungewohntes: Er sank. Die Ursache für diesen Kursverlust liegt in der Tatsache, dass Rupert Murdochs bestes Pferd im Stall, der TV-Sender Fox News, lahmt. So meldete die «Washington Post» wenig später:

«Es scheint, dass es zwischen Fox News und der Basis der GOP zu einem ernsthaften Zerwürfnis gekommen ist. Gemäss Morning Consult (einem Meinungsumfrage-Institut, Anm. d. Red.) ist die Zustimmung der Republikaner zu Fox News seit dem 3. November massiv eingebrochen; beinahe gleich viele Republikaner sagen nun, sie hätten eine schlechte Meinung von Fox, wie solche, die Fox nach wie vor mögen.»

Ausgelöst hat diese Entwicklung Donald Trump. Schon während des Wahlkampfes legte sich der Präsident gelegentlich mit seinem Haussender an, etwa wenn ihm die Interviewfragen von Chris Wallace zu forsch erschienen. Als Fox News jedoch in der Wahlnacht Joe Biden zum Gewinner im Bundesstaat Arizona ausrief, war dies zu viel für Trump. Er schaltete auf totalen Angriffsmodus und begann, Fox News fortan aufs Übelste zu beschimpfen.

People rally outside City Hall, Thursday, Nov. 5, 2020, in Phoenix. Dozens of pro-Trump protesters gathered to protest after Democratic challenger Joe Biden was reported to have flipped the Republican stronghold of Arizona. (AP Photo/Matt York)

Verärgerte Trump-Fans protestieren in Phoenix (Arizona) – auch gegen Fox News Bild: keystone

Bis heute ist Trumps Wut nicht verraucht. So tweetete er kürzlich schadenfreudig: «Der CRASH der Fox-Einschaltquoten während des Tages wird weitergehen.» Seine Fans skandieren derweil: «Fox News sucks!» (Fox News ist echt scheisse).

Auftritt Newsmax. Bisher war dies eine TV-Station, die zwischen lokalem Sender und TV-Shopping ein von der Öffentlichkeit kaum beachtetes Nischendasein am äussersten Rand des Politspektrums fristete. Um die langen Stunden zwischen den Eigenleistungen zu füllen, musste man vorwiegend auf alte Dokumentarfilme aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgreifen.

Neuerdings werden aktuelle Politshows von national bekannten Persönlichkeiten wie Trumps ehemaligem Pressesprecher Sean Spicer moderiert. Newsmax überbietet nun Fox News in Sachen Schmeicheleinheiten an die Adresse des Präsidenten. Bis heute weigert man sich daher, Biden das Attribut «presiden elect» zu verleihen. Rudy Giuliani und seiner Clowntruppe werden derweil unbeschränkte Sendezeit eingeräumt.

Damit holt Newsmax bei den Quoten mächtig auf: Die Zuschauerzahlen sind von einst mickrigen 58’000 auf beachtliche 1,1 Millionen emporgeschnellt.

This 2018 photo shows Chris Ruddy, CEO of Newsmax. The network's rise in popularity has been astonishingly swift and could indicate the first serious threat to Fox News Channel's iron grip on conservative viewers in two decades. (Newsmax via AP)

Der starke Mann bei Newsmax: Chris Ruddy. Bild: keystone

Der starke Mann bei Newsmax heisst Christopher Ruddy. Er denkt bereits laut über einen neuen Namen für seinen Sender nach: «Trumpmax». Ruddy gehört zu Trumps engerem Freundeskreis, er ist Stammgast in Mar-a-Lago. Die Studios des Senders sind nur unweit von Trumps Nobelclub in Palm Beach angesiedelt, in Boca Raton.

Ruddy ist kein Überzeugungstäter, er ist ein ausgekochter Zyniker. Vor nicht allzu langer Zeit spendete er noch für Hillary Clinton. Nun wittert er mit Trump das ganz grosse Geschäft: Er will Fox News den Rang ablaufen. Das würde nicht nur Macht und Prestige bedeuten, sondern auch sehr viel Geld. Fox News erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,9 Milliarden Dollar, Newsmax gerade mal 26 Millionen Dollar.

Auf sich allein gestellt kann Ruddy nicht gegen Murdoch antreten. Deshalb ist er auf der Suche nach Verbündeten. Als erstes bietet sich One America News Network (OANN) an. Dieser Sender ist mit Newsmax vergleichbar: rechtsextrem, Trump-hörig – und defizitär.

Wie Newsmax profitiert OANN ebenfalls vom Fox-News-Blues der Republikaner. Und ein äusserst potenter Finanzier zeigt offenbar grosses Interesse daran, die beiden Sender miteinander zu fusionieren. Es handelt sich dabei um Thomas Hicks. Dieser hat mit seiner Firma Hicks Equity Partner Milliarden verdient und hat beste Beziehungen zur GOP. Sein Sohn ist zudem ein Kumpel von Donald Trump jr.

FILE - Moderator Chris Wallace of Fox News speaks as President Donald Trump and Democratic presidential candidate former Vice President Joe Biden participate in the first presidential debate in Cleveland on Sept. 29, 2020. Leaders of the Commission on Presidential Debates and moderators of all three debates gathered for a remote debrief Monday night. Two takeaways: increased early voting means the commission is considering earlier debates, and the mute button may be here to stay.  (Olivier Douliery/Pool via AP, File)

Hat Trump verärgert: Fox-News-Moderator Chris Wallace. Bild: keystone

Einen TV-Kanal in die Gewinnzone zu führen, ist alles andere als ein Kinderspiel. Dazu braucht es hunderte Millionen von Dollars und Anwälte, die sich im Dschungel der Gesetze um die Rechte auskennen. Dank Hicks könnte das Kapital zur Verfügung stehen, und sollte es Ruddy gelingen, Trump als Galionsfigur zu gewinnen, wäre das bisher Undenkbare denkbar geworden: Fox News würde seine Monopolstellung bei den Konservativen verlieren.

Nicole Hemmer, eine Historikerin und Expertin der rechten Szene, erklärte daher in der «Financial Times»: «Das wird nun der grosse Test werden: Gibt es genügend Trump-Anhänger, die Newsmax so profitabel machen wie Fox News?»

Nicht nur Fox News erhält Konkurrenz. Die Konservativen sind auch verärgert über Twitter und Facebook, sei es, weil die präsidialen Tweets nur noch mit einer Warnung gepostet werden, oder sei es, weil die Story über Hunter Bidens Laptop erst gar nicht aufgenommen wurde.

Vor allem ein Möchte-gern-Twitter macht derzeit von sich reden. Es handelt sich dabei um eine rechts-libertäre Plattform namens Parler. Wer auf Twitter geblockt wird, kann sich dort austoben. Das Konzept scheint Erfolg zu haben. Am vergangenen Wochenende war Parler die am meisten heruntergeladene App bei Apple. Inzwischen sollen sich mehr als zehn Millionen Menschen auf dieser Plattform tummeln.

Former Mayor of New York Rudy Giuliani, left, listens to Sidney Powell, both lawyers for President Donald Trump, during a news conference at the Republican National Committee headquarters, Thursday Nov. 19, 2020, in Washington. (AP Photo/Jacquelyn Martin)
Sidney Powell,Rudy Giuliani

Auch bei Fox News wieder salonfähig: Rudy Giuliani und Sidney Powell. Bild: keystone

Wie bei Newsmax kann Parler prominente Namen vorweisen, etwa Don Bongino, ein martialischer Fox-News-Star, der Millionen von Followern auf Facebook hat. Vor allem hat Parler auch einen potenten Geldgeber im Hintergrund: Robert Mercer und dessen Tochter Rebekah. Die beiden haben seinerzeit schon Breitbart finanziert und die Projekte von Steve Bannon. Trumps ehemaligen Chefstrategen haben sie inzwischen fallengelassen.

Die neue Konkurrenz ist im Begriff, die Medienlandschaft am äussersten rechten Rand aufzumischen. Doch die alten Player wie Rupert Murdoch werden das Feld nicht kampflos räumen. Fox News hat sich in die Schützengräben begeben und schlägt zurück. Moderatoren wie Lou Dobbs und Maria Bartiromo überbieten sich mit Gefälligkeits-Interviews mit Trump.

Trotz seinen an Peinlichkeiten nicht zu überbietenden Auftritten ist auch Rudy Giuliani wieder ein gern gesehener Gast beim Sender. Übervater Sean Hannity liess gar Sidney Powell – die irre Anwältin mit der Chavez-Verschwörungstheorie – ausführlich zu Wort kommen.

Vor allem setzt Murdoch auf das, was Trump am wichtigsten ist: Geld. Angeblich soll er damit liebäugeln, dem Präsidenten nach dessen Auszug aus dem Weissen Haus einen 100-Millionen-Dollar-Vertrag anzubieten. Die Historikerin Hemmer glaubt daher, dass es zwischen Trump und Fox News zu einer Versöhnung kommen wird:

«Zusätzlich zu seiner Fox-News-Sucht liebt es Trump, in Verbindung mit den prestigereichsten Dingen in Verbindung gebracht zu werden. Und in der Welt der konservativen Medien besitzt Fox News am meisten Prestige.»

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