Wirtschaft
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President Donald Trump listens as Nevada business leaders talk at Trump International Hotel Las Vegas, Wednesday, Oct. 28, 2020, in Las Vegas. (AP Photo/Evan Vucci)
Donald Trump

Donald Trump bei einer Veranstaltung mit Geschäftsleuten in Las Vegas. Bild: keystone

Jetzt lässt auch die Börse Donald Trump im Stich

Die Coronakrise setzt dem US-Präsidenten arg zu. Nun droht auch noch die schlechteste Börsenwoche seit dem Frühling.



Die Börse ist für Donald Trump das Mass aller Dinge. Das Prahlen mit den steigenden Aktienkursen gehört zu seinem Wahlkampf-Repertoire genauso wie die Schmähungen an die Adresse seiner Gegner.

Weil Aktien einen zentralen Pfeiler der amerikanischen Altersvorsorge darstellen – dank den sogenannten «401K»-Plänen – erhofft sich der Präsident, mit steigenden Börsenkursen auch die Gunst der Senioren zu erringen. Typisch seine Ausführungen an einer Rally kürzlich im Bundesstaat Ohio:

«Die Wahl ist eine Entscheidung zwischen einer Super-Erholung der Wirtschaft und einer Biden-Depression. Ihr werdet eine Depression kriegen. Und was ist mit euren 401Ks? Ihr könnt sie wegschmeissen. Sie sind nichts mehr wert.»

Dank der Geldschwemme der Zentralbanken und dem grenzenlosen Vertrauen der Daytrader hat die Börse Trumps Spiel bisher mitgespielt. Obwohl die reale Wirtschaft wegen Corona massiv eingebrochen ist, haben sich die Aktienkurse erstaunlich rasch erholt.

epa08782163 US President Donald J. Trump acknowledges the crowd after adressing supporters at Goodyear Airport in Phoenix, Arizona, USA, 28 October 2020. Arizona, which has been a traditionally Republican majority state, is in play in the 2020 presidential election with polls showing that Democratic challenger Joe Biden may win the state and democratic Senate candidate Mark Kelly may complete the flip from republican to democrat in major political offices.  EPA/RICK D'ELIA

Der Präsident suhlt sich in einem Bad in der Menge. Bild: keystone

Doch ausgerechnet in der alles entscheidenden Woche vor den Wahlen scheint die Börse Trump im Stich zu lassen. Die Börsenindices Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq sind gestern um mehr als drei Prozent eingebrochen. Drei Tage hintereinander schlossen die Börsen damit im Minus. Den Investoren droht die schlimmste Woche seit dem Crash im März.

Der Stimmungsumschwung an den Finanzmärkten hat mehrere Gründe. Es ist inzwischen praktisch unmöglich, dass sich das Weisse Haus und der Kongress noch vor den Wahlen auf ein neues Hilfsprogramm einigen werden. Das wird die Konsumlust der Amerikanerinnen und Amerikaner dämpfen.

Weil inzwischen rund 70 Prozent der US-Wirtschaft vom Konsum abhängen, sind die Folgen gravierend. Hugh Gimber, Analyst bei JPMorgan, erklärt dazu im «Wall Street Journal»:

«Noch vor einem Monat sind die Marktteilnehmer davon ausgegangen, dass Lockdowns eine zeitlich und örtlich begrenzte Angelegenheit sein werden. Nun jedoch fürchten wir, dass die Auswirkungen länger und schwerwiegender sein werden.»

Dazu kommt, dass die Angst wächst, ein allfälliger Machtwechsel im Weissen Haus könnte nicht friedlich über die Bühne gehen. Der sogenannte «Angstindex» an der Börse, der Vix, bewegt sich weit über den normalen Durchschnitt und befindet sich auf dem höchsten Stand seit dem Juni.

epa08781436 A sign for Wall Street outside of the New York Stock Exchange in New York, New York, USA, 28 October 2020. Stocks were down again today, with the Dow Jones industrial average down over 800 points in midday trading, as investors continued to react to expected economic impact of the spread of the coronavirus.  EPA/JUSTIN LANE

Die Wall Street zweifelt immer stärker an Trump. Bild: keystone

Trump hofft, dass die heute veröffentlichten Zahlen des Wachstums der realen Wirtschaft die Talfahrt an den Börsen auffangen wird. Das amerikanische Bruttoinlandprodukt hat im dritten Quartal um 33 Prozent zugelegt. Das Vertrauen der Business-Gemeinschaft scheint er jedoch verloren zu haben. «Corporate America bricht mit Donald Trump», meldet die «Financial Times» und stellt fest: «Es bildet sich ein wachsender Konsensus in Corporate America heraus, dass Mr. Trump nicht mehr gut fürs Geschäft ist».

In den Wirtschaftskreisen verbreitet sich eine Stimmung im Sinne von: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Will heissen: Trump hat sein Steuergeschenk abgeliefert, jetzt wird er zunehmend zu einer Last.

Die CEOs der führenden Unternehmen haben genug von der permanenten Unsicherheit, die der Präsident erzeugt. Jamie Dimon, Chef von JP Morgan und der wohl einflussreichste Banker an der Wall Street, fordert daher offen dazu auf, Biden zu wählen. Verschiedene Industrieverbände haben derweil ein Communiqué veröffentlicht, indem sie den Präsidenten dazu auffordern, einen allfälligen Machtwechsel nicht zu gefährden.

FILE - In this April 4, 2017 file photo, Jamie Dimon, Chairman and CEO of JPMorgan Chase, discusses his Annual Letter to Shareholders at the Chamber of Commerce of the United States of America in Washington.  President Donald Trump is scoffing at a claim by Dimon that he could beat Trump in an election. Trump tweeted Thursday that Dimon is a

Geht auf Distanz zu Trump: Jamie Dimon, CEO von JP Morgan. Bild: AP/FR170694 AP

Das Macho-Gehabe Trumps passt nicht mehr in die moderne Geschäftswelt. In einer Zeit, in der sich alle Unternehmen bemühen, Rücksicht auf Umwelt und Mitarbeiter zu nehmen, scheint der Präsident einer aussterbenden Rasse anzugehören. Nochmals die «Financial Times»:

«Mr. Trump stellt eine überkommene Karikatur des Kapitalismus dar: Sein Fokus auf die Börse als einzigen Massstab des Fortschritts lassen ihn ausschauen wie den letzten Jünger von Milton Friedman und dessen Lehre vom Shareholder Value.»

Auch an der Coronafront sieht es düster aus für Trump. Speziell in den Staaten des sogenannten Rust Belts – Michigan, Ohio, Wisconsin, Pennsylvania – wütet das Virus derzeit besonders heftig. Mindestens drei dieser Staaten muss der Präsident jedoch gewinnen, will er im Januar eine zweite Amtszeit antreten.

Steigende Coronafälle sind Gift für Trump. Ausserhalb der Fox-News-Blase glaubt kaum jemand, dass er die Krise im Griff hat. Seine Aussagen, die USA seien im Begriff, die Kurve zu kriegen, ein Impfstoff sei in greifbarer Nähe und die Menschen könnten bald wieder zu ihrem normalen Leben zurückkehren, lösen nur noch Kopfschütteln aus.

ARCHIV - Anthony Fauci, Direktor des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), trägt bei seiner Ankunft zu einer Anhörung im Corona-Ausschuss des Repräsentantenhauses einen Mundschutz mit dem Logo der Washington Nationals. Foto: Erin Scott/Pool Bloomberg/ AP/dpa

Lässt sich keinen Maulkorb umbinden: Dr. Anthony Fauci. Bild: sda

Trumps blinder Optimismus steht im krassen Widerspruch zu den Prognosen der Experten. So erklärte Anthony Fauci gegenüber dem TV-Sender CNBC gestern: «Es wird alles noch schlimmer werden. Wir kommen nun in die kalte Jahreszeit, und wir können schlicht nicht mehr so weitermachen.»

Die Fakten bestätigen Faucis düstere Prognose. Gestern sind in den USA erneut mehr als 80’000 Personen positiv getestet worden. Mehr als 1000 Menschen sind an Covid-19 gestorben.

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