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Kommentar

Die Elite ist Schuld an Trumps Wahlsieg? Was für ein Schwachsinn!!!

Der Sündenbock für den Wahlsieg Trumps ist gefunden. Doch wer jetzt über eine vermeintliche Elite lästert, begeht einen schweren Fehler.



Roger Koeppel, Nationalrat SVP, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur Vorstellung des neuen Positionspapiers zur Schweizer Medienpolitk der SVP, am Freitag, 26. August 2016 in Bern.  (KEYSTONE/Manuel Lopez)

Will auch bei uns gegen eine Elite ankämpfen: Roger Köppel. Bild: KEYSTONE

Nachdem die Schockstarre über den Wahlsieg sich langsam löst und man sich an den Gedanken, dass Donald Trump bald ins Weisse Haus einziehen wird, gewöhnt, ist die Suche nach dem Sündenbock in vollem Gange. Besser gesagt: Der Sündenbock ist bereits gefunden. Es handelt sich um eine Elite, die linksliberal, verwöhnt, satt und was auch immer ist.  

Ist Obama wirklich der Vater von Trumps Wahlsieg?

In dieser schlichten Sichtweise ist Barack Obama nun nicht mehr bloss der Vater des «IS», er ist auch der Vater von Trumps Wahlsieg. Er habe nur schön geschwatzt, aber nichts für die von der Globalisierung gebeutelte Mittelschicht getan, heisst es. Stattdessen habe er mit dem «Davos Menschen», dem Inbegriff der globalisierten Elite, herumgeturtelt.  

epa04666486 Republican Senate Majority Leader from Kentucky Mitch McConnell speaks to the media about the nomination of Loretta Lynch to be attorney general in the US Capitol Washington, DC, USA 17 March 2015. McDonnell said the Senate won't vote on the Lynch nomination until they bring up the human trafficking bill.  EPA/JIM LO SCALZO

Hat zur totalen Blockade gegen Obama aufgerufen: Mitch McConnell. Bild: JIM LO SCALZO/EPA/KEYSTONE

Was für ein Schwachsinn! Zur Erinnerung: Mitch McConnell, der Führer der Republikaner im Senat, hat bereits am Tag des Amtsantrittes von Obama geschworen, alles zu unternehmen, um ihn zu blockieren. Und er hat es auch getan: Die Republikaner haben dem Präsidenten auf Schritt und Tritt Knüppel zwischen die Beine geworfen.  

Gerade Linksliberale warnen schon lange

Ein erstes Konjunkturprogramm nach der Beinahe-Kernschmelze des Finanzsystems im Herbst 2008 war nicht zu vermeiden. Doch dieses Programm war viel zu schwach auf der Brust – wie übrigens gerade linksliberale Ökonomen wie Joseph Stiglitz und Paul Krugman immer und immer wieder betont haben. Vergeblich. Mit dem Argument der aus dem Ruder laufenden Staatsverschuldung und dem damit verbundenen Weltuntergang haben die Republikaner alles verhindert.

House Speaker Paul Ryan of Wis. speaks during a news conference in Janesville, Wis., Wednesday, Nov. 9, 2016. (AP Photo/Paul Sancya)

Über Nacht zum Trump-Fan mutiert: Wendehals Paul Ryan.  Bild: Paul Sancya/AP/KEYSTONE

Dieselben Republikaner, die bei Obama Zeter und Mordio geschrien, Budgets verweigert und einmal gar die Verwaltung lahmgelegt haben, werden sich jetzt auf den Rücken legen – und Trump jeden Wunsch erfüllen. Paul Ryan, der im Wahlkampf nicht einmal zusammen mit dem neu gewählten Präsident auftreten wollte, wird jetzt lammfromm dessen Anliegen durch das Abgeordnetenhaus winken. Derselbe Paul Ryan übrigens, der bis vor kurzem für eine Austeritätspolitik auf Stelzen plädiert hat.  

Dass Trumps Konjunkturprogramme nicht einmal im Ansatz finanziert sind, und dass sie die Staatsschulden ins Unermessliche steigen lassen werden, kümmert die Republikaner nun keinen Deut mehr. Das Perverse dabei: Trump wird mit der Politik wahrscheinlich Erfolg haben. Bei Hitler hat es mit Rüstungsausgaben und Autobahnen ja auch geklappt.  

Auch die IT-Unternehmer gehören jetzt zur bösen Elite, und es stimmt: Im Silicon Valley hat Trump ausser dem Herrenmenschen Peter Thiel wenig Freunde. Allerdings, wie wir ohne Digitalisierung unsere Ökonomie oder unsere Ökologie in den Griff kriegen werden, weiss niemand. Hauptsache keine Elite. Dass wir damit auch die Zukunft von Solar- und Windenergie in Frage stellen, ist kein Thema.  

Exterior view of the conference center, pictured on Monday, January 18, 2016, in Davos. The World Economic Forum WEF will take place in this location from January 20 to 23. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Sinnbild der Elite: Das WEF in Davos. Bild: KEYSTONE

Ja, es ist wichtig, dass die Verlierer endlich ihren Teil vom Globalisierungs-Kuchen erhalten, und ja, der «Davos Man» ist keine besonders sympathische Erscheinung. Doch wenn wir eine dezentralisierte, nachhaltige Wirtschaft, wenn wir anständige Medien und einen Rechtsstaat wollen, dann brauchen wir gut ausgebildete Ingenieure, Intellektuelle, Journalisten, Anwälte und Ärzte. Kurz: Wir brauchen eine Elite. 

Das Geschwätz von der «hasserfüllten Überheblichkeit der satten Elite» sollten wir Roger Köppel überlassen. Oder Gölä.

Trumps Amerika

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