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09.08.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Zinnowitz: Am Ostseestrand vor der Seebr

Bild: keystone

Die Preise steigen ausgerechnet zur Ferienzeit – was du beachten musst

Eine Auswertung zeigt steigende Preise für Reisende. Wozu der Konsumentenschutz rät, um gut durch die Ferienzeit zu kommen.

Niklaus Vontobel / ch media



Diese Sommerferien fallen in eine Zeit des Übergangs: Die Pandemie geht dem Ende zu, doch sie ist noch da. Inmitten dieser Zeitenwende bleibt vieles weit entfernt von jener Normalität, wie sie Reisende vor Corona noch kannten. An den Flughäfen wird vor Chaos gewarnt, lange Warteschlangen drohen. In der Gastro­nomie, eben Schauplatz eines beispiellosen Jobabbaus, fehlen Mitarbeitende, um den plötzlichen Andrang zu bewältigen. Zugleich steigen auf einmal die Preise, in den USA so schnell wie seit 10 Jahren nicht mehr. Die Finanzpresse titelt, es werde ein «Sommer der Inflation».

Und es wird tatsächlich teurer für schweizerische Reisende. Das zeigt eine Auswertung ferienrelevanter Budgetposten aus dem Landesindex für Konsumentenpreise, den das Bundesamt für Statistik herausgibt. Fast 20 Prozent mehr als vor einem Jahr zahlt, wer Treibstoff kaufen muss, um mit dem Auto in die Ferien zu fahren. Kinos, Theater oder Konzerte wurden etwas teurer. Das Gleiche gilt, wenn man essen und trinken will in Cafés oder Restaurants. Einen weit grösseren Preisanstieg gab es in der Hotellerie.

Preisanstieg wie seit Jahrzehnten nicht mehr

Übernachtungen kosten im landesweiten Mittel auf einmal 8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Man muss weit zurückgehen, um in den Statistiken vergleichbare Preisanstiege zu finden. Bis in die Anfänge der Neunzigerjahre nämlich, als die Schweiz doppelt so viele deutsche Gäste hatte. Und als manche ausländischen Gäste erst am Zürcher Paradeplatz frisches Schwarzgeld einzahlten, ehe sie ein teures Wochenende in Graubünden verbrachten. Immerhin: Die aktuellen Preise liegen noch immer tiefer als vor zehn Jahren.

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Die gestiegenen Hotelpreise werden nicht gern gesehen in der Stiftung für Konsumentenschutz. Geschäftsleiterin Sara Stalder sagt, viele Gäste hätten im Coronasommer erkannt, dass es hierzulande gute Angebote gebe. Übernachtungen wurden damals etwas billiger. Doch die guten Erinnerungen würden zunichtegemacht, wenn die Branche vorschnell die Preise wieder stark erhöhe.

Sonst flüchten die Gäste wieder ins Ausland

Es werde sich wieder jenes Bild verfestigen, das noch vor der Coronakrise vorherrschte: das Bild vom überteuerten Ferienland Schweiz. Stalder appelliert darum an die Hoteliers, sich die Preiserhöhungen gut zu überlegen. Sonst werde es so kommen:

«Sobald es möglich ist, flüchten die einheimischen Feriengäste ins Ausland.»

Anders ist die Ausgangslage bei den Treibstoffen, bei Benzin und Diesel. Bei diesem wichtigen Kostenposten sollte man die aktuellen Zahlen nicht nur mit jenen aus dem Coronajahr 2020 vergleichen. Denn damals spielte der Erdölpreis mehr oder weniger verrückt. Er brach ein, als im ersten Lockdown weltweit der Verkehr heruntergefahren wurde. Als die ersten Impfstoffe da waren, schoss er in die Höhe.

Das Ab und Auf im Jahr 2020 erklärt die extremen statistischen Werte im Jahr 2021. Es wird heute ein Preisanstieg von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vermeldet, weil der Erdölpreis im Vorjahr eben abgrundtief war. Der Preisanstieg widerspiegelt nicht die Auferstehung totgeglaubter Inflationsschrecken, sondern bloss die Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität. In der Welt der Endkunden zeigt sich: Benzin und Diesel kosten leicht weniger als zwei Jahre zuvor. Bei den Pauschalreisen ist die Geschichte ähnlich. Zwar sind sie leicht teurer als im vergangenen Jahr, aber weit günstiger als in der Welt vor Corona. Etwas billiger als vor zwei Jahren sind auch die Bergbahnen. Flugtickets sind Schnäppchen, noch. Insgesamt zeigt sich, wenn man mit der Vor-Coronazeit vergleicht: Noch bleiben die Preiserhöhungen moderat.

Rappenspalterei kann sehr teuer werden

Doch sollte man nicht allzu starr auf die Preise blicken. Rappenspalterei kann teuer werden, heisst es vom Konsumentenschutz. Geschäftsleiterin Stalder erinnert, dass Ferien einen der grössten Posten im Budget ausmachen, der mehrere tausend Franken verschlingt. Wichtiger als Preise seien darum faire Bedingungen: Ob man etwa sein Geld zurückerhalte, nicht bloss einen Gutschein, den man nicht gebrauchen könne - oder gar ganz ums Geld gebracht wird. Diese generelle Empfehlung gelte im Sommer 2021 besonders, sagt Stalder. Denn hoffentlich werde es nicht wieder eine Zeit voller Stornierungen.

«Aber es könnte erneut ein unberechenbarer Sommer werden.»

Denn im Sommer 2021 kann arg vieles in Bewegung geraten. Ferienländer wie Spanien oder Griechenland könnten die Quarantäneregeln für Gäste ändern, die Schweiz für Rückkehrer. Ein Hotel könnte neu teure Selbsttests verlangen, die Reise wäre auf einmal 200 Franken teurer. In dieser Gemengelage stellt sich eine grosse Frage: Bucht man alles selbst oder zählt man auf ein Reisebüro?

Überschwemmt worden von Hilfegesuchen

Ihre Zeit gekommen sehen die Reisebüros. Walter Kunz vom Schweizer Reiseverband sagt, sie hätten alle Bestimmungen im Blick und könnten beraten oder dann annullieren und woanders buchen. Im letzten Sommer sei dies nicht möglich gewesen, da überall auf der Welt alles zu ging, sagt Kunz. «Doch diesen Sommer können wir unsere Stärken voll ausspielen.»

Damit ist Sara Stalder an sich einverstanden. Beim Konsumentenschutz findet man es in der jetzigen Situation vorteilhaft, Ferienarrangements bei einem Reisebüro zu buchen, da man damit durch das Pauschalreisegesetz geschützt ist. Nur, so fügt Stalder an, eigentlich hätten die Reisebüros ihre Stärken schon letzten Sommer ausspielen können, es aber nicht getan. Im Gegenteil, von den Anfragen ihrer hilfesuchenden Kunden sei der Konsumentenschutz geradezu überschwemmt worden. «Die Branche wurde getestet, und fiel mehrheitlich durch. Nun erhält sie eine zweite Chance.» (aargauerzeitung.ch)

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Fernweh? Ferien sind auch nicht immer lustig

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Fernweh? Ferien sind auch nicht immer lustig
quelle: imgur
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