Wirtschaft
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Interner Bericht zeigt: Swiss prüft Kurzarbeit für bis zu 12 Monate

Die Airline hat derzeit nur noch sechs Flugzeuge in Betrieb und für alle Angestellten Kurzarbeit für drei Monate beantragt. Eine Rückkehr zum Normalbetrieb scheint in weiter Ferne, wie ein Schreiben der Firma zeigt.

Benjamin Weinmann / ch media



Vor dem Swiss-Personal stehen ungewisse Zeiten. Vor wenigen Tagen hat die Airline für ihre 9500 Angestellten Kurzarbeit beantragt. Im gesamten Lufthansa-Konzern wurde für 87000 Mitarbeitende Kurzarbeit eingereicht.

In welchem Umfang die Anträge der Swiss schlussendlich umgesetzt werden, hängt vom Staatssekretariat für Wirtschaft ab, welche diese prüft, und von der weiteren Entwicklung der Coronavirus-Krise. Diesbezüglich rechnet die Swiss-Führung nicht mit einer raschen Besserung, wie ein interner Bericht zeigt, der vor wenigen Tagen an die fliegende Belegschaft verschickt wurde. CH Media liegt er vor.

Parkierte Maschinen der Swiss auf dem Flughafen in Duebendorf, am Freitag, 20. Maerz 2020 aufgenommen von Duebendorf. Aufgrund des stark reduzierten Flugangebots der Fluggesellschaft Swiss werden Flugzeuge der Airbus A320er-Familie temporaer an den Flughafen Duebendorf verlegt. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Heckflossen so weit das Auge reicht: Zahlreiche Swiss-Maschinen stehen derzeit unbenutzt auf dem Militärflugplatz Dübendorf. Bild: KEYSTONE

Darin schreibt die Swiss, dass die Kurzarbeit für die nächsten drei Monate bewilligt worden sei. «Das gibt uns etwas Luft um zu atmen.» Man sei dankbar, dass man diese nützliche Massnahme in kürzester Zeit mit den Personalverbänden und den Behörden habe umsetzen können. «Das lindert unsere Liquiditätssituation bereits. Aber so wie es jetzt aussieht, werden wir sie schlicht und einfach erweitern müssen.»

Die heutigen Gesetze würden es erlauben, Kurzarbeit während bis zu 12 Monaten anzuwenden. «Und das ist ein Thema in unseren aktuellen Gesprächen mit den Personalverbänden», schreibt die Swiss.

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«Um ehrlich zu bleiben...»

Die Lufthansa-Tochter verweist auf die Prognosen des Branchenverbands IATA, der wegen der Corona-Krise mit Verlusten von 250 Milliarden Dollar für dieses Jahr in der Aviatik rechnet. Man befände sich deshalb auch in Verhandlungen mit den Gewerkschaften des Cockpit-, Kabinen- und Bodenpersonals.

«Es bleibt unsere Absicht, alle Mitglieder unseres Swiss-Teams an Bord zu halten. Aber um ehrlich zu bleiben, dieses Ziel wird jeden Tag eine grössere Herausforderung, da die Krise weltweit anhält.» Es werde auch zunehmend klar, dass auch nach der Krise die Nachfrage für Flugreisen deutlich schwächer sein werde.

In einem Interview mit der «Schweizer Illustrierten» sagt Swiss-Chef Thomas Klühr, dass er vom Geschäftsmodell mit der aktuellen Flottengrösse auch mit Blick auf die Zukunft überzeugt sei. «Aber ich habe Respekt vor dem Zeitfenster, das es braucht, um wieder zur alten Stärke zurückzufinden.»

Es werde vermutlich bis Juli oder August dauern, bis die Swiss wieder loslegen könne. «Bis Ende Jahr rechne ich bei Edelweiss und Swiss mit einem Flugbetrieb von maximal 75 Prozent.» Immerhin: «Wir haben Vertrauen in unseren Heimatmarkt, die Schweiz. Dieser wird sich schneller erholen als andere.»

Swiss-Chef fordert Liquiditätsspritzen

Klühr betont, dass man die Kosten so stark wie möglich reduziere. In erster Linie sei für die Liquiditätssicherung die Eigentümerin gefordert, «in unserem Fall die Lufthansa-Gruppe.» Aber wie bei allen Airlines werde es auch bei der Swiss längerfristig nicht ohne staatliche Hilfe in Form von Bundesgarantien oder Überbrückungskrediten gehen. «Also Liquiditätsspritzen, die dann später zurückbezahlt werden.» Eine Bundesbeteiligung, so wie es von einigen Politikern gefordert wird, nennt Klühr nicht als Option.

Klühr betont im Interview, dass die Swiss ein Schweizer Unternehmen ist. «Wir haben hier unseren Sitz, wir zahlen hier unsere Steuern.» 90 Prozent der Mitarbeitenden würden in der in der Schweiz leben und man richte das Streckennetz gezielt an den Bedürfnissen der Schweiz. «Dieses Bewusstsein vermisse ich manchmal.»

Noch führt die Swiss einige wenige Flüge aus, unter anderem für wichtige Cargo-Transporte und Repatriierungsflüge für Schweizer im Ausland in Koordination mit dem Bund. Doch auch ein Grounding der sechs aktiven Flugzeuge schliesst die Swiss nicht aus, wie sie ihrem Personal schreibt: «Ob wir das verbliebene Flugprogramm über die nächsten Wochen aufrecht erhalten können, ist alles andere als sicher.» Die immer noch unkontrollierte Virusausbreitung und neue, stärkere Regeln der Behörden könnten es «jederzeit» beenden. (bzbasel.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • imposselbee 04.04.2020 13:50
    Highlight Highlight Wir sollten die Flughäfen in Corona-Zentren umfunktionieren, die Infrastruktur wäre ideal und ein Lastenausgleich könnte per Flugzeug in ganz Europa gemacht werden.
  • Abendländer 04.04.2020 09:08
    Highlight Highlight Mit 3MIA CHF gegründet, für 350 MIO an Lufthansa verkauft. Folglich 2500 MIO Steuergeld an Ausländer privatisiert und jetzt nochmals Steuergeld gebürgte Kredite nachschieben????
    Wann werden unsere Eliten (Protagonisten der Politik, Banken und Wirtschaftsverbände) aus dem Land gejagt.
  • Steven Zuber 04.04.2020 08:59
    Highlight Highlight Die Schweiz soll sich mit einer Aktienkapitalerhöhung bei der Lufthansa an der Rettung dieser Firma beteiligen. Keinesfalls sollte die Schweiz sich an der Swiss direkt beteiligen. Es ist fährlässig, dass ungesicherte Kredite direkt an die Swiss beziehungsweise an die LH vergeben werden. Mit erfahrenen Wirtschaftsprüfern und Anwälten für Wirtschaftsrecht müsste das Business Model des Konzerns für die Zeit nach der Coronavirus Krise neu ausgerichtet werden. vgl. https://insideparadeplatz.ch/2020/04/03/swiss-und-lufthansa-vor-staatsrettung-wie/#comment-340395
    https://www.anwalt-zuerich.attorney
  • Abendländer 03.04.2020 16:44
    Highlight Highlight In der Regel entsenden unsere Konzerne und Firmen ihre Angestellten (der Grossteil der CH-Vielflieger) aus Kostengründen mit anderen Fluggesellschaften, meist 1 oder gar 2 Stopps ins Ausland obwohl mit Swiss der Direktflug existiert. Also Leute wieso sollen wir für „unsere“ Wirtschaft die Swiss (ein ausländisches Privatunternehmen) mit "Volkssubstanz" unterstützen. Seid Ihr nun alle komplett bescheuert???
    • 7immi 03.04.2020 21:46
      Highlight Highlight @abendländer
      kannst du das belegen? Im Gegensatz zu Privatreisenden kostet die Reisezeit für Firmenangestellte, wodurch sich direktflüge schnell mal lohnen...
      Die Swiss ist KEIN ausländisches Privatunternehmen. Es gibt zwei Szenarien: Finanzieren mit einem Kredit, der zurückbezahlt wird, oder nicht finanzieren und dabei 9500 Angestellte über die Arbeitslosenkasse finanzieren (wird nicht zurückbezahlt). bei zweiterem hätte man ausserdem 1000 schwer vermittelbare Piloten auf dem Markt... Aus Staatssicht ist die Sache also ziemlich eindeutig.
    • Abendländer 04.04.2020 10:08
      Highlight Highlight Kann Ich! Bin so seit Jahrzehnte für meine Firma international unterwegs und die gleiche Situation herrscht bei unseren Schweizer Partnern und Schweizer Unterlieferanten. Darf sagen: Kenne die Situation genau!!
    • Abendländer 04.04.2020 10:19
      Highlight Highlight In unserem Konzern gilt die Devise: Der billigste Flug (Europa und Interkontinental) ist der Beste. Ungeachtet der damit verbundenen Reisezeit. Kontiert wird für den Hinflug als auch Rückflug jeweils ein Arbeitstag (8.0h) :-)
  • Na und 03.04.2020 15:50
    Highlight Highlight Und wann beginnt die Swiss, die Rückerstattungen der Tickets vorzunehmen? Wenn sie pleite ist?

    Im Moment heisst es immer noch:

    „Erstattungen bleiben grundsätzlich natürlich möglich.
    Wir bitten jedoch um Verständnis, dass dies aufgrund des aktuell extrem hohen Anfragevolumens nicht in den sonst üblichen Fristen möglich ist.
    Unsere volle Aufmerksamkeit gilt zurzeit Passagieren, welche in den nächsten 72 Stunden reisen“

    Es reist aber seit Tagen gar niemand mehr international mit Swiss ...
    • Abendländer 04.04.2020 10:26
      Highlight Highlight Also Leute, wozu eine SWISS alimentieren und auf Ewig beatmen.

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