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Zehnmal so lang wie breit: Künstlerische Darstellung von Oumuamua. 
Zehnmal so lang wie breit: Künstlerische Darstellung von Oumuamua. 
Bild: EPA/European Southern Observatory

War «Oumuamua» eine Alien-Sonde? Ein Harvard-Papier suggeriert es

07.11.2018, 16:5008.11.2018, 14:06

Es ist das erste interstellare Objekt, das jemals innerhalb unseres Sonnensystems beobachtet wurde: Im Oktober 2017 erfasste das Pan-STARRS-Teleskop in Hawaii unerwartet einen zigarrenförmigen Himmelskörper in etwa 33 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde. Zuerst hielten die Astronomen das Objekt aufgrund seiner Flugbahn für einen Kometen und nannten es C/2017 U1 (PANSTARRS). Bekannt wurde es als «Oumuamua» – der hawaiische Name bedeutet etwa «Kundschafter».

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Doch je länger die Astronomen das Objekt beobachteten, desto rätselhafter wurde Oumuamua. Es ist rund zehn Mal so lang wie breit und besitzt keinen Schweif, wie das sonst bei Kometen der Fall ist. Bald stufte man es daher als Asteroiden ein und benannte es in A/2017 U1 um (mittlerweile lautet die wissenschaftliche Bezeichnung 1I/Oumuamua).

Auch diese Klassifizierung warf jedoch Probleme auf, denn im Dezember wich Oumuamua von der berechneten Flugbahn ab – beinahe so, als würde das Objekt gesteuert. Im Juni 2018 klassifizierten es die Astronomen erneut als Kometen. 

Doch die nicht durch Gravitationswechselwirkungen erklärbare Schubentwicklung des vermeintlichen Kometen war keine Folge von Ausgasungen, wie Messungen ergaben. Einige Astronomen vermuteten deshalb, das unerwartete Verhalten sei durch den Druck der Sonnenstrahlung verursacht worden. 

Animierte Flugbahn von Oumuamua. 
Animierte Flugbahn von Oumuamua. 
Bild: NASA

In diese Richtung geht auch das spektakuläre Ergebnis von Berechnungen, die Shmuel Bialy und Abraham Loeb von der Universität Harvard durchführten. Die Astronomen, die ihre Studie am 1. November auf der Wissenschaftsplattform «arxiv» veröffentlichten, hatten untersucht, welche Eigenschaften Oumuamua aufweisen müsste, wenn es tatsächlich von dem äusserst schwachen Druck der Sonnenstrahlung beeinflusst wurde.

Bialy und Loeb kommen zum Schluss, es müsste ein sehr dünnes Objekt mit einem kleinen Masse-zu-Fläche-Verhältnis sein – nur gerade 0,3 bis 0,9 Millimeter Dicke bei einem Radius von 20 Metern. Möglicherweise könnte es sich um eine bisher nicht bekannte Kategorie von interstellarem natürlichen Material handeln, postulieren die Astronomen.

Oder es sind Reste eines fortschrittlichen technologischen Geräts, eines «Raumschiffs oder eines Lichtsegels künstlichen Ursprungs». Denkbar wäre, dass Oumuamua als Sonde einer Aufklärungsmission einer extraterrestrischen Zivilisation diente. Immerhin habe auch unsere eigene Zivilisation Lichtsegel mit ähnlichen Abmessungen entworfen, geben die Forscher zu bedenken. 

Ihr Berufskollege Alan Jackson vom Centre for Planetary Sciences an der Universität von Toronto Scarborough kann diesem Gedankengang wenig abgewinnen. Laut CNN schrieb er in einer E-Mail: 

«Ich bin ganz klar nicht [davon] überzeugt und denke ganz ehrlich, dass die Studie ziemlich fehlerhaft ist.»

Jackson zitiert den berühmten Astrophysiker Carl Sagan, der einst gesagt hatte, aussergewöhnliche Behauptungen erforderten aussergewöhnliche Beweise. Dieser Studie mangle es eindeutig an Beweisen, geschweige denn an aussergewöhnlichen Beweisen.  

Leider wird sich die Frage, ob es sich bei Oumuamua tatsächlich um ein Alien-Sonnensegel handelte, kaum mehr endgültig beantworten lassen. Dazu ist das Objekt zu spät entdeckt worden; mittlerweile hat es sich bereits wieder weit von der Erde entfernt. Oumuamua wird unser Sonnensystem in Richtung des Sternbilds Pegasus verlassen, für weitere Nachforschungen ist es unerreichbar.   

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