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SARS-CoV-2, Coronavirus, Ansteckung durch Sprechen (Symbolbild)

Lautes Sprechen in geschlossenen Räumen könnte laut einer Studie ein erhebliches Risiko für eine Ansteckung bergen. Bild: Shutterstock/watson

Beim lauten Sprechen bleiben Tröpfchen mit Viren bis zu 14 Minuten in der Luft



Wenn wir husten oder niesen, gelangen Tröpfchen unterschiedlicher Grösse in die Umgebung. Während die grösseren schnell zu Boden sinken, schweben die kleinsten, nur wenige Mikrometer grossen Tröpfchen länger in der Luft und können auch grössere Distanzen zurücklegen, bevor sie sich auflösen. Solche sogenannte Aerosole produzieren wir auch ständig beim Sprechen und sogar beim Ausatmen.

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Diese Tatsache ist von Belang bei der Frage nach der Übertragbarkeit von Erregern, beispielsweise dem neuartigen Coronavirus, das die Krankheit Covid-19 verursacht. In den Tröpfchen, die eine infizierte Person in die Umgebung abgibt, befinden sich auch Viren. Sicher ist, dass beim Husten oder Niesen eine Ansteckung erfolgen kann – die sogenannte Tröpfcheninfektion, die bei SARS-CoV-2 neben direktem Körperkontakt der hauptsächliche Übertragungsweg sein dürfte. Nicht geklärt ist dagegen die Frage, ob auch die winzigen Aerosole für eine Ansteckung sorgen können.

Beim Niesen werden mehrere tausend Tröpfchen mit hoher Geschwindigkeit ausgestossen; beim Husten ist ihre Menge 10 bis 100 Mal geringer. Beim Sprechen sind es nochmals weniger und sie sind auch kleiner. Wie lange sie in der Luft bleiben, ist umstritten. Eine Studie der National Institutes of Health, die Mitte April im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, konnte in Aerosolen unter Laborbedingungen bis zu drei Stunden aktive Viren nachweisen. Deren Menge nahm allerdings während dieser Zeit signifikant ab. Wie viele Viren bei SARS-CoV-2 mindestens notwendig sind, um eine Infektion zu verursachen, ist noch nicht geklärt – bei Grippeviren reichen laut Studien nur schon drei Virus-Partikel aus.

Eine neue Studie, die am Mittwoch in der Fachzeitschrift PNAS erschien, nennt andere Zahlen: Die Wissenschaftler um Philip Anfinrud und Adriaan Bax von den National Institutes of Health in Bethesda stellten mithilfe von Laserlichtstreuung fest, dass beim Sprechen durchschnittlich 2600 Tröpfchen pro Sekunde erzeugt und in die Umgebungsluft abgegeben werden, was schätzungsweise 2,4 bis 12 nl (Nanoliter, 1 nl entspricht einem Millionstel Milliliter) Mundflüssigkeit entspricht.

Davon ausgehend, dass orale Flüssigkeit rund 7 Millionen SARS-CoV-2-Kopien pro Milliliter enthält, berechneten die Forscher, dass lautes Sprechen pro Minute etwa 1000 virushaltige Tröpfchen erzeugen könnte, die etwa 8 bis 14 Minuten (durchschnittlich 12 Minuten) in der Luft schweben. Die Messungen erfolgten unter Laborbedingungen, also in einem geschlossenen Raum ohne den Einfluss von Luftturbulenzen, wie sie sonst praktisch in jeder normalen Umgebung auftreten.

Die Studienautoren weisen darauf hin, das ihre Schätzungen vorsichtig sind. Einige mit SARS-CoV-2 infizierte Personen weisen nämlich eine weit höhere Virenlast auf als andere – bei ihnen könnte die Zahl der virentragenden Tröpfchen auf 100'000 pro Minute lauten Sprechens steigen. Aus den Ergebnissen schliessen die Forscher, dass normales Sprechen in geschlossenen Räumen ein erhebliches Risiko für eine Ansteckung birgt und einer der Gründe für die schnelle Ausbreitung des Virus sein könnte. Sollte sich dieser Befund bestätigen, würde dies die Massnahme, ausserhalb der eigenen Wohnung unter allen Umständen eine Maske zu tragen, um eine Ansteckung zu vermeiden, sinnvoll erscheinen lassen.

(dhr)

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Talking could transmit SARS-CoV-2, early NIDDK research suggests. Quelle: Youtube/National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK)

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    Alle Leser-Kommentare
  • JP del Grano 15.05.2020 12:35
    Highlight Highlight "Sprechen" und "Sprechen" ist unterschiedlich. Deshalb gilt in der Schweiz mit dem an Krach- und Zischlauten reichen Dialekt der 2m-Abstand, in Österreich mit dem viel weicherem Idiom bloss 1m. Möglicherweise sollte der Abstand in der Schweiz auch je nach Sprachregion unterschiedlich sein?
  • JP del Grano 15.05.2020 12:29
    Highlight Highlight "Tröpfen" oder "Aerosole"? Das wird immer wieder vermischt, weil es auch keine exakte Definition gibt. Dennoch ist das anerkannt: "Tröpfen" fallen innert weniger Sekunden zu Boden, "Aerosole" hingegen nicht. Im Artikel wird zu Recht immer von "Tröpfen" gesprochen. Nur ein kleiner Teil davon wird - vor allem bei tiefer Luftfeuchtigkeit - zu Aerosolen. Sie sind dann aber viel weniger stark verteilt und daher viel weniger gefährlich. Und unklar ist, wie lange sie ansteckend oder nur "vorhanden" sind.
  • Maya Eldorado 15.05.2020 11:01
    Highlight Highlight Mir ist heute beim Einkaufen aufgefallen, dass die Menschen nicht mehr so stark auf Abstand achten.
    Ein Schelm, wer da böses denkt.
  • Yellosix 15.05.2020 08:30
    Highlight Highlight Ist das auch wieder so ein "wer hat die höheren Zahlen" Wettbewerb? Der Blick schreibt über 10 Minuten,
    20Min schreibt von bis zu 12,
    und ihr von bis zu 14 Minuten.
    Der Originalbericht schreibt von 8 bis 14 Minuten.
    Ist es so schwierig für Euch Schreiberlingen eine Angabe aus einem wissenschaftlichen Bericht mal korrekt wieder zu geben?
    Um Euch die Arbeit zu erleichtern hier noch der link dazu
    https://www.pnas.org/content/early/2020/05/12/2006874117
    • Yellosix 15.05.2020 11:59
      Highlight Highlight habe inzwischen gesehen das alle infos da sind.
  • Inspektor 15.05.2020 07:56
    Highlight Highlight Ein Furz bleibt ja auch in der Luft hängen.. :-)
  • Rethinking 15.05.2020 06:01
    Highlight Highlight Sollte sich dieser Befund bestätigen, müssten Firmen die Home Office machen können, dazu verpflichtet werden dies auch wirklich zu tun...
  • Derdada 15.05.2020 00:38
    Highlight Highlight Gut, dann gebe ich ab jetzt meinen Unterricht in Zeichensprache.
    Nach den Rauchzeichen des Fernunterrichts, sollten die Schüler an alternativen Unterrichtsstyl gewohnt sein...
  • Terraner 15.05.2020 00:27
    Highlight Highlight Ich werde die nächsten Jahre nur noch flüstern.😂
  • Locutus70 14.05.2020 22:29
    Highlight Highlight Wollt ihr den einschlägigen Wissenschaftsmagazinen Konkurrenz machen? :xD
  • Saerd neute 14.05.2020 21:55
    Highlight Highlight Dann sprecht doch einfach nicht mehr.
  • Michael Scott 14.05.2020 21:19
    Highlight Highlight Ach so, da macht es ja Sinn, dass es in der Schweiz keine Maskenpflicht gibt und die Schulen, Restaurants, Bars etc. wieder offen sind.
  • MGPC 14.05.2020 21:03
    Highlight Highlight Wenn die Perspektive und das Licht stimmt, seht ihr was schon beim normalen sprechen so aus dem Mund fliegt.
    • MGPC 16.05.2020 19:04
      Highlight Highlight Das ganze nur auf die Aerosole zu reduzieren finde ich etwas fragwürdig. Auch grössere Tropfen enthalten doch das Virus. Wenn die Person dann in meine Richtung spricht ist die es doch wahrscheinlich das etwas in meinem Gesicht landet. Bei einer feuchten Aussprache sicher.
  • Maya Eldorado 14.05.2020 21:02
    Highlight Highlight Zahlen, Zahlen, Zahlen und nochmals Zahlen und immer neue Zahlen.......
  • Marabamba 14.05.2020 20:47
    Highlight Highlight Sehr interessant, die Schlussfolgerung ist meiner Meinung nach aber falsch. Schutzmasken (nicht ffp 2 oder 3) helfen um Tröpfchen abzuhalten. Die Aerosole weichen seitlich und gegen oben neben der Maske durch weg. Es wird auch immer ein Teil Luft neben der Maske durch eingeatmet. Aerosole können zudem auch sehr gut über das Auge aufgenommen werden.
    Wichtig ist viel mehr dass Abstand gehalten wird und die Luft häufig ausgetauscht wird (lüften, Klimaanlage) und nicht stundenlang steht.
    Professor Jüni erklärt das gut. (Lang, aber informativ)
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    • Satan Claws 15.05.2020 00:08
      Highlight Highlight @Marabamba

      47 Minuten lang nicht erwähnen wie eine chirurgische Maske wirklich funktioniert ist schon eine Leistung. Diese Masken bestehen aus drei Lagen, diese Laden sich gegenseitig elektrostatisch auf und saugen nahe gelegene Tröpfchen und Aerosole an. Wie ein Swiffer Mob.

      PS Ich habe das Video mit 1,75 fachee Geschwindigkeit im Hintergrund gehört und es möglicherweise auch einfach nicht mitbekommen, dann nehme ich die Aussage zurück.
    • Shlomo 15.05.2020 06:33
      Highlight Highlight @Yomo: bei klassischen FFP-Masken wird der Träger vor Aerosolen geschützt beim einatmen. Atmet er jedoch aud geht die Luft inkl. Aerosole an der Seite raus. Und Hygienemasken schützen weder Träger noch sein Gegenüber vor Aerosolen.
      Dies ist einfachste Physik.
    • Marabamba 15.05.2020 13:36
      Highlight Highlight Ich bin nicht Spezialistin auf Masken, nur Biologin. @ satan Claus: Im Video diskutiert er verschiedene Studien welche mit Laien In Alltagssituationen gemacht wurden. Die Resultate sind also trotz der elektrostatischen Wirkung schlecht.
      Abstand halten ist das wichtigste, meiner Erfahrung nach halten Leute mit Maske keinen Abstand mehr.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Calvin Whatison 14.05.2020 20:45
    Highlight Highlight Danke. Genug Internet für heute. 🤦🏻‍♂️
    • Everyday Robot 15.05.2020 08:03
      Highlight Highlight Einfach gesagt um 20:45 Uhr ;-)

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