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Testosteronsenker könnten Männer vor Covid-19 schützen

Männer zeigen weltweit häufiger schwerere Krankheitsverläufe mit Covid-19 als Frauen. Eine Untersuchung von Prostatakrebs-Patienten legt nahe, dass Testosteronsenker ein schuldiges Enzym hemmen könnten.



Coronavirus Illustration

Rund 60 Prozent der wegen Covid-19 hospitalisierten Personen in der Schweiz sind Männer. Testosteronsenker könnten diesem Ungleichgewicht entgegenwirken. Bild: shutterstock.com

Dem Robert-Koch-Institut zufolge sind 56 Prozent der Corona-Todesfälle in Deutschland männlich, obwohl sich mehr Frauen mit dem Virus infizieren. Dieses Ungleichgewicht ist in anderen Ländern noch ausgeprägter: In der Schweiz sind 60 Prozent der hospitalisierten Personen Männer, wie einem am 12. Mai publizierten Bericht des BAG zu entnehmen ist.

Bereits bekannt ist der geschlechterspezifische Unterschied der Immunsysteme: Das weibliche Östrogen hilft dem Körper, schneller und nachhaltiger auf Virusinfektionen zu reagieren. Eine europäische Studie, die kürzlich im «European Heart Journal» veröffentlicht wurde, deutet nun darauf hin, dass zwei Enzymen eine besondere Schlüsselrolle im Kampf gegen das Virus zukommt. Eines davon könnte die Suche nach einem Medikament gegen Covid-19 entscheidend voranbringen.

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Das erste Enzym

Das erste Enzym – es trägt den melodischen Namen ACE2 – ist bei Männern generell in höheren Konzentrationen im Blut vorhanden als bei Frauen. Das Coronavirus benötigt ACE2, um über Rezeptoren in die Zellen eindringen, sich dort vervielfältigen und in die Lunge übergehen zu können. In anderen Worten: Das Enzym erleichtert es dem Virus, gesunde Zellen zu befallen. Die höheren Blutwerte bei Männern könnten also deren höhere Anfälligkeit und Mortalität bezüglich Covid-19 erklären.

ACE2 kommt besonders oft im Lungengewebe vor. Das legt nahe, weshalb Covid-19 solch schwere Symptome auslöst, sobald das Virus die Lunge erreicht hat. Zudem tritt es verstärkt im Herz, in den Nieren und Adern sowie speziell den Hoden auf. Eine im April 2020 veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass bereits SARS und MERS dasselbe Enzym verwendet haben, um sich in den menschlichen Zellen auszubreiten.

Das zweite Enzym

Das zweite Enzym – es trägt den erbarmungslosen Namen TMPRSS2 – kann ebenfalls das Eindringen des Coronavirus in die Zellen begünstigen. Eine neue Studie der ETH Zürich und der Universität der italienischen Schweiz (USI) deutet nun darauf hin, dass testosteronsenkende Medikamente möglicherweise Männer vor Covid-19 schützen können.

Männliche Prostata-Patienten mit Hormonbehandlung sind – so zeigen die Untersuchungen – vergleichsweise selten und mit milderen Verläufen an Covid-19 erkrankt. Keiner der untersuchten Patienten verstarb am neuartigen Virus. Die ETH schreibt: «Unter den Patienten mit Prostatakrebs war das Risiko für eine Sars-CoV-2-Infektion viermal geringer, wenn diese eine Hormontherapie erhielten.»

Grund dafür ist das uns bereits bekannte TMPRSS2. Bei Prostatakrebs ist das Protein besonders hoch konzentriert. Es wird deshalb zusammen mit dem Testosteronspiegel künstlich abgesenkt. Diese Hemmung hat zur Folge, dass Coronaviren schlechter an den Rezeptoren andocken und in die Zellen eindringen können.

Was ist ein Enzym?

Enzyme (fast immer aus Proteinen bestehend) sind organische Verbindung in lebenden Zellen, die als Biokatalysator biochemische Reaktionen im Organismus steuern und beschleunigen. Sie sind in allen Körperzellen enthalten und sind unerlässlich für alle Körperfunktionen. Sie steuern die Verdauung und den gesamten Stoffwechsel des Körpers.

quelle: netdoktor.de

Laut der Studie ist es denkbar, dass testosteronsenkende Medikamente – über einen begrenzten Zeitraum eingenommen – selbst Männer ohne Prostatakrebs vor Covid-19 oder einem schwereren Krankheitsverlauf schützen könnten.

Allerdings dürfen gemäss den Forschenden solche Medikationen erst vorbeugend eingesetzt werden, wenn weitere Studien deren Wirksamkeit bestätigen können. In der Schweiz wird zurzeit an rund 300 bereits bekannten Medikamenten geforscht, die gegen Covid-19 eingesetzt werden könnten.

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quelle: keystone / peter klaunzer
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