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Kriegen wir den Sars-Impfstoff schon im Herbst?

Martin Bachmann, Professor an de Universität Bern, ist mit Swissmedic im Gespräch für ein abgekürztes Verfahren. Eine erfolgversprechende Impf-Methode hat er schon.

Christoph Bopp / ch media



Man hat eine Krankheit gehabt, aber überstanden. Die Erfahrung, dass man dann immun ist, sich nicht mehr ansteckt, hat der Mensch schon früh gemacht. Was genau hinter diesem Effekt steckt, das zu verstehen, dauerte etwas länger.

Das Immunsystem eines Organismus ist etwas vom Kompliziertesten, was die Natur hervorgebracht hat. Man fragt sich dann (im Biologieunterricht zum Beispiel): Muss das so umständlich sein?

Und die Antwort ist: Leider ja. Denn die Immunabwehr arbeitet mit teilweise sehr scharfen Waffen und das mitten im Organismus drin. Da schlägt oder schiesst man besser nicht blindwütig um sich.

Martin Bachmann, Professor an de Universität Bern, ist mit Swissmedic im Gespräch für ein abgekürztes Verfahren.

Martin Bachmann, Professor an der Universität Bern, ist mit Swissmedic im Gespräch für ein abgekürztes Verfahren. screenshot: srf

Impfen ist der Versuch, dieses Immunsystem zu manipulieren. Man möchte es dazu bringen, eine Immunantwort vorzubereiten, ohne dass die Krankheit ausgebrochen ist. Die sicherste Wirkung würde man erzielen, wenn man das ganze Virus zeigen würde, aber das wäre auch am gefährlichsten. Deshalb hat man früher abgeschwächte (attenuierte) oder tote Viren verwendet.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Das funktioniert, ist aber in der Herstellung und beim Testen des Impfstoffs umständlich. Man muss das Virus vermehren (ist nicht so leicht, weil es ja lebende Zellen braucht) und ausprobieren, wie viel Viruswirkung es braucht, um den gewünschten Effekt hervorzurufen, ohne die Krankheit oder Nebenwirkungen zu verursachen.

Einen Stoff, der eine Immunantwort provoziert, nennt man ein Antigen. Anstatt aufwendig auszuprobieren, was sich dafür eignet, geht es heute einfacher. Martin Bachmann von der Universität Bern verwendet ein sogenanntes virusartiges Partikel, er nennt es eine «Virusattrappe». Das genetische Material stammt aus der Natur, man hat es optimiert und es ist in riesigen Mengen herstellbar.

Und daran hängt er nun gentechnisch das Stückchen vom Coronavirus an, das entscheidend ist, wenn das Virus an eine menschliche Zelle andocken will.

Die Chinesen haben den genetischen Bauplan von Sars-CoV-2 bereits entschlüsselt. Und man weiss auch, an welchen Rezeptor (die Stelle der Zelle, wo das Virus andockt) es bindet. Es gilt jetzt, die sogenannte RBD («receptor binding domain») zu finden, mit der die Spikes (diese dornenähnlichen Fortsätze der Coronaviren) sich an die Zellen heften.

Diese RDB schneidet man aus dem Virus heraus und dieses Stückchen soll dann als Antigen dienen. Es ist nicht infektiös, bringt aber das Immunsystem dazu, spezifisch zu reagieren, also genau die Massnahmen zu aktivieren, die gegen das Coronavirus notwendig sind.

Ein bisschen Starrkrampf-Gift für die Erinnerung

Um die Wirkung zu verstärken, haben Bachmann und sein Team noch ein kleines Teil des Tetanus-Toxins angehängt. Bei uns sind alle Leute gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) immun, bei einer grösseren Wunde impft der Arzt jeweils nach. Das Tetanus-Toxin soll das Immunsystem nicht nur dazu bringen, Antikörper zu bilden (die verhindern das Andocken an die Zelle), sondern auch T-Zellen zu aktivieren. Das sind die Zellen, die nach erfolgreicher Bekämpfung der Infektion teilweise zu sogenannten T-Gedächtniszellen werden. Zellen, die bei Bedarf dann die Antwort wieder auslösen können.

Die Impfungen gegen das HP-Virus, das Gebärmutterhalskrebs auslösen kann, und gegen Hepatitis B funktionieren nach dieser Methode. Das Verfahren ist bekannt und bewährt. Gegen Sars und Mers, sagt Martin Bachmann, habe es auch schon verheissungsvoll ausgesehen.

Das Coronavirus sei nicht besonders komplex und gehe eigentlich nicht besonders raffiniert vor, sagt Bachmanns Kollege Christian Münz von der Universität Zürich. Theoretisch könnte man sich auch einen Impfstoff aus inaktivierten Viren vorstellen (durch Hitze oder chemisch abgetötet). Aber das Verfahren, das Bachmann anwendet, habe den Vorteil, dass es zielführender ist und schon zu Impfstoffen für Tiere geführt hat. Dank vieler präklinischer Studien mit anderen Antigenen kann man vielleicht auch schneller zu Tests mit Menschen übergehen.

Ist der Impfstoff bereits im Herbst bereit?

Wie lange wird es gehen, bis wir einen Impfstoff haben? Bachmann sagt, er sei im Gespräch mit Swissmedic. Normalerweise dauern Testphasen für einen Impfstoff Jahre. Es darf da nichts schiefgehen. Aber bei Pandemien kann man ein Risiko eingehen und abkürzen.

«Zuerst müssen wir schauen, ob das Verfahren verträglich ist», sagt Bachmann. Dann möchte er an rund 240 Personen den Stoff ausprobieren. Welche Dosis ist optimal? Und: Braucht es allenfalls noch ein Adjuvans, einen Stoff, der die Wirkung verstärkt? Und dann sollen möglichst schnell die gefährdeten Leute immunisiert werden und danach die erwachsene Population. Im Herbst, in diesem Oktober, will Bachmann so weit sein.

Video: SRF

Die Herstellung scheint kein Problem zu sein. «Ein 200-Liter-Bioreaktor kann 10 Millionen Impfdosen herstellen.» Bakterien würden das Protein herstellen, nach der Reinigung hätte man den Impfstoff. Das würde reichen, fast jeden Schweizer zweimal zu impfen. Firmen, die das könnten, hätten wir in der Schweiz. Und den Markt, nicht nur in der Schweiz, hätten wir für einen Sars-CoV-2-Impfstoff auch. (bzbasel.ch)

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ilovepies 20.04.2020 10:11
    Highlight Highlight Pk, bitte mal recherchieren. Wie seriös ist das? Wieso sprechen andere (WHO, Gates, andere Länder) von nächstes Jahr oder 18 Monate? Wieso sprechen gewisse Immunologen davon, dass man ev. Keinen Impfstoss entwickeln kann? Wieso diese riesen Bandbreite? Sind alle doof nur Herr Bachmann nicht? Verstehe diese Uneinigkeit bez. des Impfstoffs nicht.
    • _Qwertzuiop_ 20.04.2020 11:47
      Highlight Highlight Weil verschiedene Menschen verschiedene Meinungen haben, Gates kein Immunologe ist, die Massenproduktion lange dauern kann. Dass man keinen Entwickeln kann ist aber Blödsinn, der Virus ist kein HIV Virus der sich ständig verändert sondern recht stabil, es ist halt die Frage wie lange es geht bis man ihn hat & dazu braucht es unter anderem auch Glück, allerdings laufen viele verschiedene Studien mit verschiedenen Ansätzen von dem her denke ich kann man zuversichtlich sein, die Prognose der WHO tönt realistisch, früher kann allerdings genau so sein wie später. Drücken wir Bachmann die Daumen.
    • lilie 20.04.2020 12:10
      Highlight Highlight @Ilovepies: Bei der WHO sind unterdessen über 80 Projekte eingegangen, welche einen Impfstoff entwickeln wollen.

      Der Aufwand ist enorm, trottdem werden in China und USA bereits Impfstoffe an Freiwilligen getestet, wie der folgende Bericht ausführt:

      https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov

      Die ganze Mühe kann aber umsonst sein, nämlich dann, wenn sich herausstellt, dass die Immunität nur wenige Wochen hinhält.

      Dieses Risiko wird aber eingegangen, ist ja klar, zumal es schon Impfstoffe für ähnliche Viren gibt.
    • Skip Bo 20.04.2020 13:30
      Highlight Highlight Es fällt auf, dass Wissenschaftler grundsätzlich sehr skeptisch sind, wenn sie von Kollegen überholt werden. Meist verwenden sie ihre Energie zuerst darauf, etwas schlecht zu reden anstatt die positiven Ansätze anzuerkennen und damit zu arbeiten.
      Bei der Herstellung von Impfstoffen findet auch ein technischer Fortschritt statt. Das verkürzt die Testphase.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Beasty 20.04.2020 09:36
    Highlight Highlight Ich drücke alle Daumen. Oktober ist irgendwie absehbar. Es wäre so schön.
  • djangobits 20.04.2020 09:07
    Highlight Highlight Wollen wir hoffen, dass Bachmann damit tatsächlich das Coronavirus und nicht seinen Ruf eliminiert...
  • Spellbinder 20.04.2020 09:05
    Highlight Highlight Realistisch ist der Zeitplan aber wohl auch nur in der Theorie.
    Es geht ja nicht nur darum festzustellen ob der Impfstoff dann auch wirkt, sondern auch allfällige Nebenwirkungen und mögliche spätfolgen festzustellen.
    Wenn man bedenkt das man damit wohl 80-90 % der Weltbevölkerung impfen möchte, ist eine Testgruppe von 240 Personen sehr klein.

    Das wird ein interessantes Dilemma.
    Wie sicher will man sich sein das ein Impfstoff wirkt und ungefährlich ist?
    Dem gegenüber stehen die toten und das leiden das die Krankheit verursacht. Beziehungsweise das soziale und wirtschaftliche Ungemach.

    • _Qwertzuiop_ 20.04.2020 12:58
      Highlight Highlight Langzeitschäden treten in kurzer Zeit nach der Impfung auf und werden durch die Klinischen Studien detektiert. Das benötigt keine Jahre sondern Monate.
  • KafiAmPischtarand 20.04.2020 09:01
    Highlight Highlight Handelt dieser Artikel von einem Impfstoff für die aktuelle Pandemie Covid19? Ich lese nur Covid-2 und sars. Ist rs denn aktuell, dafür einen Impfstoff im abgekürzten Verfahren zur Verfügung zu haben? Redaktion, komme nicht draus... danke für Präzisierung.
    • Gigle 20.04.2020 15:18
      Highlight Highlight Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Seit fast 5 Monaten wissen wir nun vom neuen Coronavirus. Seit Januar hat das Virus einen Namen: Sars-Cov-2. Das steht für ‚severe acute respiratory syndrome coronavirus 2‘. 2, weil es schonmal ein ähnliches Sars Coronavirus gab.
      Die, durch das Virus ausgelöste Krankheit heisst COVID-19, was wiederum für ‚corona virus disease 2019‘ steht. 2019, weil die Krankheit dann entdeckt wurde. Geimpft wird gegen das Virus (Sars-Cov-2), daher steht das im Text auch so.
  • Saraina 20.04.2020 08:58
    Highlight Highlight Erinnert sich noch jemand an die israelischen Forscher, die vor kurzem „wir haben eine Impfung gefunden“ jubelten? Wo sind sie geblieben?
    • Kopold 20.04.2020 09:57
      Highlight Highlight Stecken wahrscheinlich in den besagten präklinischen oder klinischen Studien...
    • lilie 20.04.2020 10:23
      Highlight Highlight @Saraina: Gemäss diesem aktuellen Bericht (https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov) sind bei der WHO unterdessen 80 Projekte eingegangen, die einen Impfstoff entwickeln wollen.

      Da wird wirklich geforscht wie verrückt!

      In den USA und China werden Stoffe bereits an Freiwilligen getestet, in Europa sind Testläufe für spätestens Sommer geplant.

      Das israelische Unternehmen wird auch aufgeführt, aber es steht nicht, an welchem Punkt des Verfahrens es derzeit steht.
    • _Qwertzuiop_ 20.04.2020 10:28
      Highlight Highlight Die starten am 1.6 mit den ersten Tests an Menschen
    Weitere Antworten anzeigen
  • COVID-19 ist Evolution 20.04.2020 08:34
    Highlight Highlight Die gesamte Bevölkerung mit einem im Schnelldurchlauf erstellten Wirkstoff impfen - what can go wrong, hold my beer.

    "Normalerweise dauern Testphasen für einen Impfstoff Jahre. Es darf da nichts schiefgehen." Dafür gibt es einen Grund, denks?
  • DonChirschi 20.04.2020 08:19
    Highlight Highlight Kommt dabei noch jemandem der Anfang von „I am legend“ in den Sinn?
  • Saerd neute 20.04.2020 08:01
    Highlight Highlight Jupii, dann dürfen wir uns flächendeckend irgend Chemikalien und Schwermetalle in unseren Körper spritzen lassen!
    Das stimmt voll mit unserem Drang nach mehr Natur und Ökologie zusammen.


    Also ich bin nicht dabei.
    • Maon 20.04.2020 12:28
      Highlight Highlight Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Da wird beschrieben wie eine Impfung funktionieren würde. Eigentlich nicht sehr schwer zu verstehen...
    • Saerd neute 20.04.2020 13:39
      Highlight Highlight Maon
      Sicherlich weisst du auch dass unser Körper die Eigenschaft hat Fremdkörper so schnell wie möglich auszuscheiden. Aus diesem Grund wird Quecksilber oder Aluminium in jede Impfdose impliziert, das verhindert den schnellen Abbau und macht das sich unser Körper möglichst lange daran errinnern muss.
      Genau so funktioniert eine Impfung.
      Ist im Fall auch leicht zu googeln.
      Nur willst du es sicher nicht glauben weil ich es sage. Wenn es Berset sagen würde.....
  • Tornadillo 20.04.2020 08:01
    Highlight Highlight Ein neuer Nationalheld wäre geboren, wenn das klappen sollte.
    • wilhelmsson 20.04.2020 08:27
      Highlight Highlight Das klingt soweit vielversprechend. Aus früheren Forschungen weiss man jedoch auch, dass es nicht immer wie gewünscht laufen muss. Hat man einen passenden Teil des Spike-Proteins erwischt? Funktioniert die Verstärkung zur Auflösung der Immunreaktion? Wir können darauf hoffen, sollten uns aber nicht darauf verlassen, dass noch dieses Jahr ein Impfstoff zugelassen werden kann. ✊🏻
  • THEOne 20.04.2020 07:39
    Highlight Highlight und jahre später gehen die sammelklagen los, weil eben doch was schiefgegangen ist beim impfstoff.
    mir kommt bei solchen schnellschüssen immer wieder der conterganskandal oder das mit dem epilepsiemedikament in den sinn.
    • _Qwertzuiop_ 20.04.2020 11:23
      Highlight Highlight Impfungen sind etwas anders als Medikamente, Spätschäden gibt es eigentlich nie (habe keinen einzigen Bericht gefunden). Bei Medikamenten kommt das vor, da diese idR regelmässig eingenommen werden während Impfungen selten stattfinden, der Körper baut das Zeug wieder ab. Es kann direkt nach der Impfung zu Krämpfen, Schlappheit etc kommen aber nich nach Wochen oder Monaten

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