Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

In Bernstein gegossen: Älteste Spermien der Welt entdeckt



Sperma, Spermien

Bild: Shutterstock

Über 100 Millionen Jahre konserviert in Bernstein: Forscher haben in einem winzigen Krebsweibchen Riesenspermien entdeckt – das Tier wurde offenbar kurz nach der Paarung vom Harz eingeschlossen.

Ein internationales Team von Paläontologen entdeckte 100 Millionen Jahre alte Spermien im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses aus Myanmar. Das berichten unter anderem Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München im Fachmagazin «Proceedings B».

Die Krebse, die mit ihrem zweiklappigen, verkalkten Panzer ein wenig an Muscheln erinnern, existieren seit 500 Millionen Jahren.

Unbekannte Art entdeckt

Die bisher ältesten Spermien waren nur halb so alt: Die 50 Millionen Jahre alten Samenzellen waren im versteinerten Kokon eines Gürtelwurms in der Antarktis entdeckt worden.

Mit dem Spermienfund entdeckten die Forscher eine bislang unbekannte Art, die sie «Myanmarcypris hui» nannten.

Kurz vor Einschluss gepaart

Mittels Röntgenmikroskopie fertigten sie computergestützte 3-D-Rekonstruktionen der in Bernstein eingebetteten Krebse. Dabei waren nicht nur die winzigen Gliedmassen der nur gut einen halben Millimeter grossen Tiere zu sehen, sondern auch ihre Fortpflanzungsorgane und eben die 100 Millionen Jahre alten Spermien.

Sie lagen in beutelartigen Behältern, in denen sie aufbewahrt werden, bis die Eier befruchtungsreif sind. «Dieses Weibchen muss sich kurz vor dem Einschluss im Baumharz noch gepaart haben», sagte Co-Autor He Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Nanjing. Die Rekonstruktionen enthüllten auch die charakteristischen muskulösen Spermienpumpen und zwei Penisse, mit denen männliche Muschelkrebse die Weibchen begatten.

Spermien länger als Krebs

«Es war eine überaus seltene Möglichkeit, etwas über die Evolution dieser Organe zu erfahren», sagte die beteiligte LMU-Geobiologin Renate Matzke-Karasz. Die Spermien seien wahrscheinlich länger gewesen als der Krebs selbst. Da sie aufgewickelt in den Speicherorganen lagen, lasse sich die Länge nicht genau feststellen.

Der Nachweis aus Myanmar, dass sich Tiere bereits seit mehr als 100 Millionen Jahren mit Riesenspermien fortpflanzen, beweise den Erfolg dieser Strategie, sagt Matzke-Karasz. Bei den meisten Tieren wie auch beim Menschen gebe es winzige Spermien in sehr grossen Mengen. Nur wenige Tiere, darunter manche Fruchtfliegen und eben Muschelkrebse, stellten eine relativ kleine Anzahl überdimensionaler Spermien her.

(aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Sperma-Check mit dem Handy

Jeder sechste Schweizer hat weniger Spermien als normal

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zürich hatte «vielfältige und relevante» Verbindungen zur Sklaverei

Die Stadt Zürich war an der Sklaverei und dem Sklavenhandel finanziell beteiligt und so mitverantwortlich für die Versklavung tausender Afrikanerinnen und Afrikaner. Die Unterstützung erfolgte durch Staatsanleihen, den Handel und Plantagen.

Die Verbindungen Zürichs zur Sklavenwirtschaft waren «vorhanden, vielfältig und relevant», wie Frank Schubert, Mitautor einer Studie der Universität Zürich, am Dienstag vor den Medien sagte.

Diese Verbindungen waren Ausdruck einer Tradition einer langen …

Artikel lesen
Link zum Artikel