Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wreckage of the rebel supply plane shot down on Saturday, Jan. 24, 1988 over Nicaragua lies in a jungle-covered area near the village of El Arenla. The plane was shot down by Sandinista forces after it had ari-dropped supplies to Contra rebels, according to authorities. (AP Photo/Mario Tapia)

Das Wrack eines von sandinistischen Truppen abgeschossenen Transportflugzeugs in Nicaragua. Die CIA finanzierte die antisandinistischen Contra-Rebellen, obwohl der US-Kongress dies verboten hatte. Bild: AP NY

Drogen, Waffen, Menschenversuche – 7 spektakuläre Operationen der US-Geheimdienste



Die «Washington Post» nannte es den «Geheimdienst-Coup des Jahrhunderts»: Die CIA bespitzelte – in Zusammenarbeit mit dem BND – über manipulierte Verschlüsselungsgeräte der Schweizer Crypto AG mehr als 100 Staaten. Diese sogenannte «Operation Rubikon» mag «eine der erfolgreichsten nachrichtendienstlichen Unternehmungen der Nachkriegszeit» sein – sie ist bei weitem nicht die einzige. Das zeigt diese kleine und willkürliche Auswahl von sieben Operationen der CIA und des FBI.

Operation Mockingbird

Fake News ist keine Erfindung unserer Tage: Schon die Operation Mockingbird, ein Programm der CIA, soll mit erfundenen Geschichten gearbeitet haben, um die öffentliche Meinung in den USA und in befreundeten Ländern zu beeinflussen. Das Programm hatte Wurzeln in der Endphase des Zweiten Weltkriegs, als die OSS – die Vorläuferorganisation der CIA – ein Netzwerk von Journalisten in Europa aufbaute. Ab 1947, mit dem Beginn des Kalten Krieges, kümmerte sich der CIA-Mann Frank Wisner um Operation Mockingbird. In den 50er-Jahren soll er angeblich Journalisten von über 25 US-Medien rekrutiert und bezahlt haben – darunter Reuters, ABC, CBS, Hearst Newspapers und die New York Times.

This is a rare photograph of Allen W. Dulles, Director of the U.S. Central Intelligence Agency, in his Washington, D.C. office on July 28, 1954. Here in this office, a setting where few photographers have access, Dulles directs the super-secret CIA organization whose lines of espionage and information spread around the world and penetrate behind the Iron Curtain. Behind him is a map which he often consults, showing North America and the Soviet Union at top. (KEYSTONE/AP Photo) === ===

CIA-Chef Allen Dulles im Jahr 1954. Bild: AP

Die CIA-Propaganda gelangte über kooperierende oder ahnungslose Journalisten in die News. Sie trug dazu bei, verdeckte und oft illegale Geheimdienstaktionen im Ausland zu verschleiern, etwa den Sturz der Regierung Arbenz in Guatemala 1954 oder den Sturz der Regierung Mossadegh im Iran 1953. Gemäss dem Reporter und Pulitzer-Preisträger Carl Bernstein wurde Operation Mockingbird 1953 direkt von CIA-Direktor Allen Dulles kontrolliert.

Der US-amerikanische Journalist Carl Bernstein, der zusammen mit seinem Kollegen Bob Woodward von der

Enthüllungsjournalist Carl Bernstein. Bild: KEYSTONE

Projekt MKULTRA

Das streng geheime Programm MKULTRA begann 1953 und lief bis in die 70er-Jahre hinein. Es wurde auf Befehl von CIA-Chef Allen Dulles initiiert und sollte eine vermutete amerikanische Rückständigkeit im Bereich der Gedankenkontrolle beseitigen. Als im Korea-Krieg US-Gefangene plötzlich Propaganda für den Kriegsgegner machten, fürchtete man, die Ostblock-Staaten verfügten über bisher unbekannte Mittel der Gehirnwäsche. Ziel des von Sidney Gottlieb geleiteten Projekts MKULTRA war es, ein Wahrheitsserum zu finden, mit dem Gedankenkontrolle und Bewusstseinsmanipulation möglich wäre. Experimentiert wurde mit Drogen wie LSD, Meskalin oder Angel Dust, aber auch mit Psychochirurgie.

Zahlreiche Experimente wurden an Menschen durchgeführt, die nichts davon wussten und kein Einverständnis dafür gegeben hatten – oder deren Einverständnis erzwungen war. Zu den Versuchskaninchen zählten auch Gefängnisinsassen wie etwa der bekannte Verbrecher James Bulger, dem zusammen mit anderen Häftlingen eine hohe Dosis LSD verabreicht wurde – angeblich, um ein Medikament gegen Schizophrenie zu testen. Opfer waren auch CIA-Angehörige selber, denn der Geheimdienst wollte herausfinden, ob sich mit LSD ein Spion «umdrehen» liesse.

FILE - This 1953 Boston police booking file photo combo shows James

Dem Verbrecher James Whitey Bulger wurde 1957 nach eigenem Bekunden im Gefängnis eine hohe Dosis LSD verabreicht. Bild: AP Boston Police

Der Chemiker Frank Olson sprang neun Tage nach einer LSD-Dosis, die ihm ohne sein Wissen verabreicht worden war, aus dem Fenster eines Hochhauses. Ob es sich tatsächlich um Suizid oder um Mord handelte, ist umstritten. Ein Teil der Experimente wurde auch in geheimen Gefängnissen im Ausland durchgeführt, um der Kontrolle durch die US-Behörden zu entgehen. 1972 vernichtete die CIA in einem illegalen Akt einen Grossteil der offiziellen Dokumente zu dem Projekt. Obwohl MKULTRA ein geheimes Programm war, wurden einige Teilprojekte – darunter auch Menschenversuche – in amerikanischen Kliniken und Universitäten durchgeführt.

Eric Olson composes his thoughts Thursday, Aug. 8, 2002, during a news conference at his house in Braddock Heights, Md. concerning the death of his father, Fort Detrick scientist Frank Olson, who fell to his death in 1953 from a New York Hotel room. The Olson family now believes Dr. Olson was killed because of his knowledge of biological weapons usage during the Korean War, not because he jumped to his death after being given LSD as part of a CIA experiment. (KEYSTONE/AP Photo/Timothy Jacobsen)

Frank Olsons Sohn Eric glaubt, dass die CIA seinen Vater umgebracht hat. Bild: AP

Cointelpro

Das sogenannte Counterintelligence Program der amerikanischen Bundespolizei FBI richtete sich gegen eine ganze Reihe von Institutionen und Personen, die vom FBI als subversiv eingeschätzt wurden. Zu den wichtigsten Zielen, die vom FBI gezielt überwacht, aber auch diskreditiert wurden, gehörten die Bürgerrechtsbewegung und die Bewegung gegen den Vietnamkrieg, daneben auch linke politische Parteien und die «Black Panthers». Rechtsextremistische Grupperungen wie der Ku-Klux-Klan wurden überwacht, aber geduldet – sofern sie gegen Gegner wie die Black Panthers vorgingen. Das FBI begnügte sich nicht damit, diese Ziele zu observieren, sondern ging aktiv gegen sie vor, indem sie unterwandert und beispielsweise mit gefälschten Dokumenten diskreditiert wurden. Das bekannteste Opfer dürfte Martin Luther King sein – er wurde nicht nur jahrelang abgehört, das FBI schickte ihm auch einen anonymen Brief, der ihn erpressen sollte und ihm Selbstmord nahelegte.

Dr. Martin Luther King Jr. is seen at a press conference in 1966. A Memphis, Tenn. jury hearing a wrongful death lawsuit filed by the Rev. Martin Luther King Jr.'s family found Wednesday Dec. 8, 1999, that the civil rights leader was the victim of a vast murder conspiracy, not a lone assassin. (AP Photo)

Der Bürgerrechtler Martin Luther King war eines der bevorzugten Ziele von Cointelpro. Er wurde jahrelang abgehört. Bild: AP

Zum Arsenal des FBI zählten auch anonyme Denunziationen, Verhaftungen und Verurteilungen aufgrund von falschen Aussagen und sogar die Anwendung von Gewalt bis hin zum Mord. Dass solche Methoden hochgradig illegal und verfassungswidrig waren, stellte für FBI-Chef Edgar Hoover kein Hindernis dar; er sah darin eine legitime Verteidigung der durch Feinde bedrohten nationalen Sicherheit. Cointelpro wurde 1956 in der paranoiden Atmosphäre eines hysterischen Antikommunismus initiiert und endete erst 1971 – ein Jahr vor Hoovers Tod –, nachdem Aktivisten in ein FBI-Büro eingebrochen waren und der Presse Dokumente zugespielt hatten. Doch erst im Nachgang der Watergate-Affäre richtete der US-Kongress einen Untersuchungsausschuss ein, der die Aktivitäten der Geheimdienste und des FBI unter die Lupe nahm.

ARCHIV - Das undatierte Bild zeigt J. Edgar Hover am Telefon in seinem Büro beim FBI. Hoover war von 1935 bis zu seinem Tod 1972 erster Direktor des FBI, der Nachfolgeorganisation des Bureau of Investigations (BOI). (zu dpa

J. Edgar Hoover leitete das FBI von 1935 bis zu seinem Tod 1972. Bild: DPA

Air America

1949 kaufte die CIA eine vor dem Bankrott stehende Fluggesellschaft, die sie in der Folge für verdeckte Operationen einsetzte. Das Unternehmen, das ab 1959 Air America hiess, versorgte zunächst nach Burma geflohene Einheiten der im Bürgerkrieg geschlagenen nationalchinesischen Armee mit Waffen. Seit Beginn der Sechzigerjahre flog die Air America Einsätze in Indochina. Dazu zählten Transport- und Aufklärungsflüge sowie Suchaktionen für abgeschossene Kampfpiloten. Die eingesetzten Maschinen eigneten sich für diese Operationen, weil sie auf sehr kurzen Landebahnen starten und landen konnten. Die Piloten der Fluggesellschaft nahmen dabei, obwohl sie Zivilisten waren, an Kampfhandlungen im Vietnamkrieg teil.

Helio U-10D der Air America 1970 in Laos
https://de.wikipedia.org/wiki/Air_America#/media/Datei:Helio_U-10D_Air_America_Laos_1970.jpg

Ein Flugzeug der Air America 1970 in Laos. Bild: Wikimedia

Die CIA soll selbst so weit gegangen sein, die Maschinen der Air America für den Drogenschmuggel einzusetzen. Das Opium wurde von Bergvölkern im Norden von Laos angebaut, die damit ihren bewaffneten Kampf gegen die kommunistische Guerilla Pathet Lao finanzierten. Ein Teil der Profite floss an Politiker und Militärs der Region, die mit den Amerikanern verbündet waren. Ob die CIA aktiv mit Drogen handelte oder lediglich deren Transport organisierte, ist umstritten – vor diversen Untersuchungsausschüssen stellten CIA-Zeugen eine aktive Beteiligung jeweils in Abrede. Einen letzten grossen Einsatz hatte die Airline 1975, als nordvietnamesische Truppen Saigon eroberten: Sie brachte mit Helikoptern das Personal der US-Botschaft und weitere Flüchtlinge aus der Stadt. Nach dem Vietnamkrieg scheiterte ein Versuch, Air America in Thailand weiterzuführen, und die Fluggesellschaft wurde aufgelöst.

Air America in Laos während des Vietnamkrieges
https://www.aljacobsladder.com/news-stories/the-silent-war-reading-room/cia-air-operations-in-laos.html

Die zivile Fluggesellschaft soll Opium und Heroin aus den Berggebieten im Norden von Laos geschmuggelt haben. Bild: aljacobsladder.com

Der Vietnamkrieg

Operation CHAOS

Nicht nur das FBI bespitzelte die Einwohner der USA, auch die CIA tat dies – und zwar illegal, da sie als Auslandsgeheimdienst nicht im Inland tätig werden darf. Überdies verstiessen ihre Überwachungsaktivitäten gegen die US-Verfassung. Die verdeckte Operation der CIA lief unter dem Code-Wort CHAOS und begann 1967 während des Vietnamkrieges auf Geheiss von Präsident Johnson. Ziel der Überwachung waren rund 300'000 Kriegsgegner und Bürgerrechtler. Man vermutete, die Protestbewegungen seien durch sowjetische Agenten unterwandert. Obwohl sich dieser Verdacht nicht erhärten liess, ordnete Johnsons Nachfolger Nixon an, die Bespitzelung noch auszuweiten. Dabei wurden die Reisebewegungen der observierten Bürger in einer elektronischen Datenbank festgehalten.

Richard Nixon, Praesident der USA, richtet sich am 5. Mai 1970 in einer Fernsehansprache an die kambodschanische Nation und begruendet den Einmarsch von US-Truppen nach Kambodscha. (KEYSTONE/Str)

US-Präsident Nixon intensivierte die Überwachung von Gegnern des Vietnamkriegs. Bild: KEYSTONE

Von der National Security Agency (NSA) – ebenfalls ein Auslandsgeheimdienst der USA – erhielt die CIA Namenslisten von Personen, die dem Krieg in Vietnam gegenüber kritisch eingestellt waren. Die NSA ihrerseits überwachte in der Operation Minaret über 1600 US-Bürger, darunter Martin Luther King und Muhammad Ali. Selbst US-Senatoren wie Frank Church wurden bespitzelt. Operation Minaret wurde – ebenso wie Operation CHAOS – 1973 beendet, als die Watergate-Affäre die Schlagzeilen beherrschte. Enthüllt wurde CHAOS allerdings erst ein Jahr später durch einen Artikel des Journalisten Seymour Hersh. Dies führte zur Einsetzung von mehreren Untersuchungskommissionen – die wichtigste davon war das Church Committee unter der Leitung des Senators Frank Church. Aus diesem Ausschuss gingen die ständigen Ausschüsse des Senats und Repräsentantenhauses hervor, deren Aufgabe die Kontrolle der Geheimdienste ist.

Heavyweight boxer Muhammad Ali makes a point during a news conference that he conducts from inside the ring in Atlanta, Ga., in this Oct. 24, 1970, photo. (AP Photo)

Box-Champion Muhammad Ali gehörte zu den US-Bürgern, die während der Operation Minaret bespitzelt wurden. Bild: AP

Das Leben von Seymour Hersh

Operation Cyclone

1978 putschten sich die Führer der kommunistischen afghanischen Volkspartei an die Macht und riefen die pro-sowjetische Demokratische Republik Afghanistan aus. Das neu installierte Regime schloss einen Friedensvertrag mit der Sowjetunion und begann eine Landreform, die höchst unpopulär war, jedoch äusserst brutal durchgeführt wurde. Dies führte zu einem Aufstand von antikommunistischen «Mudschaheddin», islamistischen Widerstandskämpfern. Der Logik des Kalten Krieges folgend, stellte sich Washington auf die Seite der Aufständischen: Im Juli 1979 beschloss Präsident Carter auf Vorschlag seines Sicherheitsberaters Zbigniew Brzeziński, die Mudschaheddin mit 500'000 Dollar zu unterstützen, vorerst nur für medizinische Versorgung, Funkgeräte und dergleichen. Nach der sowjetischen Invasion Ende 1979 erlaubte Carter auch direkte Waffenlieferungen.

FILE - In this Dec. 27, 1979, file photo, rebel Muslim fighters inspect a Soviet tank captured in fighting with the Kabul government forces on near Asmar, Afghanistan. The Soviet Union invaded Afghanistan in December 1979, driven by fears that the U.S. could try to establish a foothold next to Soviet republics in Central Asia after losing Iran in the Islamic Revolution. (AP Photo/Steve McCurry, File)

Mudschaheddin in Afghanistan mit einem erbeuteten sowjetischen Schützenpanzer. Bild: AP

Die Operation Cyclone, bei der die CIA eng mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI zusammenarbeitete, nahm mit dem Amtsantritt von Präsident Reagan deutlich an Umfang zu. Nun wurden auch amerikanische Flugabwehrwaffen an die Mudschaheddin geliefert. Daneben wurden umfangreiche Mittel in die Rekrutierung und Ausbildung der Mudschaheddin gesteckt, zu denen auch Freiwillige aus islamischen Ländern stiessen – darunter ein gewisser Osama bin Laden. Insgesamt wurden mit britischer und saudi-arabischer Hilfe mehr als 100'000 muslimische Kämpfer ausgebildet. Im Rahmen der Operation Cyclone flossen mindestens drei Milliarden Dollar in den afghanischen Widerstand – damit dürfte es sich um eine der teuersten CIA-Operationen handeln. Sie war erfolgreich: Die Sowjetunion zog ihre Truppen 1989 ab; der Krieg in Afghanistan war einer ihrer Sargnägel. Doch die Stärkung der Islamisten in Afghanistan ebnete den Taliban und der Al Kaida den Weg – mit den bekannten Folgen.

Saudi-born billionaire Osama Bin Laden smiles as he sits in a cave in the Jalalabad region of Afghanistan in this 1988 photo. A CIA-led operation has killed Osama bin Laden in Pakistan and recovered his body after a tortuous decadelong hunt for the elusive militant leader who commanded the terrorist attacks of 11 September 2001. The al-Qaeda leader was killed in a ground operation in a mansion outside Islamabad in an operation, according to U.S. President Obama in a nation address early, 02 May 2011.  EPA/STR

Osama bin Laden 1988 in Afghanistan. Der Saudi kämpfte in den Achtzigerjahren gegen die Sowjets; ob er damals direkt von der CIA finanziert wurde, ist umstritten – er profitierte jedoch mindestens indirekt von der US-Unterstützung. Bild: EPA

Iran-Contra-Affäre

FILE - In this March 19, 1987 file photo, President Ronald Reagan taps his forehead at the White House while responding to a reporter's question during a news conference at which he said he never deliberately lied to the public, despite admitting to a misstatement about Israeli involvement in the Iran-Contra affair. In a 1986 radio address admitting to missteps in the Iran-Contra scandal, the president famously said

Als der Deal mit dem Iran aufgeflogen war, konnte – oder wollte – sich Präsident Reagan nicht mehr daran erinnern. Bild: AP

Präsident Reagan verfolgte nach seinem Amtsantritt 1980 die sogenannte «Reagan-Doktrin», die die Unterstützung von antikommunistischen Rebellen weltweit vorsah. Nachdem jedoch die Demokraten in den Midterms 1982 die Mehrheit in beiden Häusern des US-Kongresses erobert hatten, verabschiedeten sie das «Boland-Amendment», das jede Finanz- und Militärhilfe für die Contra-Rebellen in Nicaragua untersagte. Diese rechtsgerichtete Guerilla, die gegen die demokratisch gewählte sandinistische Regierung kämpfte, war bisher vom CIA trainiert und finanziert worden. Reagans Leute suchten nach einem Weg, das Boland-Amendment zu unterlaufen. Dieser Weg fand sich schliesslich, und zwar über einen Umweg: in einem geheimen Deal mit dem Mullah-Regime in Teheran. Obwohl gegen den Iran wegen der Geiselnahme in der US-Botschaft ein Handelsembargo bestand, lieferte Washington bis 1986 moderne Waffensysteme an das verfeindete Land, zu Beginn über israelische Kanäle. Der Iran setzte sie im Krieg gegen den Irak ein, der ebenfalls von den USA beliefert wurde.

This young Iranian soldier shouts

Iranische Soldaten im Krieg gegen den Irak, 1982. Die schlecht ausgerüsteten iranischen Truppen erlitten hohe Verluste. Bild: AP NY

Die Einnahmen aus dem Geschäft gingen illegal an die Contras – und die hatten noch eine weitere problematische Einnahmequelle: Mit Wissen der CIA schmuggelten die antisandinistischen Rebellen jahrelang tonnenweise Kokain in die USA, wo es vornehmlich in den Ghettos von Los Angeles verkauft wurde – während First Lady Nancy Reagan mit dem Slogan «Just say no» («Sag einfach Nein») gegen den Drogenkonsum predigte. Finanziert wurde der Drogenschmuggel unter anderem durch «humanitäre Hilfsgelder» für die nicaraguanische Opposition.

Contra-Rebellen in den Bergen von Niicaragua. Bild: AP

Der Deal mit den Mullahs flog 1986 auf, als die libanesische Zeitung «Al-Shiraa» darüber berichtete. Eine daraufhin eingesetzte Untersuchungskommission stellte fest, dass von den etwa 30 Millionen Dollar, die der Deal eingebracht hatte, rund 18 Millionen nicht verbucht waren. Ein Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrates, Oberstleutnant Oliver North, erklärte darauf, dass diese Gelder an die Contras geflossen waren. Die Verwicklung der CIA in den Contra-Drogenhandel wurde von einer Kommission unter dem Vorsitz von Senator John Kerry aufgedeckt, doch einer breiten Öffentlichkeit wurde dieser Teil der Affäre erst später durch die Artikelserie des Journalisten Gary Webb bewusst. Die juristische Aufarbeitung der Iran-Contra-Affäre war bescheiden: Jene Verantwortlichen, die überhaupt verurteilt wurden, wurden von Präsident George Bush senior begnadigt.

Der US-amerikanische Oberstleutnant Oliver North sagt am 9. Juli 1987 in Washington vor den beiden gemeinsam tagenden Sonderausschuessen des Kongresses zur Iran-Contra-Affaere aus. Die Ausschuesse wollen klaeren, wie Gelder an die antisandinistischen Rebellen in Nicaragua ueber den Iran umgeleitet wurden und ob dies mit Wissen des amerikanischen Praesident geschehen ist. (KEYSTONE/EPA/White House/Str)

North bei seiner Aussage vor einem Sonderausschuss des US-Kongresses. Bild: EPA, WHITE HOUSE

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

So hörte die CIA über eine Schweizer Firma 100 Staaten ab

So reagiert der US-Geheimdienst-Chef auf Putins Staatsbesuch

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

41
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Snowy 21.02.2020 06:08
    Highlight Highlight Was für ein verstörender Artikel.

    Man mag sich kaum vorstellen, wie wohl die „best of CIA/NSA Aktionen 2010 - 2020“ aussehen werden...!
    Vor allem angesichts der Tatsache, dass die US Regierung riesige Anstrengungen unternimmt um Whistleblower wie Snowden oder Assange mundtot zu machen um potentielle Nachahmer zu verängstigen.
    Das lässt die schlimmsten Befürchtungen wahrscheinlich werden.
    • En chliine Schuss Anarchie 21.02.2020 13:26
      Highlight Highlight Da hätten wir wohl den Putsch in Bolivien im vergangenen Jahr, die systematische Abwertung der venezuelanischen Wirtschaft (woran die venezuelanische Regierung selbst natürlich auch nicht gänzlich unschuldig ist) und was sie gerade im Nahen Osten und im Jemen treiben werden wir hoffentlich auch irgendwann erfahren.
  • Hayek1902 21.02.2020 04:57
    Highlight Highlight Wenn man sich all das zu gemüte führt, wird auch klar, wieso lwute wie alex jones überall eine verschwörung sehen...
  • miro1604 21.02.2020 00:40
    Highlight Highlight Neulich einen etwas älteren Typen mit einem CIA-Cap im Bus gesehen 🤦‍♂️
  • Huckleberry 20.02.2020 23:54
    Highlight Highlight Sehr empfehlenswert zu diesem Thema und speziell der Operation in Guatemala ist das neueste Buch von Mario Vargas Llosa "Harte Zeiten".
  • Octavius 20.02.2020 23:47
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • feuseltier 20.02.2020 23:13
    Highlight Highlight Und der Film mit Tom Cruise mit dem Kolumbianischem Drogenboss Escobar?! :))
  • Ichwillauchwassagen 20.02.2020 21:27
    Highlight Highlight Zu 6:
    3 Mia Doller bis 1989 um dann glaube ich nach 2001 1.5 Billionen in 10 Jahren Krieg gegen die Taliban zu verschwenden, also bis heute wahrscheinlich das Doppelte.
    Das ist der Preis für fehlgeleitete Undercover Aktionen, nur um einen Gegner (CCCP) der damals eh schon finanziell halb kaputt war endgültig zu zerstören
    Von Menschenleben spreche ich nicht, hat ja die Geheimdienste auch nie interessiert.
    Nur hätte wenigstens dieses Beispiel die Amis mal darüber nachdenken lassen müssen was sie so alles anrichten.
    Iran/Irak Krieg war dasselbe. Hat dann zu den 2 Golfkriegen geführt.
    • Dominik Treier 21.02.2020 13:14
      Highlight Highlight Die Amis und Nachdenken, was sie so alles anrichten?! XD

      Einem Grossteil der Amerikaner ist es relativ egal, wer aufgrund der Machenschaften ihrer Regierung draufgeht, solange es kein Amerikaner ist. Dort herrscht in grossen Teilen die Ansicht vor, dass der Zweck die Mittel heiligt und auch wenn es für viele Aktionen keinen objektiv logischen Zweck gibt, so sind all diese Bedrohungsszenarien doch wie immer eine willkommene Ablenkungen zu den gigantischen internen, gesellschaftlichen Problemen im Land. Man wehrt sich mit Händen und Füssen gegen Zerfallserscheinungen eines kaputten Systems.
  • DerAlteBenisun 20.02.2020 21:18
    Highlight Highlight Eine der aufregendsten Operationen fehlt. Projekt Azorian, als der CIA mit dem exzentrischen Milliardär Howard Hughes ein sowjetisches U-Boot heimlich barg: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Azorian-Projekt
  • MGPC 20.02.2020 20:38
    Highlight Highlight Das wirklich Schlimmste dabei ist, nebst den Opfern natürlich, dass die ganze Welt es wusste und weis. Und niemand kann und will etwas dagegen unternehmen.
    Ist wie bei Mengele damals. Hätte er nicht diese unzähligen, abscheulichen Experimente gemacht, wäre die Medizin nicht so schnell vorangeschritten.
    Ohne Opfer keinen Frieden. Ich hasse diesen Spruch und doch ist es die allgegenwärtige Wahrheit.
    • Spooky 21.02.2020 04:00
      Highlight Highlight "Hätte er nicht diese unzähligen, abscheulichen Experimente gemacht, wäre die Medizin nicht so schnell vorangeschritten."

      Inwiefern, konkret?
    • MGPC 21.02.2020 10:36
      Highlight Highlight du hast doch google oder? Schau selbst nach, sonst sprengts hier die Kommentarspalte.
    • En chliine Schuss Anarchie 21.02.2020 13:32
      Highlight Highlight Wenn du googlen könntest @MGPC, dann würdest du auch erfahren, dass dir so ziemlich jeder Medizinhistoriker widerspricht. Die Experimente waren einfach nur grausam und unnötig. Alles andere ist Geschichtsklitterung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Nelson Muntz 20.02.2020 19:11
    Highlight Highlight Und wenn nun Huber in Langley auf der Lohnliste ist und uns bewusst mit falschen Infos füttert😱??

    Dies würde viellicht auch seine Quote im Quiz (aka Operation Hellste Kerze) erklären 🤪🤣
  • Glenn Quagmire 20.02.2020 19:06
    Highlight Highlight und trotz allen Widrigkeiten ist es mir so lieber, als dass die Sovjets ihr Einflussgebiet nach WW2 bis an die Atlantikküste ausgedehnt hätten.
    • Dominik Treier 21.02.2020 13:27
      Highlight Highlight Pest oder Cholera... Natürlich nimmst du die Cholera, weil die dich nicht so schnell und sicher umbringt, sich dann aber einfach hinzusetzen und damit zufriedenzugeben, dass man immer noch ein möglicherweise tödliche Krankheit hat, ist aber höchstens ein Zeichen von Resignation und nicht von Objektivität...
    • Glenn Quagmire 22.02.2020 10:16
      Highlight Highlight Du wärst also lieber under dem Machteinfluss der Sovjets aufgewachsen? Rede mal mit Menschen, die hinter dem Eisernen Vorhang lebten....oder überleg mal wieso DDR Bürger nach Westdeutschland flüchteten und nicht umgekehrt.
  • AnDerWand 20.02.2020 19:01
    Highlight Highlight Extrem spannender Artikel. Zeigt auf, von wem die Welt wohl wirklich beherrscht wird. Von ein paar alten weissen Männern, getrieben von ihren Ängsten, die sogar die eigene Regierung hintergehen. Es scheint als stünden diese über allem, als würden keine Gesetze für sie gelten. Wenn man dann noch sieht, wie viele Kriege von heute darauf zurückzuführen sind, unglaublich.
  • Moudi 20.02.2020 18:47
    Highlight Highlight Wer ist jetzt genau ein "Schurkenstaat"?
    • THEOne 21.02.2020 09:06
      Highlight Highlight wikipedia/google -> schurkenstaat
  • deepmind96 20.02.2020 18:47
    Highlight Highlight Spannend sind die Stories. Ich finde es jedoch tragisch zu was allem der Mensch bereit ist um seine Interessen durch zu setzen.

    Ich hätte gerne mal 24h zugang zur cia/nsa haben um mal live mitzubekommen was für Dinger da gedreht werden, trotz des Risikos das Gebäude mit verstörtem Geiste zu verlassen.
  • stevemosi 20.02.2020 18:35
    Highlight Highlight Super Bericht mit einem (subjektivem) Manko: Das Wort "spektakulär" (im Titel) ist mir persönlich ein ein wenig zu positiv behaftetes Wort für diese Schandtaten
  • Thinkdeeper 20.02.2020 18:32
    Highlight Highlight Korruption ist der Missbrauch der anvertrauten Macht zu persönlichen Zwecken.
    Genau dies tun Politiker und deshalb sollte man ihnen weitgehend die Macht entziehen.
  • Amateurschreiber 20.02.2020 18:16
    Highlight Highlight Betrifft zwar nicht die CIA, passt aber gut:

    In Nürnberg wurden 1946/47 KZ - Ärzte von einem US - Militärgericht verurteilt. Bei der Urteilsverkündung wurde der "Nürnberger Kodex" formuliert. Dieser besagt unter anderem "dass bei medizinischen Versuchen an Menschen die freiwillige Zustimmung der Versuchsperson unbedingt erforderlich (ist)".

    Die ganze Geschichte hat aber einen Schönheitsfehler: Die "gleichen" US - Amerikaner haben zur gleichen Zeit (und davor und danach) selber auch Menschenversuche durchgeführt. Siehe "Tuskegee-Syphilis-Studie" oder "Syphilis-Menschenversuche in Guatemala"!
  • Butzdi 20.02.2020 18:09
    Highlight Highlight Ich persönlich finde ja neben dem erwähnten und bis heute sehr relevanten Sturz von Mossadeq im Iran 1953 folgende zwei Aktionen des CIA die schlimmsten:
    1. Operation Nordwoods - man wollte false flag Terroranschläge auf Amerikaner in Florida ausüben und den Kubanern unterschieben
    (https://en.m.wikipedia.org/wiki/Operation_Northwoods)
    2. False Flag Aktion im Golf von Tonkin um den Krieg in Vietnam zu legitimisieren (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tonkin-Zwischenfall)
  • Silent_Revolution 20.02.2020 18:00
    Highlight Highlight Die "French Connection" wäre auch noch eine Erwähnung wert.

    Gerade mal 2 Monate nach der Gründung der CIA schloss die Agency am 15. November 1947 einen Pakt mit der korsischen Mafia, geführt von den Guérini Brüdern, den mächtigsten Anführern des damaligen französischen Untergrunds. Ziel war es, die von der kommunistischen Partei (KP) organisierten Streiks in Marseille zu brechen, an welchen über 3 Millionen Arbeiter teilgenommen haben. Als Gegenleistung für die von der CIA gelieferten Geldbeträge, Waffen und den tolerierten Heroinhandel, wurde die Streikbewegung mit Brachialgewalt aufgelöst.
  • Inflatio 20.02.2020 17:53
    Highlight Highlight Genau darum sollte sich Europa von den USA fernhalten und mit der gleichen Arroganz auftreten.

    Kriegstreiber, Lügner, Überwachungsstaat, Folterer und Rassisten wie die USA es lebt, brauchen wir auf diesem Planeten nicht.
    • Dominik Treier 21.02.2020 13:32
      Highlight Highlight Ich gebe dir recht, ausser bei der Arroganz! Was denkst, du warum die USA so geworden sind, wie sie heute sind trotz einmal zumindest in Teilen vorhandener Ideale?

      Wegen eben dieser Arroganz! Man hielt sich immer für besser und war überzeugt das richtige zu tun und nur zum Wohle des Landes und seiner Bevölkerung zu handeln, sodass auch rechtschaffene Amerikaner nicht gemerkt haben wie oft sie Leute an der Macht zugelassen haben, die sich nur für sich selbst interessiert haben. Wenn der Zweck immer die Mittel heiligt und keiner sich hinterfragt ist die Strasse zur Hölle bald fertig...
  • Raphael Stein 20.02.2020 17:44
    Highlight Highlight Der Pilatus Porter war ein vielseitiges Flugzeug.
  • Against all odds 20.02.2020 17:37
    Highlight Highlight Tönt wie ein Hollywood-Mehrteiler
    • THN 20.02.2020 19:23
      Highlight Highlight Teil 2: Männer, die auf Ziegen starren.. ;)
  • reactor 20.02.2020 17:32
    Highlight Highlight Das ist nur rin kleiner Teil der Counterinsurgency Programme der USA so haben beispielsweise Banken die Zahlungen vom Sandinistischen Nicaragua verzögert, was enorme Schwierigkeiten vetursachte, in Panama wurde ein Ausbildungszentrum für "Verhörspezialisten" betrieben, welches Foltere für sämtliche Lateinamerikanische Diktaturen lieferte. In Argentinien wurden u. A. die Transportarbeitergewerkschaft von der CIA unterwandert und stürzte das Land immer wieder ins Chaos. Es gab in den 80er, 90er Jahren unzählige Literatur zu all den Machenschaften.
  • just sayin' 20.02.2020 17:24
    Highlight Highlight eine interessante auflistung, welche aber nicht wirklich neu oder überraschend ist.

    solche aktionen werden von allen grösseren geheimdiensten gemacht.

    bei nationen wie china und russland werden sie nur mit harter hand geheim(er) gehalten.
  • lukas wiedmer (1) 20.02.2020 17:20
    Highlight Highlight danke.und so gehts weiter,nur will sich watson nicht so weit aus dem fenster lehnen....
  • Sherlock_Holmes 20.02.2020 17:17
    Highlight Highlight Ein informativer Bericht, der auf den Magen schlägt und doch nur die sprichwörtliche Spitze des Eisberges beleuchtet.

    Die fast einzige Hoffnung lag und liegt bis heute in den Händen mutiger, investigativer Journalisten wie den erwähnten Seymour Myron Hersh und Carl Bernstein bis zu Julian Assange und selbstlosen Whistleblowern wie Edward Snowden.

    Deshalb ist der Schutz dieser Menschen und einer wirksamen Pressefreiheit so wichtig.
    Eine Bedrohung, Einschränkung oder gar der Verlust hätte unabsehbare Folgen.

    Viele grauenvolle Abgründe und Labyrinthe blieben verborgen – nicht nur staatliche.

  • Dominik Treier 20.02.2020 17:13
    Highlight Highlight Sobald der Mensch entscheidet, dass alle Mittel recht sind, um ein Übel zu bekämpfen, unterscheidet sich die Absicht nicht mehr von dem Übel, das es zu zerstören galt. - Christopher Dawson
    • Amateurschreiber 20.02.2020 18:17
      Highlight Highlight Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

      Friedrich Nietzsche

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Jakob Fischbacher*. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus Syrien …

Artikel lesen
Link zum Artikel