Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer bei einem früheren Auftritt. archivbild: wikimedia.org CC BY-SA 2.0

Interview

Verändert die Corona-Krise die Gesellschaft zum Guten, Herr Heitmeyer?

Einer der bedeutendsten deutschen Soziologen zeigt sich im Interview skeptisch. Wenig deute darauf hin, dass nun die harten Fragen verhandelt würden.

Christian Bangel / Zeit Online



Ein Artikel von

Zeit Online

Wilhelm Heitmeyer, 74, ist einer der bedeutendsten deutschen Soziologen. Zu seiner Person:

«In der Krise wächst das Autoritäre.»

Das Interview

ZEIT ONLINE: Herr Heitmeyer, wie geht es Ihnen?
Wilhelm Heitmeyer: Ich bin zu Hause. Im Institut sind alle im Homeoffice. Mensen, Cafeteria und so weiter, das ist alles weitgehend dicht. Man kann bestenfalls seine Post abholen, und das war's.

Sie wirken recht unbeeindruckt.
Naja, das sieht nur so aus. Ausserdem bin ich privilegiert. Wir wohnen in einem Randbezirk von Bielefeld in einem Haus mit einem grossen Garten in einem Waldgrundstück. Da kann man es schon aushalten.

Dabei heisst es immer, diese Krise sei eine, die alle gesellschaftlichen Gruppen betrifft.
Ja und nein. Eine Krise im soziologischen Sinne zeichnet sich dadurch aus, dass erstens die normalen Routinen nicht mehr funktionieren und zweitens die Zustände vor dem Eintritt der Ereignisse nicht wieder herstellbar sind. Ein solches Ereignis erzeugt massive Kontrollverluste.

Was auf Corona zweifellos zutrifft.
Ja. Corona ist sogar eine besondere Krise, sie macht nicht Halt vor sozialen Klassen. Es gab vor Corona auch schon 9/11, Hartz IV, die Finanzkrise, die Ankunft der Geflüchteten, die aber jeweils für ganz unterschiedliche Milieus verunsichernd wirkten und in ihren Auswirkungen zeitlich begrenzt waren. Und doch gibt es auch in der Bewältigung dieser Pandemie schon jetzt massive Klassenunterschiede. Wir in unserem Haus am Wald erleben eine völlig andere Realität als eine Familie, die zum Beispiel in Berlin-Marzahn oder in Köln-Chorweiler mit drei Kindern in beengten Verhältnissen wohnt. Die soziale Ungleichheit wirkt sich massiv aus, ja, soziale Ungleichheit zerstört Gesellschaften.

«Man muss abwarten, welche Fantasien jetzt in Gang gesetzt werden.»

Was erwarten Sie von der Nach-Corona-Zeit?
Corona ist ein Beschleuniger von sozialer Ungleichheit. Da sind einerseits die psychischen Beschädigungen, die das Virus hinterlässt und die erst nach der Aufhebung der Kontaktbeschränkungen sichtbar sein werden. Und es sieht so aus, als würde eine tiefreichende wirtschaftliche Rezession mit weitreichender Arbeitslosigkeit auf uns zukommen. Die Folgen dürften soziale Desintegrationen und Statusverluste sein, also weitere Kontrollverluste.

Auf welche Reaktionen der Menschen müssen wir uns einstellen?
Über die gegenwärtigen Verarbeitungsformen wissen wir noch zu wenig. Aus bisheriger Forschung kennen wir einige Formen. Im Negativen sind Vertrauensentzug gegenüber der Politik oder die Einforderung von Etabliertenvorrechten möglich, nach dem Motto: Wir zuerst! Dann ist es nicht weit bis zum «Deutsche zuerst». Herr Höcke von der AfD hat ja schon vor längerer Zeit von grossen Remigrationsprojekten gesprochen, die mit «wohltemperierter Grausamkeit» vorangetrieben werden sollen. Denkbar ist auch die Immunisierung nach der Art eines «Weiter so», ohne dass man sich um die sozialen Folgen kümmert. Und es gibt natürlich quer über die Milieus Schuldverschiebungen, wie sie in Verschwörungstheorien erzählt werden.

Kommt jetzt deren grosse Zeit?
Es gibt jedenfalls einen Zusammenhang zwischen Kontrollverlust und der Anfälligkeit für Verschwörungstheorien. Und da die Kontrollverluste dieser Tage nun wirklich breit gestreut sind, dürften sie grössere Reichweite bekommen. Die Frage ist: Welchen sichtbaren Gruppen schiebt man die Schuld zu, wo der Virus doch unsichtbar ist? Man muss abwarten, welche Fantasien jetzt in Gang gesetzt werden. Im rechtsextremen Milieu ist schon einiges unterwegs.

epa08265026 A navy soldier stands next to the German flag aft on the minesweeper Groemitz Frankenthal-Klasse (Typ MJ 332) during a media event by the German navy to show their new tools to search and destroy mines, on the Baltic sea near the navy base of Kiel, northern Germany, 02 March 2020. The Kiel base is the homeport of the 3rd Minesweeper Squadron  (3.Minensuchgeschwader) of the German Navy (Bundesmarine).  EPA/MARTIN ZIEMER

Ein Marinesoldat steht neben der deutschen Flagge auf einem Minenräumboot. Bild: EPA

Gibt es auch ermutigende Prozesse? Was ist mit den vielen Menschen, die gerade zum Beispiel Älteren helfen?
Auch das gehört zu den möglichen Verarbeitungsformen. Es ist ja jetzt auch eine spannende Frage, ob und wie sich möglicherweise eine neue gesellschaftliche Solidarität entwickelt – oder eben auch nicht.

Was prognostizieren Sie?
Ich rate zur Nüchternheit. Man kann diese Solidaritäten, die jetzt häufig in beruflichen Leerlaufzeiten stattfinden, nicht einfach dauerhaft fortschreiben. Zumal, wenn die Zeit der Menschen bald wieder vollgefüllt sein wird mit Büroarbeit und anderen Tätigkeiten. Man hört und liest da zurzeit viel Gesellschaftsromantik, die schnell in grosse Enttäuschungen mit schlimmen Folgen einmünden kann. Ich erinnere an die anfängliche Euphorie zu Zeiten der Flüchtlingsbewegung im Herbst 2015 und das, was danach geschah. Die harten Fragen lauten: Werden sich ökonomische Strukturen ändern oder werden die bisherigen sich weiter verhärten? Und natürlich: Werden die aktuellen Einschränkungen unserer Freiheit vollständig wieder verschwinden oder werden neue Kontrollregime auf Dauer eingerichtet, nur mit anderer Begründung?

In Europa zeichnet sich als Folge der Corona-Krise eine Stärkung des Nationalen ab.
Das konnte man schon länger vor Corona sehen. Da reicht ein Blick auf die politische Landkarte. Die Kraft dieses neuen Nationalismus zeigt sich auch daran, dass die EU-Staaten unabhängig voneinander ihre Grenzen geschlossen haben. So eine Dynamik kommt zweifelhaften Vorreitern wie Orbán in Ungarn sehr gelegen. Er nutzt das jetzt zu einer fast uneingeschränkten Ausdehnung seiner Macht zur autoritären Kontrolle der Gesellschaft. Die EU finanziert eine formaldemokratisch verbrämte Diktatur in Europa.

Geht die Zeit der offenen Grenzen in Europa zu Ende?
Natürlich ist es ein Hoffnungsschimmer, dass diese Nationalismen auch durchbrochen werden, etwa wenn Corona-Patienten in andere Länder verlegt werden, um dort in Krankenhäusern gepflegt werden zu können. Aber dies sind keine systemischen Entscheidungen, sondern humanitäre Gesten. Ich bin insgesamt nicht optimistisch. Nicht nur zwischen Ost- und Westeuropa hat sich eine ungute Zweiteilung in den Vorstellungen von offener Gesellschaft und liberaler Demokratie entwickelt.

Weil in Osteuropa ein autoritäres, nationalistisches Moment weiter verbreitet ist?
Ja. Es ist zu befürchten, dass sich dieser autoritäre Nationalradikalismus – Rechtspopulismus ist völlig ein irreführender Begriff – in den Ländern des Ostens weiter verfestigt. Bevor man darüber hinweg geht, sollte man bedenken, dass Orbán auch ein Vorbild für die deutsche Version dieses autoritär-nationalen Radikalismus ist, also die AfD.

epa08359423 Police officers patrol next to a lake in Budapest, Hungary, 12 April 2020. The government has extended the lockdown implemented due to the novel coronavirus pandemic. Police are tasked to ensure that people comply with social distancing and the stay-at-home order.  EPA/ZSOLT SZIGETVARY HUNGARY OUT

Polizei-Patrouille in Budapest, Ungarn. Bild: EPA

Rechtsextremismus und Rassismus sind mit Corona wahrscheinlich aus dem Fokus vieler Menschen verschwunden. Glauben Sie, diese Aufmerksamkeit, wie wir sie nach Halle und Hanau erlebten, kommt noch mal wieder?
Das ist alles nur zeitweise überdeckt. Die Rechten leiden am Aufmerksamkeitsverlust. Aber die Ursachen sind ja nicht verschwunden. Natürlich hängt es auch an den Medien und daran, ob sie die anderen Dramen in der Gesellschaft vergessen.

Aber im Augenblick hat man den Eindruck, dass die deutschen Rechtsradikalen sich weitgehend zurückhalten.
Die AfD ist zur Zeit gelähmt von der Beobachtung durch den Verfassungsschutz und ihren inneren Konflikten. Ausserdem hat in Krisen immer die Regierung die Deutungsmacht. Dagegen kann die AfD selbst mit Tabubrüchen nichts ausrichten. Zumal das wahrscheinlich in der heutigen Situation auch nicht gut ankommen würde.

Was bedeutet die Selbstauflösung des rechtsextremen Flügels?
Es wäre völlig falsch, davon irgendeine Art von Politikveränderung in der AfD zu erwarten. Nach meiner Einschätzung wird der Flügel daraus gestärkt hervorgehen und zugleich weniger greifbar sein.

Erleben wir also gerade nur eine Ruhepause vor dem Rechtsradikalismus?
Nur wenn man sich allein auf die AfD bezieht. Wir haben es aber im rechten Spektrum mit einem Eskalationskontinuum zu tun. Die abwertenden Einstellungsmuster in der Bevölkerung gegenüber schwachen Gruppen sind ja nicht mit der Corona-Krise einfach weg.

Würden Sie das genauer erklären?
Es gibt ein rechtes Eskalationskontinuum, das aus fünf Elementen besteht. Es beginnt mit der Abwertung und Diskriminierung von Menschen allein aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit – also Juden, Muslime, Homosexuelle, Obdachlose, Flüchtlinge. Diese gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Teilen der Bevölkerung schafft Legitimation für die AfD, die das politisch in Parolen verdichtet und auf die Tagesordnung hebt. Die AfD schafft ihrerseits wiederum Legitimationen für rechtsextreme Milieus, indem sie Begriffe wie «Umvolkung» oder «der grosse Austausch» in die Welt setzt und mit Untergangsfantasien operiert. Diese systemfeindlichen Milieus operieren zum Teil schon mit Gewalt und geben wieder Legitimationen an militante Zellen, die konspirativ operieren – Gruppen wie «Revolution Chemnitz» oder «Freital 360». Die Gruppen werden immer kleiner und immer gewalttätiger, bis hin zu rechtsterroristischen Zellen oder Einzeltätern.

Es gibt also eine Linie von der AfD zum Attentäter von Hanau?
Es ist viel problematischer durch dieses Eskalationskontinuum. Daraus entstehen – so nennen wir das – rechte Bedrohungsallianzen. Wenn man die Gefahren für die offene Gesellschaft und die liberale Demokratie ansatzweise in den Griff bekommen will, muss man das ganze Kontinuum im Blick haben und darf sich nicht nur auf die AfD konzentrieren.

«Geld und Applaus werden das kurzfristig nicht beheben.»

Legitimieren eigentlich auch Bürgerliche die Rechten, wenn sie von «Ökodiktatur» und Ähnlichem sprechen?
Ja, diese Leute gibt es zuhauf. Dabei gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Politiker diese Begriffe durch Übernahme entschärfen können. Im Gegenteil, das dient nur der Normalisierung in der breiten Bevölkerung. Und solche Normalisierungsprozesse sind gefährlich, denn alles, was als normal gilt, kann man nicht mehr problematisieren. Das ist genau die Taktik der AfD, an der ja auch Markus Söder bei seiner letzten Landtagswahl so grandios gescheitert ist, als er versuchte, die AfD rechts zu überholen.

Aber warum machen es dann Politiker immer wieder?
Sie zielen auf die rohe Bürgerlichkeit in den Mittelschichten. Hinter einer glatten Fassade und geschliffenen Worten verbirgt sich bei manchen ein Jargon der tiefen Verachtung gegenüber schwachen Gruppen. Da verschwimmen auch Grenzlinien zwischen Parteien um der geschichtsvergessenen Macht willen, wie in Thüringen. Die AfD ist auf die Destabilisierung gesellschaftlicher Institutionen ausgerichtet. Sie will ihre Leute in der Polizei, in der Bundeswehr, in der Kultur, in der politischen Bildung, in Gewerkschaften platzieren. Das sie in Thüringen so schnell die Systemebene bei der Wahl des Ministerpräsidenten erreichte, hätte ich vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten.

Wenn Sie von den Gründen für politische Radikalisierung sprechen, nennen Sie oft Anerkennungsverluste. Jetzt erleben wir, dass jeden Tag Menschen applaudiert wird, die bisher eine marginale Rolle gespielt haben.
Das ist in der Tat neu. Und der Respekt für diese Menschen ist natürlich verdient. Ich glaube aber, dass er mehr mit Angstreduktion der Klatschenden zu tun hat. Und er wird nicht flächendeckend die Anerkennungsverluste aufwiegen, die insbesondere in Ostdeutschland um sich gegriffen haben. Viele Menschen fühlen sich seit Jahrzehnten von der Politik nicht mehr wahrgenommen. Dieses Gefühl reicht tiefer. Und Geld und Applaus werden das kurzfristig nicht beheben.

Ist es undenkbar, dass Corona einen ökonomischen und politischen Paradigmenwechsel auslösen wird, der die Rechtsradikalen schwächt?
Wer sollte denn der Treiber eines solchen Paradigmenwechsels sein? Aktionäre? Manager?

Eine gesellschaftliche Mehrheit. Warum soll es nicht mehr Anerkennung und Zusammenhalt zwischen den sozialen Gruppen geben? Kontrollgewinne!
Das wäre wünschenswert, aber mindestens zwei Punkte sprechen dagegen. Erstens hat der globale, anonymisierte Finanzkapitalismus absolut kein Interesse an gesellschaftlicher Integration und damit an sozialen Anerkennungsprozessen. Solange sich da grundsätzlich nichts ändert, sehe ich auch keine sozialen Veränderungen kommen. Nach der Krise wird es doch eher ein brutales Aufholrennen für die verpassten Renditen geben. Dann dürften sehr schnell wieder umstandslos die Kriterien von Verwertbarkeit, Nützlichkeit und Effizienz gelten – nicht nur bei der Herstellung von Waschmaschinen, sondern auch in der Bewertung von Menschen.

Aber sogar in Davos wird doch inzwischen gesagt, man muss wieder die Mittelschichten stärken, weil der Rechtsradikalismus auch den Finanzkapitalismus bedroht.
Das sind Absichtserklärungen auf Kongressen, aber ich sehe bisher keine Strukturveränderungen. Der zweite Punkt ist: Die Anerkennungsprozesse, die jetzt den Krankenschwestern und den Pflegern entgegengebracht werden, sind wunderbar. Sie sind bewundernswert und beruhigend. Aber erst das Langfristige ist strukturbildend. Und ich bezweifle, dass das lange anhalten wird. Wenn die Krise vorbei ist und Milliarden für die Stabilisierung der Wirtschaft ausgegeben sind, wird sich die Frage stellen, woher dann noch das Geld für die finanzielle Anerkennung der gerade gefeierten Helden und Heldinnen kommen soll. Ich bin sehr skeptisch. Aber ich hoffe die Skepsis irgendwann mal zu den Akten legen zu können.

Was meinen Sie?
Ich habe immer wieder erlebt, dass politische und ministerielle Institutionen kein Gedächtnis haben. Wie wenig und langsam sie lernen. Wie schnell hat man zum Beispiel die ganzen Bekundungen nach den Morden des NSU vergessen? Das ist ritualisiert worden und hat doch kaum Konsequenzen gehabt. Und man kann eine ganze Reihe von anderen Beispielen nennen. Ich würde mir wünschen, dass das anders würde, denn gerade von dieser sozialen Anerkennungsfrage, die Sie erwähnten, hängt unglaublich vieles ab für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Und ob sich autoritäre Versuchungen ausbreiten, die den Menschen die Wiederherstellung von Kontrolle durch Ausgrenzung der «anderen» versprechen. In der Krise wächst das Autoritäre.

Institutionen bestehen aus Menschen.
Natürlich, aber auch aus Regeln und Mechanismen. Die politischen und staatlichen Institutionen haben ja ein Eigenleben, das vor allem auf Bestandserhaltung ausgerichtet ist. Da ist ja nicht nur der Politiker, der sagt, dass die Krankenschwestern ab jetzt viel mehr Geld haben müssen. Vieles, was jetzt von den führenden Personen als Lehre aus der Krise genannt wird, wird von den Mechanismen der Institutionen zermahlen werden.

Täuscht das, oder wirken Sie immer noch ziemlich unbeeindruckt von der Krise?
Ich bin überhaupt nicht unbeeindruckt. Aber ich sehe den grossen Paradigmenwechsel nicht. Ich fürchte, diese schwärmerische Gesellschaftsromantik dürfte an den verhärteten Strukturen des Finanzkapitalismus und dem Kontrollzuwachs der politischen Institutionen zerschellen.

Dieser Artikel wurde zuerst auf Zeit Online veröffentlicht. Watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland

Sätze, die in jeder Beziehung in der Quarantäne fallen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

28
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Atavar 15.04.2020 15:18
    Highlight Highlight Unglaublich gutes Interview mit einleuchtenden Antworten. Gerne mehr davon!
  • Chaoz 14.04.2020 04:25
    Highlight Highlight Die 'Gesellschaft' besteht aus Menschen und die sind von Grund auf schlecht.
    Beispiel gefällig? Habsucht, Machtgier, Neid und Egoismus sind uns angeboren. JEDEM VON UNS!
  • De-Saint-Ex 13.04.2020 19:33
    Highlight Highlight Sehr gutes Interview. Passt perfekt zum Artikel über Piketty‘s neues Buch. Eigentlich wäre diese Corona Krise geradezu eine Chance, wirkt sie doch wie ein Beschleuniger aller Krisen, die schon vor Ausbruch zu beobachten und am kulminieren waren. Findet die Menschheit kein „Zusammen“ um all diese Krisen JETZT anzugehen, ist zu befürchten, dass alles ein schnelles jähes Ende finden wird.
    • PC Principal 14.04.2020 09:05
      Highlight Highlight Es wird kein schnelles Ende geben, aber die Krise ist auch keine Chance. Viele Leute werden finanzielle Schwierigkeiten haben, die Rechtspopulisten werden wohl wieder an Boden gewinnen, die EU steht vor einer grossen Herausforderung. Aber es ist nicht das Ende.
  • Antichrist 13.04.2020 19:04
    Highlight Highlight Die Schweiz soll vor allem wieder mehr lokal produzieren. Wir geben hunderte Millionen für eine Hochseeflotte für den Krisenfall aus, was hat uns das gebracht. Gar nix. Dann zahlen wir mindestens das doppelte für sämtliche Güter, die wir importieren. Wer schöpft das ab? Die Hersteller. Das war nicht die letzte Pandemie, die wir erlebt haben. Das BAG wartet immer noch auf ihre Maskenfaltmaschinchen, die werden kommen, wenn die Pandemie wieder vorbei ist. Think global, act local habe ich noch gelernt.
    • PC Principal 14.04.2020 09:03
      Highlight Highlight Was genau sollten wir denn lokal produzieren? Schutzmasken! Es gaboffensichtlich nicht genügend Vorräte.

      Aber jetzt zu fordern man solle einfach generell mehr lokal produzieren ist eher unrealistisch. Die Schweizer Industrie ist hochspezialisierte und auf den Export ausgerichtet. Wenn wir jetzt beispielsweise versuchen Autos oder Smartphones für den Eigengebrauch herzustellen dann werden wir gigantisch scheitern. Aus wirtschaftlicher Sicht macht das einfach gar keinen Sinn.

      Wir werden weiterhin vom Freihandel abhängig sein und jede Forderung nach Protektionismus ist hochgefährlich.
  • Satan Claws 13.04.2020 18:32
    Highlight Highlight "Verändert die Corona-Krise die Gesellschaft zum Guten, Herr Heitmeyer?"

    Nein, wie man an der Solidarität unter den Ländern sieht.
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 13.04.2020 18:20
    Highlight Highlight Viele werden argumentieren, dass das Pflegepersonal zufrieden sein muss mit dem Status Quo, haben sie doch einen praktisch absolut krisensicheren Job, während andere unter Umständen einen dramatischen sozialen Absturz erleiden werden.

    Das Problem der Menschen ist, dass sie immer ein eingeschränktes Sichtfeld haben und nicht die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit betrachten. Dann entstehen solche eingeengten Sichtweisen, die zur Folge haben, dass das Pflegepersonal, ein stinknormaler Beruf, plötzlich geradzu euphorisch zu Helden erhoben wird.

    Am Ende sorgt sich doch jeder wieder um sich selbst.
    • Eiswalzer 13.04.2020 18:46
      Highlight Highlight Was ist denn deine Lösung? Eine generelle Lohnerhöhung? Was eine weitere Kostenexplosion im Gesundheitswesen zur Folge hätte, notabene in einer Zeit, wo eine der grössten Krisen seit fast 100 Jahren herrscht...? Viel Spass, kommt sicher überall gut an😂😂 Ich nehme an, auch die Lehrer werden spätestens im Herbst Lohnmassnahmen fordern... Beide Berufsgruppen verdienen in der CH bereits jetzt ganz passabel, im Vergleich zu fast jedem Land sonst auf diesem Planeten...
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 13.04.2020 21:16
      Highlight Highlight @SwissWitchBitch: Ich habe eine 360°-Rundumsicht. Familien verursachen die Probleme ja erst.
    • dmark 13.04.2020 23:16
      Highlight Highlight "Familien verursachen die Probleme ja erst."

      Äh, das musst du mir jetzt mal erklären, in wie weit Familien die Probleme verursachen?
      Mit 360° Rundumsicht meinst du wohl eher, dass du dich im Kreise drehst und keine Richtung findest. Werde mal erwachsen und setze dir Ziele, statt nur wirre Floskeln in die Welt zu setzen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Robsi60 13.04.2020 18:20
    Highlight Highlight Wenn man diesen Beitrag liest, ist er sehr pessimistisch und ernüchternd. Ich hoffe mal, das nicht ganz alles so herauskommnt wie es der Forscher sieht. Der Wunsch ist dabei bei mir mehr Vater des Gedankens. Er nennt es Sozialromantik. Irgendwie bin ich momentan lieber ein Träumer als Forscher. Ohne Träume werden Hoffnungen unmöglich. Realistisch gesehen hat er womoglich recht, aber momentan halte ich mich lieber an Träume. Würde ich seinen Beitrag nüchtern betrachten - würde ich mir ehrlich gesagt kein Ende der Krise wünschen. Wie soll die Jugend die Zukunft in Angriff nehmen öhne Änderungen?
    • Eiswalzer 13.04.2020 18:52
      Highlight Highlight Momentan erhalten kritische Stimmen (wie zb Bebby oder meine Wenigkeit hier) sehr schnell sehr viel Gegenwind, Blitze und ungerechtfertigtes Gekeife im Sinne von “Unmenschen” etc. Was vergessen geht: Wir (zumindest aber ich) wollen den Schaden auf LANGE Sicht so gering wie möglich halten. Wer die jetzigen Massnahmen mit Blick auf einen Infektionszähler und Todesfälle unbeschränkt aufrecht erhalten will und die mittelfristige Zukunft ausser acht lässt, verhält sich weder sozial noch human. Er verschiebt die “Kosten” nur nach hinten. Was wir in ein paar Jahren sehen würden...
    • Robsi60 13.04.2020 19:10
      Highlight Highlight Ich will Ihnen mein schlechtes Gewissen verdeutlichen. Zuerst: Ich habe mein Leben gelebt und warte im Prinzip auf den Tod. Mit 16 flog ich das erste Mal. Ungefähr zu dieser Zeit wurden die ersten Stimmen laut über den Klimawandel. Die Politik reagierte nicht und das hätte ich von der Politik damals erwartet. Die Folge war, ich flog mehr ohne schlechtes Gewissen. Jetzt, retrospektiv habe ich ein schlechtes Gewissen deswegen. Was es jetzt braucht sind Visionen und zwar von der Politik, der Forschung einfach allen, die welche haben. Keine 74-jährige Sozialforscher ohne eine einzige Vision. Mist!
  • Noblesse 13.04.2020 17:58
    Highlight Highlight Was mir hier fehlt: Ich denke, dass sich Europa nun schleunigst vom asiatischen Raum i. S Versorgungslage in med. Hinsicht unabhängiger aufstellen muss. Darüber hinhaus auch mit der Sicherheit in Europa. Das geht nur via EU!!! Was das alles mit dieser dämlichen AFD zu tun haben soll? Die Union macht gerade eine gute Figur und den Rechten fehlt das Beatmungsgerät!! Hier hat sich für mich das Interview vergaloppiert...
    • PC Principal 13.04.2020 18:55
      Highlight Highlight Ich bin da nicht so optimistisch. Es könnte wieder eine Schuldenkrise geben und das hilft den Rechten im Norden und im Süden.

      Und es ist ja nicht so das wir einfach sagen können, ab jetzt sind wir nicht mehr abhängig vom internationalen Handel. Wir sind nunmal davon abhängig, der Handel hat unser Land aber auch reich gemacht.
  • PC Principal 13.04.2020 17:54
    Highlight Highlight Das sehe ich ganz ähnlich. Ich denke kaum dass diese Krise viele positive Aspekte hat.

    Jemand meinte dass die Krise jetzt wenigstens Impfgegner verstummen lässt, doch ich beobachte genau das Gegenteil. Impfgegner sind so laut wie nie weil sie Corona als Beweis sehen dass dir dunklen Mächte alles manipulieren. Darüber hinaus blühen verschiedene andere extreme Verschwörungstheorien. Von sowas profitieren in der Regel nur autoritäre Ideologien.
  • paule 13.04.2020 17:30
    Highlight Highlight Es werden einige viel Freude haben, daran, wie man ganze Völker bevormundet und es werden ganz wenige sehr viel Geld verdienen, das den Habenichtsen auch noch weggenommen wird.
    Fair wird es nicht werden, im Gegenteil.
    Das Pflegepersonal wird wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, die Erbsenzähler herausfinden dass die noch billiger arbeiten können u.s.w.
    Haben Menschen mal Macht über andere, wird die ausgebaut und nicht zum guten eingesetzt.
  • Eiswalzer 13.04.2020 17:09
    Highlight Highlight “In der Krise wächst das Autoritäre”. Ganz genau meine Worte. Unter anderem deswegen weible ich ständig dafür, dass harte Massnahmen und Lockdowns nicht zu lange dauern dürfen. Denn sonst werden die Kosten mittelfristig höher. Gesellschaftlich, politisch, gesundheitlich. Aber man wird dann ja gleich als Unmensch hingestellt... Wir werden sehen, spätestens in 4-5 Jahren
  • Sälüzäme 13.04.2020 16:48
    Highlight Highlight Guter Beitrag, der die Doppelmoral in der Politik und Wirtschaft aufzeigt. Am 05.04. schrieb ich in einem Kommentar: der Kapitalismus wird stärker zurückkommen als zuvor. Es bleibt nur zu hoffen, dass ich und Hr. Heitmeyer nicht recht haben. Sonst werden sich neben Corona noch andere grosse Baustellen auftun, die z. T. sehr unangenehm sein werden.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 13.04.2020 18:22
      Highlight Highlight Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie wird sterben.
    • PC Principal 14.04.2020 08:15
      Highlight Highlight Ist ja gut wenn der Kapitalismus zurückkommt. Der Staat kann sich nicht ewig verschulden. Je früher die Krise vorbei ist desto besser für zukünftige Generationen.
  • regen 13.04.2020 16:47
    Highlight Highlight "Nach der Krise wird es doch eher ein brutales Aufholrennen für die verpassten Renditen geben" und ".......diese (in der krise entstandene) schwärmerische Gesellschaftsromantik dürfte an den verhärteten Strukturen des Finanzkapitalismus und dem Kontrollzuwachs der politischen Institutionen zerschellen"

    befürchte ich leider auch und bezweifle, dass nach der krise ein politischer und gesellschaftlicher paradigmawechsel stattfinden wird. beachtenswertes und beeindruckendes interview.....
    • bebby 13.04.2020 17:45
      Highlight Highlight Wenn man etwas von der Krise mitnehmen kann, dann wie leicht die Bürger für eine (temporäre) Beschneidung der Freiheitsrechte bereit sind. Eine Entwicklung wie in Ungarn ist auch in der Schweiz grundsätzlich möglich und ich bin nicht sicher, ob die Grenzen sich je wieder öffnen werden, wie wir es gewohnt waren.
    • blueberry muffin 14.04.2020 02:37
      Highlight Highlight Nur wenn die Wirtschaft sich erholt. Gibt es eine "Great Depression" wird sich definitiv viel aendern.

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Jakob Fischbacher*. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus Syrien …

Artikel lesen
Link zum Artikel