Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bisexualität Männer Bisexuell

Das war eines von wenigen Stockbildern, das wirklich bisexuelle (und nicht etwa homosexuelle) Männer darstellen soll (Symbolbild). Bild: shutterstock

Jetzt ist's wissenschaftlich bewiesen: Es gibt wirklich bisexuelle Männer!

Eine neue Studie aus dem angelsächsischen Raum liefert neue Beweise dafür, dass Bisexualität auch unter Männern existiert. Also so wirklich existiert.



Gibt es bisexuelle Männer wirklich?

Die Frage, ob ein Mann wirklich bisexuell sein kann, beschäftigt die Wissenschaft scheinbar schon lange. Seit Jahren liest man in Fachzeitschriften immer wieder von Studien, die das untersuchen wollten. Im Jahr 2005 berichteten Zeitungen über eine Forschung, wonach Männer «nur im Kopf» bisexuell seien, weil sie bei Tests entweder auf männliche oder auf weibliche Reize reagieren – jedoch nie auf beide gleichzeitig.

«Bisexuelle sind eigentlich verkappte Schwule, die sich nicht outen wollen.»

Solche Berichte und andere Vorurteile sorgten dafür, dass sich innerhalb der queeren Szene die Meinung verbreitete, bisexuelle Männer gebe es gar nicht. Wer in Zürichs oder Berns Schwulenbars unterwegs war, wird in den vergangenen Jahren bestimmt einmal den Spruch gehört haben: «Bisexuelle sind eigentlich verkappte Schwule, die sich nicht outen wollen.»

Forscherinnen und Forscher mehrerer US-amerikanischer und britischer Universitäten sowie des Amerikanischen Instituts für Bisexualität wollten dieser Behauptung auf den Grund geben. Sie schreiben in einer im August 2020 (!) publizierten Studie: «Sowohl unter Wissenschaftlern als auch unter Laien herrscht seit langem die Skepsis, dass es eine männliche bisexuelle Orientierung gibt. Skeptiker haben behauptet, dass Männer, die sich selbst als bisexuell identifizieren, in Wirklichkeit homosexuell oder heterosexuell sind.»

Zu welchem Schluss kommt die Studie?

Die Studie schreibt, dass «überzeugende Beweise» vorliegen, dass es bisexuelle Männer gibt. Der Studientitel spricht sogar von «handfester Evidenz» (Robust evidence for bisexual orientation among men).

Veröffentlicht wurde die Studie im August in der Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» (kurz PNAS). Nachgelesen werden kann sie unter der Referenz DOI: 10.1073/pnas.2003631117.

Man muss betonen, dass es sich bei der Studie um eine sogenannte Meta-Studie handelt. Sie hat die Forschungsergebnisse von acht früheren Studien in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich (UK) und Kanada verglichen, die 474 bis 588 cis Männer (je nach Analyse) untersucht hatten. Die Probanden waren unterschiedlicher sexueller Orientierung.

Unterschied zwischen cis und trans Personen

Was trans Personen (trans Männer, trans Frauen) sind, ist vielen seit der gestiegenen Sensibilisierung der Bevölkerung in Genderthemen bekannt. Gemeint sind Personen, deren Geschlechtsidentität nicht mit ihrem zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Beispiel: Eine Frau, die bei der Geburt als Junge eingeordnet wurde, ist eine trans Frau.

Personen, die sich mit ihrem zugewiesenen Geschlecht identifizieren können, nennt man cis Personen. Beispiel: Eine Frau, die bei der Geburt als Mädchen eingeordnet wurde, ist eine cis Frau.

Wie kam man nun zum Schluss, dass es bisexuelle Männer gibt?

Den Männern wurden in den untersuchten Studien drei Arten von «Stimuli» präsentiert. Es waren zwei- bis drei-minütige Videoclips, die entweder etwas Neutrales (Aufnahmen von schönen Landschaften) oder sexuelle Akte zeigten. Präsentiert wurden Pornos mit Männern (Schwulenporno oder ein onanierender Mann) oder Frauen (Lesbenporno oder eine masturbierende Frau).

Die Probanden durften das «im Privaten» tun, wobei ihr Penis ständig unter Beobachtung eines Dehnungsmessgerätes stand. Nach jedem Clip mussten die Männer zusätzlich selbst berichten, wie erregt sie waren.

Sie verglichen die selbst erklärte sexuelle Orientierung des Mannes (x-Achse) mit den Daten der Penismessung (in der Grafik links) und dem Selbstbericht der Probanden (in der Grafik rechts). Verwendet wurde dabei ein Score zwischen 0 und 6. 0 bedeutet ausschliesslich heterosexuell, 6 ausschliesslich homosexuell. Werte zwischen 2 und 4 wurden als bisexuell interpretiert.

Das Fazit war ziemlich eindeutig: Je «bisexueller» sich ein Mann selbst bezeichnete, desto eher gab es eine Erregung auf weibliche und männliche Pornos.

Bild

bild: Pnas

Auffällig war zudem, dass Männer, die sich als «voll hetero» einschätzten, auch bei Schwulen- und Männerpornos eine messbare Errektion hatten – dies aber nach dem Clip nicht bestätigen wollten.*

(pit)

* In einer ersten Version hiess es an dieser Stelle, dass dies bei «voll schwulen» Männern nicht so eindeutig wäre. Berücksichtigt man die Fehlerbereiche, ist diese Aussage nicht korrekt. Sie wurde daher entfernt.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die LGBT+ Helpline kümmert sich um Verbrechen gegen schwule und lesbische Menschen

Hat die Schweiz ein Homophobie-Problem?

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

56 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
DäTyp
30.08.2020 20:13registriert May 2020
Natürlich existiert Bisexualität bei Männern, da braucht‘s doch keine Studie
34515
Melden
Zum Kommentar
Dwight D Eisenhower
30.08.2020 19:56registriert April 2020
Aso so fest wie Männer von Ihrer Schlange fasziniert sind (ich auch) ist es doch nur logisch, dass man auch mal mit einer anderen Schlange spielt... Muss ja nicht gleich heiraten
22741
Melden
Zum Kommentar
Toerpe Zwerg
30.08.2020 19:55registriert February 2014
Hä? Im Ernst?
15112
Melden
Zum Kommentar
56

«Mann+Frau geht, Frau+Frau geht irgendwie, Mann+Mann geht nicht», twittert ein CVPler

«Wir sollten in den Grenzen der Biologie bleiben», findet der Präsident der CVP Luzern in Bezug auf die Familienplanung und tritt damit einen Shitstorm auf Twitter los. Nun will er die Zurich Pride besuchen.

Als ein junger CVPler am Montagmorgen ein Zitat der ehemaligen Bundesrätin Ruth Metzler auf Twitter teilt, kann er noch nicht ahnen, dass unter seinem Tweet zwei Tage später ein regelrechter Shitstorm stattfinden wird. 

Der Grund dafür ist Christian Ineichen, der Präsident der CVP Luzern. Dieser reagiert auf die Forderung von Kaufmann nach einer Ehe für alle. Seine Antwort:

Darauf wird Ineichen gebeten, sich konkreter zu äussern. Das tut er, indem er einen Tweet absetzt, für den er die …

Artikel lesen
Link zum Artikel