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Wer gehört eigentlich in die Risikogruppe? Es ist kompliziert 🤕

Nicht jeder und jede in der Schweiz über 65 möchte den Risikogruppen zugeteilt werden. Auch Menschen mit Bluthochdruck gehören nicht automatisch dazu.

Bruno Knellwolf



epa08350919 A Medical worker treats a patient with COVID-19 in the intensive care unit at the HRC Hospital (Hopital Riviera-Chablais Vaud-Valais) during the state of emergency of the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, in Rennaz, Switzerland, 08 April 2020. Countries around the world are taking increased measures to stem the widespread of the SARS-CoV-2 coronavirus which causes the Covid-19 disease.  EPA/LAURENT GILLIERON

Behandlungsraum für Covid-19-Patienten im Spital in Rennaz VD. Bild: EPA

2.6 Millionen Menschen in der Schweiz gehören gemäss dem Bundesamt für Gesundheit zur Coronarisikogruppe. Menschen über 65 Jahre mit und ohne Vorerkrankung, Diabetiker, Asthmatiker, Herz-Kreislauf- und Krebspatienten sowie jene mit Bluthochdruck.

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Diese hohe Zahl ist erschreckend und verunsichert viele. Stimmt diese Zahl, wäre fast ein Drittel der Schweizer Bevölkerung betroffen und noch länger den einschränkenden Massnahmen ausgesetzt.

Die Umfrage bei den verschiedenen Fachärzten und Gesellschaften zeigt, dass eine genaue Zahl an Risikopatienten nicht ausfindig zu machen ist. Vieles ist wissenschaftlich noch unklar, wenn es um den Zusammenhang des Coronavirus mit einer Erkrankung geht. Zu reden gibt vor allem die Einteilung gesunder Menschen über 65 Jahre in die Risikogruppe.

Eine Auslegeordnung.

Lungen- und Asthmapatienten

Auch Asthmatiker gelten als Risikopersonen. Gemäss der Lungenliga Schweiz haben zwei bis acht Prozent der Bevölkerung Asthma, davon aber nur ein kleiner Teil schweres Asthma. Wie viele genau, weiss man nicht. Die Lungenliga schätzt, dass 95 Prozent der rund 400'000 Asthmapatienten nicht besonders durch das Coronavirus gefährdet sind. Denn ein erhöhtes Coronarisiko haben nur die schweren Asthmafälle und nicht jene, die an einer saisonalen Asthmaerkrankung leiden.

Krebspatienten

Dass alle Krebspatienten zur Risikogruppe gezählt werden, ist für den St. Galler Onkologen Thomas Cerny eine verständliche Vorsichtsmassnahme. Vor allem dann, wenn Krebstherapien noch laufen, bis rund drei Monate nach Abschluss. Dann erholt sich das Immunsystem weitgehend. Zuvor geht man bei Leukämien, Lymphdrüsenkrebs, Multiplem Myelom oder bei sehr fortgeschrittenen Krebserkrankungen davon aus, dass das Immunsystem geschwächt und anfällig für Covid-19 ist.

Rheumapatienten

Auf der Website der Rheumaliga steht, dass bei Rheumapatienten die Infektion mehrheitlich milde verläuft. Die Datenlage sei noch sehr dünn, sagt die Rheumaliga, man stütze sich auf die Beurteilung des BAG. Das Immunsystem vieler Rheumapatienten sei geschwächt, darum sei auch ein schwerer Verlauf bei Covid-19 möglich. Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leiden an Immunerkrankungen wie Rheuma, davon gehöre ein grosser Anteil zur Risikogruppe.

Senioren über 65

Daniel Koch, Delegierter des BAG fuer COVID-19, hoert sich eine Frage an, waehrend einer Medienkonferenz zur Situation des Coronavirus, am Freitag, 17. April 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Seit kurzem in der Risikogruppe: Mr. Corona, Daniel Koch. Bild: KEYSTONE

Wer heute 65 Jahre alt wird, gehört ab sofort zur Coronarisikogruppe, auch wenn er sich immer noch gleich gesund fühlt wie gestern. 536'000 Menschen über 65 ohne Vorerkrankungen zählt das Bundesamt für Gesundheit zur Risikogruppe. Diese starre Altersgrenze möchte Pro Senectute Schweiz diskutieren. Die Gruppe gefährdeter Personen soll nicht allein aufgrund eines einzigen Kriteriums, also jenem des Alters, definiert werden.

Für Pro Senectute gehören nicht alle Senioren in die Risikogruppe. «Falls bei den künftigen Massnahmen und Verordnungen starr am Alterskriterium festgehalten wird, riskiert man den ungerechtfertigten Ausschluss eines Teils der Pensionierten aus dem öffentlichen Leben. So häufen sich leider Meldungen von Seniorinnen und Senioren, die in diskriminierender Weise angegriffen werden», sagt Tatjana Kistler Medienverantwortliche von Pro Senectute. Nur mit Vorerkrankung zur Risikogruppe Auch über 65-Jährige sollen nur zur Risikogruppe gezählt werden, wenn sie zusätzlich eine Vorerkrankung haben oder die wissenschaftliche Basis eindeutig ist.

Die Zahl von 536'000 Menschen basiert auf einer Gesundheitsbefragung des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan). «Dies ist eine Schätzung und wie immer mit einer gewissen Unsicherheit verbunden», sagt Daniel Dauwalder vom BAG. Das erklärt allerdings nicht, warum diese 536'000 Senioren ohne Vorerkrankung als Risiko gelten. Dauwalder entgegnet, aus Italien sei bekannt, dass mehr als ein Viertel der Covid-19-Patienten über 60 Jahre, die auf der Intensivstation künstlich beatmet werden mussten, keine Vorerkrankungen aufwiesen.

Generell zeigten die Untersuchungen in China und Italien, dass Personen über 65 vermehrt schwere Verläufe und Komplikationen erlitten. Auch in der Schweiz ist der grösste Teil der an Covid-19 Verstorbenen über 65 Jahre alt. Das sind aber vor allem Menschen über 65 mit Vorerkrankungen. Und diese werden zu Recht der Risikogruppe zugeteilt. Wie viele von den 536000 gesunden Senioren wirklich ein Coronarisiko haben, ist nicht bekannt.

Menschen mit hohem Blutdruck

In der Schweiz haben etwa 1.5 Millionen Menschen einen zu hohen Blutdruck. Diese gehören nicht alle zur Risikogruppe, wie Isabella Sudano vom Universitätsspital Zürich erklärt. «Es gibt keine Daten, die zeigen, dass Bluthochdruck per se ein Problem bei einem Coronavirus-Infekt ist». Menschen, die ihren Blutdruck medikamentös unter Kontrolle haben, sind nicht automatisch Risikopersonen.

Bluthochdruck ist aber vor allem auch eine Alterserscheinung. 70 bis 80 Prozent der Hypertoniepatienten in der Schweiz sind älter als 65 und werden somit sowieso der Risikogruppe zugeordnet. «Nicht wegen der Hypertonie, sondern wegen des Alters», sagt die Präsidentin der Society of Hypertension. Hypertoniepatienten im Alter von 40 seien wegen der Zuteilung zur Risikogruppe oft etwas beleidigt. Zur Risikogruppe gehören nach Sudano und auch gemäss dem BAG Patienten, die Bluthochdruck haben, der sich nicht medikamentös behandeln lässt. Das sind etwa 20 Prozent der Hypertoniepatienten. Ein höheres Coronarisiko haben Bluthochdruckpatienten, bei denen weitere Risikofaktoren dazukommen: zum Beispiel Rauchen und Diabetes.

Das Risiko eines schweren Verlaufs bei Covid-19 ist zudem bei Menschen höher, die Bluthochdruck und einen Organschaden aufweisen: ein zu grosses Herz, Vorhofflimmern oder Nierenprobleme. Rolle bei der Mortalität ist noch unklar Die Rolle von Bluthochdruck beim Verlauf von Covid-19 sei noch völlig unklar. Da vor allem ältere Menschen am Coronavirus sterben, haben diese logischerweise oft auch Bluthochdruck. Ob der Bluthochdruck bei der Mortalität aber eine Rolle spielt, sei nicht untersucht, sagt Sudano.

Dafür bräuchte es multivariate Analysen, welche die Bedeutung der verschiedenen Risikofaktoren herausfiltern. Kleine Studien in diese Richtung zeigen, dass Hypertonie wohl keine signifikante Rolle spielt bei den Verläufen von Covid-19. Aber Bluthochdruck schädigt Herz und Gefässe, und dadurch kann der Verlauf der Infektion schlechter sein. Medikamente sollten auf keinen Fall abgesetzt werden.

Menschen mit Diabetes

Untersuchungen aus China zeigen, dass Diabetes ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf einer Covid-Infektion ist. Separate Analysen für Patienten mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 liegen noch nicht vor. Da grundsätzlich der Typ 2 (Altersdiabetes) verbreiteter ist, sind auch mehr der Coronapatienten daran erkrankt. «Wir gehen davon aus, dass das Risiko für einen schweren Verlauf der Covid-Erkrankung nicht wesentlich erhöht ist, wenn der Blutzucker eines Diabetespatienten gut eingestellt ist und keine Spätfolgen des Diabetes bestehen», sagt Stefan Bilz vom Kantonsspital St. Gallen. Dem trägt auch das BAG in der neuen Bewertung Rechnung. Ob man an Covid-19 erkrankt, wird durch Diabetes nicht beeinflusst. Wie jede Erkrankung, kann auch Corona die Diabeteseinstellung verschlechtern.

Herz-Kreislauf-Patienten

Welche Herz-Kreislauf-Patienten zur Risikogruppe gehören, kann gemäss dem Kardiologen Giovanni Pedrazzini heute nicht abschliessend beantwortet werden, da es keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt. Herz-Kreislauf-Kranke haben wahrscheinlich kein höheres Risiko, sich anzustecken, riskieren aber einen ernsteren Krankheitsverlauf. In gewissen Covid-19-Fällen ist eine Entzündung des Herzmuskels beobachtet worden. Auch ein Befall des Herzens ist möglich. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Sarkasmusdetektor 24.04.2020 08:23
    Highlight Highlight Und was ist daran jetzt so kompliziert? Es heisst „Risikogruppe“, nicht „Gruppe der Leute, die zwangsläufig sterben würden“. Es gibt halt diverse Faktoren, die das Risiko erhöhen, aber im Extremfall kann man alle davon haben und trotzdem überleben.
  • Jan Osch 23.04.2020 20:54
    Highlight Highlight You know nothing, Jon Snow
  • maricana 23.04.2020 20:45
    Highlight Highlight COVID-19 ist auch eine systemische Gefässentzündung.
    Universitätsspital Zürich, 20.04.2020
    http://www.usz.ch/Seiten/default.aspx
  • Vanessa Seger 23.04.2020 20:30
    Highlight Highlight Hello ;) hab auch mal ne Frage, wie es Mitbewohnerinnen oder Partnerinnen von Risikopatienten betrifft. Bis jetzt heisst es auch für uns, noch lange zuhause bleiben, um das Virus nicht nach Hause zu schleppen... aber als nicht-Risikopatient muss man ja bald wieder ins Büro, wie geht das?
  • Joe Kilchmann (1) 23.04.2020 20:20
    Highlight Highlight In welcher Gruppe bitteschön sind die Raucher??
    • Be3 23.04.2020 23:05
      Highlight Highlight In keiner, da sie zumindest bei den hospitalisierten mit schwerem Verlauf im Verhältnis zum prozentualen Anteil von Rauchern in der Bevölkerung mit Faktor 4-10 „untervertreten“ sind...
  • plataoplomo 23.04.2020 19:55
    Highlight Highlight Immunsupprimierte fehlen noch auf der Liste. Dürften auch einige sein (Siehe entsprechende Milliardenumsätze der Pharma).
    • plataoplomo 23.04.2020 22:53
      Highlight Highlight Danke für die Blitze. Wisst ihr mehr als ich? Darf ich wieder raus? Ich freu mich auf eure Erläuterungen.
    • Randalf 23.04.2020 23:28
      Highlight Highlight
      plataplom
      Wir wissen auch nicht mehr, aber da wir auch nicht wissen was Immunsuppriert heisst, blitzen wir dich einfach.
      Ist natürlich ironisch gemeint und deine Feststellung ist durchaus berechtigt. Besprich das besser mit den Fachleuten aus der Medizin und nicht mit den Fachleuten von watson.
    • homo sapiens melior 23.04.2020 23:58
      Highlight Highlight Wird dasselbe sein, wie das unter "Krebspatienten" Gesagte. Die sind ja auch wegen der reduzierten Immunabwehr auf der Risikoliste.
      Geh grundsätzlich davon aus, dass Viren für alle mit reduziertem Immunsystem gefährlicher sind als normal.
    Weitere Antworten anzeigen
  • tyche 23.04.2020 17:26
    Highlight Highlight Schön und gut ... aber wo bleiben Bitteschön die Quellen der Studien welche zu diesen Aussagen führen?
  • Hartmann Stahlberg 23.04.2020 17:06
    Highlight Highlight Ich dachte, (Nö, bin mir ziemlich sicher) dass Leute die immunmodulierende oder immunsuppressive Medikamente nehmen auch zur Risikogruppe gehören.
    Bin deswegen mittlerweile schon einen Monat zuhause.
    • w'ever 23.04.2020 21:37
      Highlight Highlight @hartmann
      als immunsupprimierter hat man zur zeit eigentlich hausarrest

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