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Die Zürcher Wissenschaftler analysierten die Kosten für Krebsmittel in der Schweiz, Deutschland, England und Frankreich sowie in den USA. Bild: shutterstock

Krebsmedikamente müssten eigentlich gar nicht so teuer sein

Kosten von Krebsmedikamenten stehen oft in keinem Verhältnis zu ihrem medizinischen Nutzen. Zu diesem Schluss gelangt eine internationale Studie der Uni Zürich. Die Verfasser raten deshalb den Behörden, bei ungerechtfertigten Preisen Vergünstigungen auszuhandeln.



Immer mehr neue Krebsmedikamente kamen in den letzten Jahren auf den Markt und trotzdem sind die Preise für die Therapien in Europa und in den USA gestiegen. Dies treibt die Gesundheitskosten in die Höhe – «eine Herausforderung, nicht nur für das Sozialversicherungssystem in der Schweiz, sondern auch für Patientinnen und Patienten auf der ganzen Welt», heisst es in einer Mitteilung eines Forschungsteams der Universität Zürich und der Harvard Medical School.

Die Wissenschaftler um Kerstin Noëlle Vokinger, Professorin an der Universität Zürich, analysierten die Kosten für Krebsmittel in der Schweiz, Deutschland, England und Frankreich sowie in den USA. Die Preise von 65 neueren Onkologika für feste Tumore sowie für Blutkrebs wurden auf die monatlichen Behandlungskosten eines Standardpatienten angepasst.

Danach wurde die Wirksamkeit der Präparate, die sowohl von der amerikanischen wie den europäischen Zulassungsbehörden zugelassen worden sind, geprüft mittels zweier etablierter medizinischer Nutzenbewertungssysteme für Krebstherapien: dem «American Society of Clinical Oncology Value Framework» und dem «European Society of Medical Oncology Magnitude of Clinical Benefit Scale».

Die Studie zeigte klar, «dass es für die Schweiz, Deutschland, England und die USA keinen Zusammenhang gibt zwischen dem klinischen Nutzen von Krebsmedikamenten und ihren Preisen», erklärt Erstautorin Kerstin Vokinger in eine Mitteilung vom Donnerstag.

Amerikaner werden am stärksten geschröpft

Von den fünf untersuchten Ländern verzeichnen die USA die höchsten Preise, im Schnitt zahlt man dort doppelt so viel für dasselbe Medikament wie in Europa. Dies liegt laut Studienverfasser daran, dass dort der freie Markt spielt, während in Europa die Behörden die Kosten mit den Herstellern aushandeln.

Von den europäischen Ländern ist Grossbritannien am teuersten. Allerdings würden dort geheime Rabatte ausgehandelt, die Preise seien deshalb in Wirklichkeit tiefer als offiziell angegeben.

An dritter Stelle der Preis-Rangliste folgt die Schweiz. In Deutschland und Frankreich sind die untersuchten Arzneien günstiger zu haben. Frankreich ist dabei das einzige Land, in dem laut Studie die Preise einigermassen mit der verbürgten Nutzenbewertung korrelieren.

«Arzneimittel mit einer geringen Wirksamkeit sollten tiefere Preise haben als solche mit einer hohen Wirksamkeit», fordert Volkinger. «Die nationalen Behörden sollten bei ihren Preisverhandlungen vermehrt den Nutzen eines Medikaments miteinbeziehen». Nur so könne aufgrund der limitierten finanziellen Ressourcen der Gesundheitssysteme den betroffenen Patientinnen und Patienten der Zugang zu wichtigen Arzneimitteln gegen Krebs gewährleistet werden. (viw/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Booker 03.05.2020 07:56
    Highlight Highlight Schlussendlich zählen eben nicht nur die Herstellungs- oder Materialkosten. Da arbeiten Anfangs Dutzende und später Hunderte Mitarbeiter teils über Jahre an einem Projekt. In der klinischen Studie zeigt der Wirkstoff Dann unerwartete Nebenwirkungen und das Projekt wird gestoppt. Gekostet hat es aber schon viele Millionen.
    Wieso kauft Ihr denn ein Auto für 40‘000 CHF, was eigentlich materialmässig nur 8‘000 CHF Wert hat und hinterfragt das nicht ? Und wieso verlangt Ihr Lohn für Eure Arbeit ?
  • Pollo Loco 02.05.2020 21:38
    Highlight Highlight Beim ersten Bild der geheilten Promi Frauen, ist das nicht Anastacia, die an Brustkrebs erkrankt war?
  • beaetel 02.05.2020 07:04
    Highlight Highlight Das Forschung und Entwicklung so viel kosten würden, das folglich jeder Preis gerechtfertigt wäre, kann nur ein Pharma Aktionär gutheissen. Das Marketingbudget solcher Konzerne ist übrigens doppelt so hoch, wie das für Forschung und Entwicklung. Und echte Innovation kommt von den Hochschulen und ist meistens zufallsbedingt, im Stil von, wir forschten in diese Richtung, machten einen Fehler und entdeckten dadurch ... Penicillin z.B. Das Pharma-Kartell missbraucht unser Gesundheitssystem unverfroren. Als Konsument kann man nicht einfach sagen, dann zahle ich halt keine Prämien mehr ...
    • Booker 03.05.2020 08:00
      Highlight Highlight Viele gute Erfindungen waren nur zufallsbedingt. Und ja Innovation kommt oft von unabhängigen Instituten und Hochschulen. Nur irgendwann benötigen diese Ideen dann ziemlich viel Kapital und da braucht es eben wieder die Industrie.
      Stell Dir vor wieviele Leute an einem Wirkstoff arbeiten, das sind anfangs vielleicht 3-4, einige Wochen später ein Dutzend, dann 50, 100, 200 und das über Monate/Jahre bis es in eine teure klinische Studie geht. Da hat die Arbeit alleine bereits viele Millionen gekostet. Und nur jedes Zehnte Produkt schafft es auf den Markt!
  • bebby 01.05.2020 13:10
    Highlight Highlight Solange die Preise für lebensverlängernde Medikamente so hoch sind, bleibt für die normale medizinische Versorgung zu wenig übrig. Inskünftig hätte ich lieber eine besser ausgebaute Grundversorgung, die auch mit Epidemien fertig wird, als dass ich mit 80 noch ein paar Jahre länger mit Krebs leben kann. Diese Diskussion sollte man schon führen.
    • TodosSomosSecondos 01.05.2020 13:38
      Highlight Highlight Und was ist mit denen, die mit 40 Krebs bekommen oder mit 5? Und dann sind wir wieder bei der Diskussion, ob das Leben eines alten Menschen denn weniger wert sei als dasjenige eines jüngeren und diese haben wir ja erst gerade geführt und befunden, dass das Alter keine Rolle spielen darf.
    • Fizjak 01.05.2020 23:18
      Highlight Highlight Ich hatte einen tumor mit 16 aber ja habe sicher lange genug gelebt hätten sie mich doch sterbem lassen
    • bebby 02.05.2020 13:04
      Highlight Highlight Ich wollte mehr auf den Fakt hinweisen, dass z. B. jeder zweite Mann ab einem gewissen Alter Prostatakrebs hat, aber deswegen noch lange nicht daran stirbt. Ab einem gewissen Alter hat man halt eine Morbidität, das ist völlig normal. Nicht normal ist, dass man dann alles noch behandeln will.
    Weitere Antworten anzeigen
  • pun 01.05.2020 12:53
    Highlight Highlight Bin ich völlig falsch gewickelt oder sollten nicht nur die Wirksamkeit, sondern vor allem die Herstellungskosten ausschlaggebend für Medikamentenpreise sein? Oder ist das sowieso ausser Frage, weil die Pharmakonzerne nicht zugeben wollen, dass eine tausendfränkige Schachtel auch mit guter Marge für CHF 12.60 zu haben wäre?
    • TodosSomosSecondos 01.05.2020 13:41
      Highlight Highlight Die Herstellungskosten sind ja genau das, womit die Pharmaindustrie die hohen Preise begründet. Deswegen sind neue Präparate teurer, weil die Investitionen erst noch amortisiert werden müssen, selbst wenn keine erhöhte Wirksamkeit gegeben ist.

      So gut wie alle Pharmakonzerne sind börsenkotiert, das heisst ihre Bücher sind relativ offen und unterliegen strengen Audits. Ich gehe mal davon aus, dass die Preise somit schon in etwa stimmen - so brutal das ist.
    • Pafeld 01.05.2020 14:02
      Highlight Highlight Die Herstellung an und für sich ist in Bezug auf die Kosten völlig irrelevant, im Vergleich zu den Kosten aus Forschung, Entwicklung und Zulassung. Das eine Schachtel Krebsmedikante, welche nur an ein paar 10'000 Patienten pro Jahr zum Einsatz kommt und in der Entwicklung und Zertifizierung mehrere Milliarden verschlungen hat, nicht für CHF 12.60 verkauft werden kann, ist eigentlich offensichtlich.
    • Aglaya 01.05.2020 14:22
      Highlight Highlight Die Herstellungskosten machen nur einen minimalen Teil der Gesamtkosten aus. An einem Medikament wird oft jahrelang geforscht, diese Kosten müssen auch wieder reinkommen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Neruda 01.05.2020 11:32
    Highlight Highlight Ein gutes Argument. Aber es ist ja bekannt, dass wir in der Schweiz viel zu viel für Medikamente bezahlen. Beispiel Cetallerg von Sandoz: in der Schweiz kostet die 30er Packung 20 Fr., in Schweden das gleiche Produkt 1,80 Fr. Ähnlich sieht es bei Metoprolol 25mg 100 St. aus. Schweden 10 Fr., Schweiz 16 Fr. Diese Preisunterschiede sind die reinste Abzockerei. Der Bund muss endlich die Preise vorschreiben, anders geht es offensichtlich nicht. Seit Jahren wird verhandelt und fast nichts ändert sich.
    • Mantrax 01.05.2020 14:43
      Highlight Highlight Man sollte aber die Preise für Generika (sicher eher bis viel zu hoch) und diejenigen für innovative Medikamente ein Stück weit getrennt betrachten. Mechanismen und Gefahren (zB plötzlich einen oder gar keinen Produzenten mehr bei Generika zu haben, weil es einfach nicht mehr rentabel geht) sind verschieden.

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