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Gehörnter oder Rabe, die Münzen in der Schweiz hatten vor dem Franken viele eigenwillige Namen.
Illustration: Marco Heer

Gehörnter oder Rabe, die Münzen in der Schweiz hatten vor dem Franken viele eigenwillige Namen. Illustration: Marco Heer

Die Schweiz und ihr Geld

Vor 1850 bezahlte man in der Schweiz mit Dicken, Rösseler oder Cornuto. Erst seit 1850 ist der Franken die einheitliche nationale Währung. Ein Blick in die Geldbörsen vergangener Tage.

Christian Weiss / Schweizerisches Nationalmuseum



Die Schweiz hat mit dem Schweizer Franken seit 1850, das heisst kurz nach der Gründung des modernen Bundesstaats 1848, dieselbe Währung. Diese einheitliche Münzprägung von Franken und Rappen und ihren Mehrfachen täuscht darüber hinweg, dass in der Alten Eidgenossenschaft eine beachtliche Vielfalt von Münzsystemen und zugehörigen Wertstufen geprägt wurde: Im Ancien Régime verfügten alle 13 eidgenössischen Orte – mit Ausnahme von Appenzell Ausserrhoden – über eigene Münzstätten.

An vielen Orten in der Schweiz konnte zudem mit fremden Münzsorten bezahlt werden, und schon im Mittelalter hatten sich zahlreiche Bistümer, Fürstabteien, aber auch Herzöge oder Grafen das Münzrecht verleihen lassen. So erstaunt es nicht, dass es in der Schweiz im Verlauf der Zeit unzählige Münzsorten mit unterschiedlichsten Namen gegeben hat, von denen heute kaum jemand mehr weiss. Oder hätten Sie gedacht, dass man in der Schweiz früher mit einem Dicken oder einem Rösseler bezahlen konnte? Oder dass, wenn man in Lausanne im 16. Jahrhundert nach dem Preis fragte und als Antwort «Cornuto!» zu hören bekam, dies tatsächlich die erhoffte Antwort und keine Beleidigung war?

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Einige der heute abenteuerlich klingenden Münznamen leiteten sich von den Bildern auf diesen Münzen ab: Ein Kreuzer trug ein Kreuz, ein Cavallotto einen Reiter, ein Testone einen Kopf. Doch diese Münznamen wurden in der Schweiz oft verändert, nicht zuletzt aufgrund der Sprachgrenzen: Während der zuerst in Venedig geprägte Testone in der Schweiz bald keinen Kopf mehr als Münzbild trug und deswegen aufgrund der im Vergleich zur Breite auffällig dicken Münze schlicht «Dicken» genannt wurde, wurden die einen Reiter – in der Schweiz zumeist der heilige Martin – wiedergebenden Cavallotti im deutschen Sprachgebrauch zumeist als «Rösseler» übersetzt. Die im savoyischen Raum geprägten Cavallotti wiederum wurden als «Cornuto» (Gehörnter) bezeichnet, weil die geflügelte Helmzier auf der Vorderseite als Hörner missverstanden wurde.

Lausanne, Bistum. Sebastiano di Monfalcone (1517-1536). Cornuto o. J. (nach 1526).

Ein Cornuto geprägt im Bistum Lausanne, frühes 16. Jahrhundert. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum /

Schweiz. 2 Franken 1850. Ø 2,69 cm. 10,02 g. 360°. Silber, geprägt.

Zwei Schweizer Franken, 1850. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum /

Wie der Franken zu seinem Namen kam

Neben den Bildern wurde auch die auf den Münzen mitgeprägte Schrift zum Anlass genommen, um Wertstufen zu bezeichnen: Der Franken leitet sich von französischen Münzen mit der Bezeichnung FRANCORVM REX ab, dem Titel «König der Franken» des französischen Königs, wobei FRANCORVM oftmals mit FRANC abgekürzt wurde. Auch der Dukat, eine weit verbreitete Goldmünze, die erstmals im Jahr 1482 in Venedig geprägt wurde, hat so seinen Namen erhalten: SIT T XPE DAT Q TV REGIS ISTE DVCAT (Es sei Dir, Christus, dieses Herzogtum zur Herrschaft gegeben) steht auf den ersten Dukaten auf der Rückseite geschrieben. Der Münzname leitet sich somit vom lateinischen Wort für Herzogtum ab.

Stand bei der Namensgebung des Frankens Pate: der französische König, hier Karl V.

Stand bei der Namensgebung des Frankens Pate: der französische König, hier Karl V. Bild: Wikimedia / British Library

Aber auch die Prägeorte von Münzen konnten zu deren Namen werden: So wurde ab dem Spätmittelalter in weiten Teilen der Schweiz der Haller oder Heller als kleinste Wertstufe geprägt. Der Name leitet sich von Schwäbisch Hall ab, wo seit dem 13. Jahrhundert eine wichtige Reichsmünzstätte betrieben wurde. Die dort geprägten Silbermünzen liefen auch in Teilen der Schweiz um, der Name Haller wurde schliesslich für das eigene Kleingeld übernommen.

Auch der Taler, der seinerseits wiederum Namensgeber des Dollars war, leitet seinen Namen von einem Prägeort ab: Das um 1516 entdeckte reiche Silbervorkommen von Sankt Joachimsthal (heute: Jáchymov in Tschechien) führte ab 1519 zu einer beachtlichen Produktion von Guldinern – Silbermünzen im Wert eines Goldguldens. Diese wurden bald unter der Bezeichnung «Joachimsthaler» bekannt, später verkürzt zu «Taler». Auch wenn in der Schweiz bereits ab 1493 Guldiner geprägt worden waren, so etablierte sich in der Folge dennoch auch hier die Bezeichnung «Taler» für diese rund 29 Gramm schweren Silbermünzen.

Missverständnisse bei der Namensgebung

Manche Münznamen verdanken wir aber auch Missverständnissen oder gar Schmähungen: Der Münzname Angster, ein um 1340 erstmals im Raum Basel nachweisbarer doppelter Pfennig, hat seinen Namen vermutlich von angustus, dem lateinischen Wort für eng, spärlich, gering. Ob man sich dabei auf die dünne Prägung oder den geringen Wert bezog, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Sicherlich aber wurde der Münzname falsch verstanden, als man ihn im Tessin und Norditalien mit dem Dialektwort für «sich ängstigen» (spagurás, spagüras) übersetzte. Mit einer charmanten Schweizer Endung versehen, findet sich diese nun als «Spagürli» bezeichnete Kleinmünze in Schweizer Schriftquellen des 15. Jahrhunderts wieder. Spagürli wurden in der Folge auch in Luzern und im Bistum Sitten geprägt.

Mit Absicht hingegen wurden Münzen aus der Münzstätte in Freiburg im Breisgau missverstanden: Ein nicht so sehr geglücktes Münzbild sollte dort den Reichsadler wiedergeben, wurde aber aufgrund seines Aussehens als Rabe beschimpft. Dieser Rabe (beziehungsweise Rappen) wurde – nunmehr nur noch Münzname, das Münzbild wurde von Ort zu Ort angepasst – dank des sogenannten Rappenmünzbundes auch in Schweizer Münzstätten geprägt und fand schliesslich als Hundertstel des Franken seinen Weg in die Münzprägung der modernen Schweiz.

Einen noch schwierigeren Start hatte der erstmals 1492 in Bern geprägte Batzen: Aufgrund einer aufgezwungenen Abwertung um 21 Prozent Rollbatzen (Dreck- oder Kotklumpen) genannt, wurde er in Bern aber bald als Bätz (Bär) umgedeutet, was sicher auch mit der zwischenzeitlichen Akzeptanz dieser weit herum imitierten Münzsorte zusammenhängt.

Sie sehen, die Schweiz und ihr Geld, das war schon früher eine spannende Sache. So gesehen ist es fast schon langweilig, wenn wir heute nur noch mit Franken und Rappen bezahlen. Ein bisschen schmunzeln dürfen Sie aber dennoch, wenn Sie das nächste Mal beim Einkaufen mit Franzosen und Rabenvögeln bezahlen.

Luzern, Stadt. Vierer-Spagürli o. J. (nach 1520). Ø 1,776 cm. 0,68 g. 210°. Silber, geprägt.

Spagürli der Stadt Luzern, frühes 16. Jahrhundert. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum /

Freiburg im Breisgau. Pfennig (2. Hälfte 14. Jh. ).

Ein Rabe beziehungsweise Rappen aus Freiburg im Breisgau, zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum /

>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch

watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen aus dem Blog des Nationalmuseums. Der Beitrag «Die Schweiz und ihr Geld» erschien am 17. August.
blog.nationalmuseum.ch/2020/08/schweizer-franken

So klingt die neue 20-Franken-Note

Video: watson/can & loro

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    Alle Leser-Kommentare
  • Henri Lapin 23.08.2020 11:15
    Highlight Highlight Den Batzen kennt man in Basel noch
    • Dani B. 23.08.2020 19:12
      Highlight Highlight Wo nicht?
  • Maya Eldorado 23.08.2020 10:43
    Highlight Highlight Warum wurde das Goldvreneli ganz aussen vor gelassen?
    Das ist doch eine Schweizer Goldmünze, die aber schon lange nicht mehr im Umlauf ist.
  • Rethinking 23.08.2020 08:41
    Highlight Highlight Schade... unter dem Titel „Die Schweiz und ihr Geld“ hätte ich mir eher eine psychologische und philosophische Betrachtung, der Beziehung die die Schweizer zu ihrem Geld haben, gewünscht
  • Der Rückbauer 23.08.2020 01:15
    Highlight Highlight Letzthin kriegte ich an einem Kiosk als Retourgeld eine 1-Fr.-Silbermünze Jg. 1887.
    Wo gibt es das auf der ganzen Welt?
    Ich trage diese Münze jetzt in meinem Portemonnaie mit mir rum. Sie erinnert mich dauernd daran, dass wir die härteste Währung der Welt haben.
  • Ueli der Knecht 23.08.2020 01:01
    Highlight Highlight "So gesehen ist es fast schon langweilig, wenn wir heute nur noch mit Franken und Rappen bezahlen."

    Heutzutage sind Kryptowährungen interessant, die nicht nur als Zahlungs- und Tauschmittel dienen, sondern auch Smart Contracts und Dezentrale Autnome Organisationen (DAOs) ermöglichen. Über kurz oder lang werden die Kryptowährungen das Geld vermutlich vollständig ersetzen, so wie der Franken einst die Dicken, Rösseler, Cornutos, Heller, Dukaten usw. ersetzte.
  • Demetria 22.08.2020 23:44
    Highlight Highlight Heheheh die erste Münze im Gebiet der heutigen Schweiz war ohnehin eine Falschgeld: keltische Nachahmungen des Philipper Staters. Irgendwie passend... die internationalen Finanzmarkt betrügen hat eine lange Tradition im Land. Aber die Schweiz ist ja gerne etwas traditioneller als der Rest von Europa.
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 22.08.2020 23:28
    Highlight Highlight Die Überschrift müsste korrekt heissen:

    Die Schweiz und das Geld, das eigentlich den Anderen gehört.
  • Samurai Gra 22.08.2020 22:59
    Highlight Highlight Sorry aber der Freiburger Rechsadler war schon sehr Misslungenen 🤭

    Ansonsten danke für den Informativen Artikel
    • Nurmalso 23.08.2020 07:11
      Highlight Highlight Das ist ein Tintenfisch
  • De-Saint-Ex 22.08.2020 22:25
    Highlight Highlight Spannende Geschichte. Das meiste wusste ich nicht. Danke!
  • Erklärbart. 22.08.2020 21:04
    Highlight Highlight Eigentlich müsste es heissen: Die Schweiz und ihr Stolz.
    • Toerpe Zwerg 22.08.2020 22:44
      Highlight Highlight Wenn Sie das sagen ...
    • Knacker 22.08.2020 22:46
      Highlight Highlight Und zurecht. Nennen Sie mir mal eine andere Währung die es seit über 150 Jahren gibt und die so stabil ist wie der CHF?
    • Bananenrepublikaner 23.08.2020 08:36
      Highlight Highlight oder: Die Schweiz und ihr Ein und Alles
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Das Dorf geflutet – der Untergang von Innerthal

Am 9. August 1924 wurde die Kirche von Innerthal gesprengt. Danach kamen die Fluten. Grund dafür war der wachsende Strombedarf der Schweiz und damit verbunden der Bau eines Stausees.

1924 ist das sonst so ruhige Wägital im Kanton Schwyz ein beliebter Ausflugsort. Denn die Menschenmassen, die zu Fuss oder per Velo den Taleinschnitt südlich von Siebnen in der March besuchen, wollen die Grossbaustelle besichtigen und den national bekannten Ort der Trauer ansehen. Bald wird das Elektriztätskraftwerk Wägital den Talboden fluten und damit auch die 336 Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes Innerthal vertreiben.

Die Schaulustigen wollen den Ort der angesagten Katastrophe noch …

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