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Verwirrung um Ansteckungsgefahr von Kindern: Drei Studien, drei Meinungen



Die Verwirrung um die Kinder in der Corona-Pandemie bleibt gross: Während der BAG-Delegierte Daniel Koch in der Schweiz verkündet, dass Kinder kaum infiziert seien und die Krankheit auch nicht übertragen würden, kommt eine deutsche Analyse zu einem anderem Schluss: Kinder sind vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Zahl der Viren, die sich in den Atemwegen nachweisen lässt, unterscheide sich bei verschiedenen Altersgruppen nicht.

ARCHIV - 23.01.2020, Berlin: Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, steht im Institut für Virologie an der Charité Berlin Mitte, in dem Untersuchungen zum Coronavirus laufen. Deutschland wird Experten zufolge mit dem neuen Coronavirus dauerhaft leben müssen. Der Virologe Drosten erwartet, dass Deutschland in Europa eines der Länder mit den höchsten Fallzahlen wird, «weil unsere Bevölkerung sehr reisefreudig ist», wie der Experte von der Berliner Charité am Donnerstagabend (27.02.2019) im ZDF sagte. Foto: Christophe Gateau/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Christophe Gateau)

Virologe Christian Drosten schätzt die Lage anders ein als Daniel Koch. Bild: DPA

Das berichten Forscher um den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité in einer vorab veröffentlichten und noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Studie. Die Forscher warnen aufgrund ihrer Ergebnisse vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland.

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Die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie zeigten in vielen Ländern Wirkung, schreiben die Forscher. Mit Lockerung der Kontaktbeschränkungen gebe es vermehrt auch Diskussionen darüber, inwieweit die Schliessung von Schulen und Kindergärten zu diesem Erfolg beigetragen hat – und wie sich eine Wiedereröffnung auf die Ausbreitung des Virus auswirken könnte.

Daniel Koch, Delegierter des BAG fuer COVID-19, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur Situation des Coronavirus, am Montag, 27. April 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Daniel Koch: «Von den Kindern geht keine Gefahr aus, auch nicht für Risikopersonen oder Grosseltern». Bild: KEYSTONE

Bisher sei unklar, inwieweit Kinder das Virus an andere weitergeben. Die Untersuchung dieser Frage sei schwierig, gerade weil die Schulen früh geschlossen wurden und weil das Virus vor allem in der Anfangsphase der Epidemie vor allem von erwachsenen Reisenden weitergegeben wurde.

Das Team um Drosten hatte nun in Proben von 3712 Infizierten, die zwischen Januar und 26. April in einem Berliner Testzentrum untersucht wurden, die Menge an Sars-CoV-2-Viren bestimmt. Sie fanden keinen Unterschied in der Viruslast zwischen verschiedenen Altersgruppen. Bei der Beurteilung der Ansteckungsgefahr in Schulen und Kindergärten müssten die gleichen Annahmen zugrunde gelegt werden, die auch für Erwachsene gelten, schreiben die Forscher.

Koch sieht das anders

Daniel Koch sagt am Montag vor den Medien, dass von Kindern keine Gefahr ausgehe, auch nicht für Risikopersonen oder Grosseltern. Das gilt nach seinen Angaben für Kinder bis zum Alter von etwa zehn Jahren. Bei Jugendlichen sei Körperkontakt nicht mehr erwünscht.

Grosseltern könnten gefahrlos ihre Enkel umarmen. Hüten sollten sie die Kleinen aber immer noch nicht. Grund dafür ist laut Koch, dass es dabei zu einer Vermischung der Generationen und zu zunehmendem sozialem Kontakt kommen könnte. Dabei könnten zwar nicht die Kinder, wohl aber die Erwachsenen die Grosseltern anstecken. «Das wollen wir vermeiden.»

Koch ergänzte auch, dass es zum Umgang mit Kindern unterschiedliche Einschätzungen von Experten gäbe. Seiner Ansicht nach sei der Kontakt jedoch verantwortbar. Das sei kein Spiel mit dem Feuer, sagte er.

Chinesische Studie stützt Kochs Thesen

Unterstützung hat Koch am Donnerstag von Drosten selber erhalten. Er tweetete die Ergebnisse einer neuen chinesischen Studie, die besagen, dass Kinder im Alter von 0-14 Jahren weniger anfällig für eine Infektion mit SARS-CoV-2 sind als Erwachsene.

Das Risiko einer Infektion bei Kinder betrage demnach nur ein Drittel des Risikos von Erwachsenen. Die Studie erschien in der renommierten Fachzeitschrift «Science».

(dfr/sda/dpa)

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