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Bis wir einen Ausflug auf den Mars machen können, wird es noch ein Weilchen dauern. 
Bis wir einen Ausflug auf den Mars machen können, wird es noch ein Weilchen dauern. 
Bild: Tumblr

Diese 5 Projekte bringen dich vielleicht bald ins All – etwas Kleingeld vorausgesetzt

20.09.2018, 16:50

Früher war auch die Zukunft besser. In der Weltraum-Euphorie während der Zeit der Mondlandungen prophezeite man, dass bald Touristen den Mond – und gar den Mars – besuchen würden. Bereits 1964 plante die US-Airline Pan American touristische Weltraumflüge für das Jahr 2000.

    Raumfahrt
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Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2018 – und nach wie vor kann man Touristen, die tatsächlich im Weltraum waren, fast an einer Hand abzählen. Teilnehmer an suborbitalen Flügen, die zwar den Weltraum erreichen, aber nicht in einen Orbit gelangen, zählen wir hier nicht. Der erste Weltraumtourist war der amerikanische Unternehmer Dennis Tito, der 2001 eine Woche auf der Internationalen Raumstation ISS verbrachte und dafür 20 Millionen Dollar bezahlte. Seit längerem ist kein Tourist mehr im Weltraum gewesen – doch es gibt eine Reihe von Projekten. 

Der erste Tourist im All: Tito (Mitte) an Bord der ISS.
Der erste Tourist im All: Tito (Mitte) an Bord der ISS.
Bild: EPA/NTV

SpaceX

Derzeit sorgt Multi-Visionär Elon Musk für entsprechende Schlagzeilen. Der SpaceX-Chef hat diese Woche angekündigt, der japanische Textilunternehmer Yusaku Maezawa werde 2023 in einer Mission des privaten Raumfahrtunternehmens rund um den Mond fliegen. Maezawa sagte, er wolle «sechs bis acht Künstler» aus aller Welt einladen, ihn auf der «Mission zum Mond» zu begleiten. Wie viel der Weltraum-Trip kostet, wurde nicht bekanntgegeben. 

SpaceX wäre für die Mission verhältnismässig gut gerüstet: Die Firma ist in kurzer Zeit zum Marktführer bei Satellitenstarts geworden und verfügt mit der im Februar 2018 erstmals erfolgreich gestarteten Falcon Heavy die derzeit weltweit leistungsfähigste Trägerrakete. 

Falcon Heavy bringt Tesla ins All

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Falcon Heavy bringt Tesla ins All
quelle: ap/spacex
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Allerdings hatte SpaceX bereits im Februar 2017 angekündigt, man wolle bis Ende 2018 zwei Weltraumtouristen ins All bringen, die in einem Dragon-Mannschaftstransporter den Mond umrunden sollen. Doch just einen Tag vor dem erfolgreichen Start der Falcon Heavy gab Musk bekannt, dass mit dieser Rakete keine bemannten Flüge mehr geplant seien. 

Musk steht der Sinn nach etwas Grösserem: Die Big Falcon Rocket (Lästerzungen nennen sie Big Fucking Rocket) soll Flüge zum Mars ermöglichen, um den Roten Planeten zu besiedeln. In einer wiederverwendbaren Version soll die BFR 150 Tonnen Nutzlast in den Orbit befördern können; bei Einwegnutzung sollen es sogar 250 Tonnen sein. Das würde die BFR zur bisher leistungsfähigsten Rakete machen.

Suborbitale Testflüge mit dem Raumschiff – also der oberen Stufe – sollen laut Musk bereits 2019 stattfinden. 2021 soll dann die gesamte Rakete abheben – und für 2023 ist schliesslich der Flug mit Maezawa und den Künstlern geplant. Falls dieser Flug wie geplant stattfindet, wird er einen Rekord brechen: Maezawa und seine Begleiter werden mit bis zu 650'000 Kilometern Distanz zur Erde die am weitesten jemals von unserem Planeten entfernten Menschen sein. Bisher war dies die Crew von Apollo 13

Die Big Falcon Rocket von SpaceX. 
Die Big Falcon Rocket von SpaceX. 
Bild: Nasa

Space Adventures

Die bisher einzige Weltraumtouristin, die Multimillionärin Anousheh Ansari, nach ihrer Landung in der kasachischen Steppe. 
Die bisher einzige Weltraumtouristin, die Multimillionärin Anousheh Ansari, nach ihrer Landung in der kasachischen Steppe. 
Bild: EPA

Dieser amerikanische Dienstleister aus Virginia ist das einzige Unternehmen, das bisher tatsächlich Touristen ins All gebracht hat, darunter Tito und die bisher einzige Weltraumtouristin, die iranisch-amerikanische Multimillionärin Anousheh Ansari. Alle wurden von der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos an Bord von Sojus-Raumschiffen zur Internationalen Raumstation ISS befördert. Der letzte Flug, der wie alle anderen vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur in Kasachstan startete, fand 2009 statt. Seither gibt es dafür keine Möglichkeit mehr, da die ISS-Besatzung vergrössert wurde.  

Weltraumtourist Gregory Olsen verlässt 2005 im Kosmonauten-Trainingszentrum «J. A. Gagarin» bei Moskau eine Sojus-Kapsel. 
Weltraumtourist Gregory Olsen verlässt 2005 im Kosmonauten-Trainingszentrum «J. A. Gagarin» bei Moskau eine Sojus-Kapsel. 
Bild: AP SPACE ADVENTURES

Auch Space Adventures plant Flüge um den Mond, und zwar in Zusammenarbeit mit dem russischen Unternehmen RKK Energija. Noch vor 2020 sollen zwei Touristen im Rahmen des Projekts DSE-Alpha in einem speziell dafür eingerichteten und von einem russischen Kosmonauten pilotierten Sojus-Raumschiff den Erd-Trabanten umrunden. Kostenpunkt des neuntägigen Trips: 150 Millionen Dollar. 

Blue Origin

Die New Shepard 2017 bei der Landung nach einem Testflug in Texas. 
Die New Shepard 2017 bei der Landung nach einem Testflug in Texas. 
Bild: AP Blue Origin

Auch die von Amazon-Gründer Jeff Bezos, dem aktuell reichsten Menschen der Erde, ins Leben gerufene Firma Blue Origin hat sich zu Beginn auf die Durchführung von suborbitalen Flügen beschränkt. Zu diesem Zweck entwickelte Blue Origin die Rakete New Shepard, die 2015 erstmals nach einem Weltraumflug kontrolliert vertikal landete. Bereits nächstes Jahr soll sie Passagiere an die Grenze des Weltraums befördern.

Die Crew-Kapsel der New Shepard nach der Landung. 
Die Crew-Kapsel der New Shepard nach der Landung. 
Bild: AP Blue Origin

Doch Bezos, der jedes Jahr eine Milliarde Dollar in Blue Origin steckt, hat wie sein Rivale Musk Grösseres im Sinn: die Orbitalrakete New Glenn, wie New Shepard nach einem US-Astronauten benannt. Das 95 Meter hohe Monstrum von einer Rakete ist nur wenig kleiner als Musks BFR und die legendäre Saturn V, die Mondrakete der NASA.

Die New Glenn (5. und 6. v.l.) im Vergleich zur Falcon Heavy (3. v.l.) und BFR (4. v.l.) von SpaceX sowie anderen Raketen wie der Saturn V (7.v.l.) und den geplanten SLS-Raketen der NASA.
Die New Glenn (5. und 6. v.l.) im Vergleich zur Falcon Heavy (3. v.l.) und BFR (4. v.l.) von SpaceX sowie anderen Raketen wie der Saturn V (7.v.l.) und den geplanten SLS-Raketen der NASA.
Bild: Wikimedia

Die New Glenn wird mit dem von Blue Origin entwickelten Raketenantrieb BE-4 ausgerüstet, der genügend Schub entwickelt, um 45 Tonnen Fracht in die Erdumlaufbahn zu bringen. Wie ihr Vorgänger soll New Glenn senkrecht landen und – was einigermassen ambitioniert erscheint – bis zu 100-mal wieder starten können. Blue Origin arbeitet zudem an einem Landesystem für Mondflüge und an einer Kapsel für die Bemannung. Denn wie Bezos sagt: «Mein einziger Fokus sind Menschen im All.» Ein erster Start ist für das Ende dieses Jahrzehnts geplant. 

Virgin Galactic

Die 2004 von dem britischen Unternehmer Richard Branson gegründete Firma hat ihren Sitz im US-Staat New Mexico, wo sie auch einen Weltraumbahnhof aufgebaut hat, den Spaceport America. Virgin Galactic legt den Fokus allerdings auf suborbitale Flüge, für die es bereits 7000 Interessenten und 500 Buchungen à 200'000 Dollar geben soll. Das Raumflugzeug mit der Bezeichnung SpaceShipTwo wird vom Träger-Flugzeug WhiteKnightTwo bis auf 15,2 km Höhe getragen und dort ausgeklinkt. Es zündet dann sein eigenes Triebwerk, um zur Weltraumgrenze vorzustossen. 

Das SpaceShipTwo von Virgin Galactic.
Das SpaceShipTwo von Virgin Galactic.
Bild: EPA/EPA FILE/VIRGIN GALACTIC

Bransons Bemühungen wurden jedoch von einer Reihe von Unglücksfällen zurückgeworfen – zuletzt stürzte im Oktober 2014 der SpaceShipTwo-Prototyp «VSS Enterprise» ab. Derzeit verfügt die Firma nur über ein funktionsfähiges Raumflugzeug, die «VSS Unity». Erste Touristenflüge sind für das kommende Jahr vorgesehen. Sie könnten vom geplanten italienischen Spaceport Grottaglie aus starten; Virgin Galactic hat eine Partnerschaft mit Altec und Sitael, zwei der grössten italienischen Raumfahrtorganisationen, abgeschlossen. 

Aufgrund der Rückschläge steht das Schicksal der ursprünglich geplanten Flüge in den Orbit derzeit in den Sternen. Falls SpaceShipTwo erfolgreich sein werde, wolle man SpaceShipThree für Weltraumflüge im Orbit entwickeln, gab Branson bereits vor Jahren bekannt. Solche Flüge verlangen freilich ganz andere Geschwindigkeiten: Während suborbitale Flüge Mach 3 (dreifache Schallgeschwindigkeit) erfordern, sind es bei Flügen im Orbit Mach 25. Zudem müssen solche Fluggeräte der enormen Hitze widerstehen können, die beim Wiedereintritt in die Atmosphäre auftritt. 

Das Wrack des 2014 abgestürzten SpaceShipTwo. 
Das Wrack des 2014 abgestürzten SpaceShipTwo. 
Bild: AP/KABC-TV

Bigelow Aerospace

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die im US-Staat Nevada ansässige Firma Bigelow Aerospace. Das von Robert Bigelow, dem Besitzer einer Hotelkette, gegründete Unternehmen plant die Entwicklung eines kommerziellen Weltraumhotels. Der Fokus liegt inzwischen zwar eindeutig darauf, staatlichen und privaten Akteuren Forschungsraum im Erd- oder Mond-Orbit anzubieten, doch Bigelow schliesst die touristische Nutzung – trotz geringer Erwartungen – nicht aus. 

Das BA-330-Modul von Bigelow Aerospace.
Das BA-330-Modul von Bigelow Aerospace.

Die Tochterfirma Bigelow Space Operations (BSO) hat im Oktober 2017 angekündigt, 2022 eine Bigelow Commercial Space Station genannte Raumstation in den niedrigen Mondorbit zu bringen. Sie soll aus aufblasbaren BA-330-Modulen aus Kunstfasermaterial bestehen. Ein Modul ist 20 Tonnen schwer und hat mit 330 m³ etwa ein Drittel des Volumens der ISS, jedoch nur fünf Prozent der Masse – allerdings ohne jede Einrichtung. Durch die flexible Aussenhaut kann das Modul kompakt gefaltet mit einer Rakete ins All befördert werden, wo es sich entfaltet. 

Bereits 2006 und 2007 hat Bigelow Aerospace zwei kleine freischwebende Module – Genesis 1 und Genesis 2 – erfolgreich im Erd-Orbit getestet. Seit April 2016 ist ein Modul namens Bigelow Expandable Activity Module (BEAM) an der ISS zu Testzwecken angedockt. 

Darstellung des Genesis-1-Testmoduls.
Darstellung des Genesis-1-Testmoduls.
Bild: AP BIGELOW AEROSPACE

Wer mit einem Aufenthalt in einem solchen Modul liebäugelt, muss tief in die Tasche greifen. 2014 gab die Firma die Preise für Flug und Aufenthalt in einem BA-330 bekannt: Die Miete von einem Drittel des Moduls soll demnach für zwei Monate 25 Millionen Dollar betragen; der Flug dorthin – mit einer Dragon V2 von SpaceX – soll mit weiteren 26,5 Millionen Dollar pro Person zu Buche schlagen. 

Blick ins Bigelow Expandable Activity Module (BEAM) der ISS.
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